Reisegeschichten aus Irland

Ein Gastbeitrag von Stefanie Bleier (mehr dazu im Autorenprofil)

In diesem Gastbeitrag erzählt uns Stefanie von ihrer Reise 2011 durch diverse Grafschaften Irlands.

Inhalt:

Glendalough

Wir fahren mit dem Mietauto von Dublin in die ca. 40 km entfernten Wicklow Mountains. Nicht wie vor hunderten von Jahren die Wikinger, die mit ihren Schiffen kamen. Wir werden als Besucher freundlich begrüßt und nicht gefürchtet wie einst die rauen Nordmänner. Wir kommen, um der Geschichte des Ortes zu lauschen, die Schönheit der Natur zu bestaunen und die Ruhe zu genießen. Wir kommen nicht um zu plündern und Unheil zu verbreiten.

Glendalough, das „Tal der zwei Seen“, ist bekannt für seine Klostersiedlung am unteren Ende der beiden Seen. Ein Besucherzentrum heißt die zahlreichen Touristen willkommen und bietet Informationen zur Geschichte der Klosteranlage. Als wir die vielen Autos erblicken, befürchten wir, dass diese Sehenswürdigkeit total überlaufen ist. Nichtsdestotrotz parken wir das Auto und gehen zu Fuß entlang eines Baches weiter.

Die Geschichte des Ortes reicht bis ins 6. Jahrhundert zurück. Der Heilige Kevin kam hierher, um zurückgezogen zu leben. Es sammelten sich jedoch rasch viele Menschen um ihn und die Siedlung wuchs. Der Legende nach soll Kevin im Jahr 618 im stolzen Alter von 120 Jahren verstorben sein. Ich versuche mir vorzustellen, wie die Menschen damals lebten. Es muss ein hartes, entbehrungsreiches Leben gewesen sein. Doch sind wir heute mit unserem Reichtum sehr viel glücklicher als es die Menschen damals waren?

Nach einem kurzen Fußmarsch erreichen wir die Klosteranlage. Genauer gesagt das, was davon noch übrig ist. Der 33 Meter hohe Rundturm sticht als Erstes ins Auge. Von außen betrachtet wirkt er noch gut erhalten. Der Innenbereich ist für uns nicht zugänglich. Er wurde 1066 erbaut, um die religiösen Schätze der Mönche vor den Wikingern zu schützen. Dutzende Grabsteine, viele mit keltischen Kreuzen verziert, flankieren den Weg. Die Inschriften sindkaum mehr zu entziffern. Sowohl die Wikinger, als auch englische Truppen überfielen die Klosteranlage mehrmals. Ich frage mich, wie viele Menschen bei den Überfällen ihr Leben lassen mussten. Obwohl die Anlage 1398 großteils zerstört wurde, ließen sich die Mönche nicht gänzlich vertreiben. Das Kloster blieb bis ins Jahr 1539 bestehen, als der englische König Heinrich VIII die Auflösung aller irischen Klöster befahl.

Glendadlough, Co. Wicklow – Foto: Stefanie Bleier

Wir verlassen die Klosteranlage und spazieren in Richtung der zwei Seen. Wir folgen einem schmalen Fußweg. Die Wanderwege sind gut beschildert. Je weiter wir uns vom Parkplatz entfernen, desto weniger Touristen begegnen uns. Wir kommen an einem kleinen Wasserfall vorbei. Ich halte inne und atme die frische Luft tief ein. Die Magie des Ortes umfängt michund ich würde gerne noch länger hier verweilen. Doch die Reise geht weiter…


Der Titanic auf der Spur

Meine Irland-Rundreise 2011 führt mich nach Cobh, einer Stadt im Süden der Insel. Cobh, zu Deutsch „Die Höhle“, ist mit einer Brücke mit dem Festland verbunden. Ich spaziere mit meiner kleinen, aber feinen Reisegruppe die steile Straße zum Hafen hinunter. Ein Großteil des Ortes befindet sich in einer Hanglange. Ins Auge stechen die vielen bunt gestrichenen Häuser.

Wir schlendern an einem der weltweit größten Naturhäfen entlang. Die Kulisse ist wirklich beeindruckend. Mein Blick streift über die kleinen, bunten Fischerboote, die von ihrer morgendlichen Ausfahrt wieder sicher zurück in den Hafen kamen. Die Sonne strahlt vom Himmel, es ist angenehm warm. Wir verweilen auf einer der Parkbänke und beobachten einen Schwarm Möwen. Die grüne Insel zeigt sich von ihrer schönsten Seite. Viele Kreuzfahrtschiffe machen hier Halt. Heute ist die Stadt fest in der Hand von Touristen, doch das war nicht immer so.

Cobh, Co. Cork – Foto: Stefanie Bleier


Gegen Ende des 18. Jahrhunderts entwickelte sich Cobh zum Auswandererhafen. Man geht davon aus, dass bis 1950 an die 2,5 Millionen Menschen ihre Heimat von hier aus verließen. Weltweite Bekanntheit erreichte der Ort allerdings aus einem tragischen Anlass. Der Hafen von Cobh war der letzte, den die Titanic vor ihrem Untergang anlief. Nach unserer Rast auf der Parkbank spazieren wir weiter. Wir folgen dem Titanic Trail durch die Stadt und erfahren mehr über das bekannteste Schiffsunglück der Welt.

Dann geht es steil bergauf. Über dem Ort wacht die St. Colman Kathedrale. Kühle Luft umfängt uns, als wir die neugotische Kirche betreten. Besonders stolz ist man hier auf das einzige Glockenspiel Irlands mit insgesamt 49 Glocken. Da die Restaurants hier eher teuer sind, gibt es zum Abendessen ganz traditionell Fish & Chips.

Am nächsten Morgen regnet es wenig überraschend und wir beschließen weiterzuziehen. Insgeheim bin ich froh, diesen Ort wieder verlassen zu können. Bei all der malerischen Kulisse drehen sich meine Gedanken doch ständig um die Schicksale der verzweifelten Auswanderer und der ertrunkenen Passagiere der Titanic.

Ich bin gespannt, was es noch zu entdecken gibt. Nächstes Highlight der Reise: Garinish Island!


Garnish Island

Die Reise begann in Dublin und führte uns über Glendalough und Kilkenny, wo wir das malerische Kilkenny Castle besichtigten, nach Cobh. Anschließend ging es weiter zur Beara Halbinsel im Südwesten von Irland. Wir fuhren den bekannten Ring of Beara entlang. Die enge und kurvenreiche Straße ist für Reisebusse und Wohnmobile gesperrt. Es sind daher nur wenige Touristen mit ihren Mietautos unterwegs.

Wir nächtigten im Ort Glengarriff. Hier ist man stolz darauf, die mildesten Wintertemperaturen in ganz Irland zu haben. Das angenehme Klima macht sich natürlich in der Vegetation bemerkbar. Unter dem wärmenden Einfluss des Golfstroms blüht und gedeiht alles hervorragend. Die Niederschlagsmenge ist recht hoch, bei unserem Besuch blieb es erfreulicherweise trocken. Die malerische Landschaft war ein Traum! Die Halbinsel ist zu Recht nach der altirischen Fruchtbarkeitsgöttin Beara benannt. Die zahlreichen Menhire, Steinkreise und Hügelgräber wirken selbst bei Sonnenschein mystisch und geheimnisvoll auf die Besucher.

Eigentlich wollten wir am nächsten Morgen nach Killarney, wo ein Nationalpark bereits darauf wartete von uns bewandert zu werden, weiterfahren. Der Besitzer des Bed and Breakfast gab uns jedoch den Tipp, vor der Weiterfahrt noch einen Abstecher auf die Insel Garinish zu machen. Wir änderten unsere Pläne und wurden nicht enttäuscht!

Die 15 ha große Insel erreicht man mit einer Fähre. Allein die Überfahrt war schon den ungeplanten Ausflug wert. Die Fahrt ging an Robbenbänken vorbei und wir konnten die beeindruckenden Tiere aus der Nähe beobachten. Zuerst war ich mir nicht sicher, ob die Robben überhaupt echt warten. Denn sie lagen gemütlich auf ihren Felsen und bewegten sich nicht. Erst, als unsere Fähre an ihnen vorbeifuhr, glitt eines der schwerfälligen Tiere mit einem mächtigen Platscher ins Wasser. Es fehlte nicht viel und wir wären nassgespritzt worden.

Einst war die Insel Garinish nur ein karger Felsen. Der Boden wurde mit Humus fruchtbar gemacht. Nach und nach entstand ein Paradies aus Blumen, Bäumen und Sträuchern, welches man in wärmeren Gefilden erwarten würden, aber sicher nicht im sonst eher kalten und verregneten Irland. Die Pläne für die Bepflanzung der Insel stammt vom Architekten und Landschaftsgärtner Harald Peto. Seit den 50er Jahren ist die Insel im Besitz des Staates Irland.

Garnish Island (oder auch Garinish Island), Co. Cork – Foto: Stefanie Bleier

Wir spazierten gemächlich durch die verschiedenen Themengärten. Neben dem italienischen Garten und dem griechischen Tempel hat mir der ummauerte Garten am besten gefallen. Er wirkte auf mich wie ein verwunschener Garten aus einem Märchen. Bei all der Blumenpracht hielt ich allerdings vergeblich Ausschau nach einem Märchenprinzen auf seinem weißen Pferd!


Céad Míle Fáilte

Céad Míle Fáilte – so lautet die irische Begrüßungsformel für die zahlreichen Touristen, die Jahr für Jahr die grüne Insel bereisen. Die Iren sind ein sehr freundliches Volk. Von den allgegenwärtigen Religionsstreitigkeiten bekamen wir auf unserer Reise zum Glück nichts mit. Wir fühlten uns immer herzlich willkommen.

Wir waren nun ungefähr eine Woche in Irland unterwegs. Halbzeit. Und genau ab diesem Zeitpunkt brachte ich das traditionelle irische Frühstück, bestehend aus Eiern, Speck, Würstchen und Sodabrot mit Honig einfach nicht mehr hinunter. Ich wechselte auf mein traditionelles Frühstück, bestehend aus Brot, Butter und Marmelade zurück. Trotzdem gut gesättigt ging die Fahrt mit unserem Mietauto an diesem Morgen weiter. Der Killarney Nationalpark in der Grafschaft Kerry war das nächste Highlight unserer Reise.

Der über 100 km² große Nationalpark befindet sich im Südwesten Irlands auf der Halbinsel Iveragh. Zur Anlage gehören drei Seen: der Lough Leane, der Muckross Lake und der Upper Lake. Die Besucher können den Nationalpark zu Fuß erkunden oder eine Rundfahrt mit einer Pferdekutsche machen. Es gibt auch Fahrräder zum Ausleihen. Nachdem das Wetter leider nicht so ganz mitgespielt hatte, es war stark bewölkt und sah nach Regen aus, gingen wir zu Fuß los. Die Regenjacken hatten wir wie immer gut im Rucksack verstaut. Die Landschaft ist hier ganz anders als an der kargen Küste. Die Besucher erwartet einer der ältesten noch verbliebenen Eichenwälder Irlands. Neben Moosen, Flechten und Farnen wachsen auch bunt blühende Rhododendron-Sträucher. Letztere verbreiten sich so stark, dass sie Teile des Parks zu überwuchern drohen.

Wir spazierten bis zur Bricin Bridge, dann kehrten wir um. Den Muckross Lake zu Fuß zu umwandern war uns zu weit. Nachdem das Wetter nun besser wurde und die Sonne zwischen den Wolken hervorblinzelte, bedauerten wir es, uns nicht doch Fahrräder ausgeborgt zu haben.

Bricin Bridge, Killarney Nationalpark, Co. Kerry – Foto: Stefanie Bleier

Zurück beim Parkplatz bewunderten wir noch das Muckross House. Das 1843 im Tudor-Stil erbaute Herrenhaus mit seinem malerischen Blumen- und Steingarten verzauberte mich. Nach einem durchschnittlichen, eher kantinenmäßigen Mittagessen machten wir es uns noch ein Stündchen im Park gemütlich und genossen die warmen Sonnenstrahlen auf unserer Haut.

Um die Stadt Killarney machten wir anschließend einen großen Bogen, da sie in unserem Reiseführer als teure Touristenfalle bezeichnet wurde. Wir fuhren stattdessen weiter in Richtung der berühmten Cliffs of Moher.

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Aran Islands

Nachdem wir die Cliffs of Moher besichtigt hatten, nächtigten wir im beschaulichen Ort Doolin. Wir wollten für den nächsten Tag eine Überfahrt mit der Fähre zur größten der drei Aran-Inseln buchen. Leider waren wir zu spät dran, die Fähre bereits ausgebucht und wir mussten mit der kleinsten Insel, Inis Oírr, vorlieb nehmen. Trotz der kleinen Enttäuschung verbrachten wir einen netten Abend. Wir wollten ganz traditionell irisch speisen. Meine Reisebegleiter bestellten Fisch und Meeresfrüchte. Ich persönlich mache um Hummer, Krebse, Muscheln und Austern lieber einen großen Bogen. Stattdessen ließ ich mir ein Irish Stew, einen Eintopf aus Lammfleisch, schmecken. Wir ließen den Abend in einem Pub mit Live Musik gemütlich ausklingen.

Am nächsten Morgen schlenderten wir zu Fuß zum Hafen. Wir waren früh dran und somit die ersten, die sich einen guten Platz auf der Fähre aussuchen durften. Bei der Überfahrt begleitete uns ein Delfin ein Stück. Ich war begeistert, hatte ich doch noch nie einen Delfin außerhalb eines Zoos beobachten dürfen. Wir hatten Glück mit dem Wetter, die Sonne strahlte vom Himmel und es war angenehm warm.

Als wir die kleine Insel betraten, konnte ich es kaum fassen, dass sich hier, an diesem abgelegenen Ort, Menschen angesiedelt hatten. Auf der kargen Kalksteininsel gibt es keine Bäume. Nur Sträucher, Gras, Farne, ein paar Blumen und sehr viele Steinmauern. Diese wurden errichtet um zu verhindern, dass der von Menschenhand angelegte, fruchtbare Boden wieder fortgeweht oder fortgeschwemmt wurde.

Die Inselgruppe der Aran-Inseln (Oileáin Árann) umfasst eine Landfläche von 51 km² und hat an die 1.250 Einwohner. Im 18. Jahrhundert wurden die Inseln noch von 5.000 Menschen besiedelt. Vor allem die Jungen zieht es mangels Arbeitsplätze fort. Lebten die Bewohner früher vom Fischfang, ist heute der Tourismus die Haupteinnahmequelle.

Wir entdecken eine kleine Kirchenruine und machten ein paar Fotos. Die Kirche ist dem Heiligen Kevin geweiht, von dem wir schon bei unserem Besuch in Glendalough gehört hatten. Wir marschierten weiter und trauten unseren Augen nicht. Mitten auf dem Strand stand ein rostiges, altes Schiffswrack. Wie wir später erfuhren, handelt es sich um das Wrack des Frachters Plassy. Alle Besatzungsmitglieder konnten bei dem Schiffsunglück im Jahre 1960 gerettet werden. Gerne hätten wir noch den Leuchtturm besichtigt, doch der ist für die Touristen leider nicht zugänglich.

O’Brien’s Castle, Aran Islands, Co. Galway – Foto: Stefanie Bleier

Gegen Ende der Runde kamen wir noch an den Resten eines Ringforts und dem O’Brien’s Castle aus dem 14. Jahrhundert vorbei. Wir machten es uns auf dem Hügel gemütlich und genossen unsere Jause. Mein Blick schweifte auf den Hafen und den kleinen Flugplatz hinunter. Noch hatten wir Zeit, bis unsere Fähre wieder zurückfuhr. Verpassen wollte ich sie auf keinen Fall, denn dieser Teil Irlands war mir dann doch etwas zu abgelegen um länger hier zu verweilen.


Wie im Märchen

Nach dem Besuch der Aran Islands ging es weiter Richtung Connemara. Eine karge Moorlandschaft, felsige Klippen und Heidekraut empfingen uns dort. Die dünn besiedelte Gegend ist Heimat der bekannten Connemara-Ponys. Diese Pferderasse gilt als besonders genügsam und zuverlässig. Bei einer kleinen Wanderung trafen wir auf eine Herde. Eines der schönen Tiere ließ sich von mir streicheln.

Danach besichtigten wir das zurecht am meisten fotografierte Gebäude in Irland: die Kylemore Abbey. Auch wir zückten natürlich unseren Fotoapparat um das traumhaft schöne Gebäude, erbaut aus Kalkstein und Granit, festzuhalten. Das Schloss sieht aus wie aus einem meiner geliebten Fantasyfilme entsprungen und liegt an einem malerischen, mit Schilf bewachsenen See. Beim Betreten des Schlosses kam ich mir vor wie in einem Märchen. Leider ist die Geschichte des Gebäudes wenig märchenhaft und sehr traurig. Es wurde von dem Unternehmer Mitchell Henry in Auftrag gegeben und im Jahr 1871 fertiggestellt. Mitchells Ehefrau Margaret erkrankte nur drei Jahre später während eines Urlaubs in Ägypten an der Ruhr und verstarb. Sie wurde in einem Mausoleum in Kylemore beigesetzt und eine gotische Kirche zum Andenken an sie errichtet. Ohne seine Frau wurde Mitchell in dem prächtigen Anwesen nicht glücklich und es wechselte mehrmals seinen Besitzer. Seit 1920 beherbergt das Gebäude den Orden der Benediktinerinnen. Die Haupteingangshalle und drei angrenzende Räume dürfen von den zahlreichen Touristen besichtigt werden.

Kylemore Abbey, Connemara, Co. Galway – Foto: Stefanie Bleier

Genauso bezaubernd wie das Schloss selbst empfand ich den dazugehörigen viktorianischen Mauergarten. Wir verzichteten auf den Shuttlebus und gingen zu Fuß. Der „Walled Garden“ hat eine Größe von 3,4 Hektar und ist in mehrere Themengärten unterteilt. Er wurde zeitgleich mit dem Schloss angelegt. Neben wunderschönen Blumen, Sträuchern und Zierbäumchen, die es zu betrachten gibt, wurde der Garten auch als Obst- und Küchengarten verwendet. Von den ursprünglich 21 Gewächshäusern wurden bislang nur zwei wieder aufgebaut. Ebenfalls zu besichtigen gibt es die Gärtnerhäuser. Die Besucher erhalten einen interessanten Einblick in die Lebensumstände von früher. Wir zögerten kurz bevor wir eintraten. Alles wirkte so lebendig und bewohnt. Im Kamin brannte sogar ein Feuer und verlieh der Wohnstube eine gemütliche Atmosphäre.

Von Connemara aus fuhren wir noch ein Stück die Westküste entlang bis nach Achill Island, wo es leider stark regnete. Dann ging es zurück an die Ostküste. Es hieß langsam Abschied nehmen von der Grünen Insel. Am letzten Tag unternahmen wir noch eine herrliche Klippenwanderung in der Nähe von Dublin. Die zwei Wochen waren wie im Flug vergangen. Dank der Reisegeschichten Challenge habe ich die Rundreise in Gedanken noch einmal erleben dürfen. Eines Tages möchte ich diesen herrlichen Fleck Erde meinen Kindern zeigen.


Autorenprofil:

Stefanie Bleier ist 1982 geboren. Nach dem Studium der Kommunikationswissenschaft und Pädagogik hat es sie der Liebe wegen wieder zurück in die Heimat gezogen. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren drei wundervollen Kindern im schönen Salzkammergut. Mit ihrer Familie ist sie viel in der Natur unterwegs.

Mehr Geschichten von Stefanie findet Ihr auch bei strory.one: https://www.story.one/u/stefanie

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Rock of Dunamase

Im April 2017 hatte ich den schönen Tag ausgenutzt, um in den County Laois zu fahren. Der Namensgeber des Countys war der König von Leinster, Laois Ceann Mór. Dort steht auf dem Rock of Dunamase, östlich der Stadt Port Laois, die Ruine der Burg von Mac Murrough.

Viele Irlandfans werden das Tor, das den Eingang zur Ruine bildet, aus dem Film „Verlobung auf Umwegen“ (Original Titel: Leap Year) aus dem Jahr 2010 kennen. Hauptdarsteller der romantischen Komödie waren Amy Adams und Matthew Goode.

In einer Szene sieht man die beiden vor dem Torbogen einer Ruine, die im Film „Ballycarbery Castle“ heißt und sich im County Tipperary befindet. Der Torbogen im Film ist vom Rock of Dunamase, die restliche Burg wurde lediglich im Computer erstellt.

Allerdings gibt es in Irland ein Ballycarbery Castle. Dieses steht jedoch in der Nähe von Cahersiveen im County Kerry.

Screenshot aus „Verlobung auf Umwegen“

Von diesem ca. 150 Meter hohen Hügel kann man bis in die Slieve Bloom Mountains blicken.

Diese Ruine ist auch Teil meines neuesten Buches „Irische Ruinen“. Ab sofort bei Amazon erhältlich:

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Valentia Island

Wer jetzt denkt, in der Überschrift befindet sich ein Schreibfehler, liegt falsch. Hier handelt es sich hier nicht um den spanischen Ort Valencia.

In dieser Geschichte geht es um die Insel „Valentia Island“. Diese liegt im schönen County Kerry im Südwesten Irlands. Von März bis Oktober erreicht man die Insel mittels Fähre zwischen Reenard Point und Knightstown im Nordwesten. Eine andere Möglichkeit ist die Route über eine Brücke, die von dem südlich auf dem Festland gelegenen Ort Portmagee auf die Insel führt. Der Ortsname bezieht sich auf den im 18. Jahrhundert in Irland lebenden Schmuggler, Kapitän Theobald Magee. Die meisten Irlandfans kennen den Ort sicher aus einem anderen Grund, denn von dort aus starten die Touristenboote für die Touren zur Insel Skellig Michael.

Hier zwei Bilder aus 2014, die ich gefunden habe. Damals noch mit dem Smartphone aufgenommen.

Ein Highlight (zumindest für mich) ist der Leuchtturm, der dort im nördlichen Teil der Insel steht. Auf unserer Tour 2014, als wir den Ring of Kerry abgefahren hatten, hatte ich keine Gelegenheit, die Insel bis zum Leuchtturm zu erkunden. Im Juni 2018 machte ich mich daher gezielt auf den Weg zum Leuchtturm, um ein paar Bilder bei Sonnenuntergang zu machen. Zumindest hatte ich es ursprünglich so geplant, denn Ende Juni sollte die Sonne in einem guten Winkel für mein Vorhaben stehen.

Was ich jedoch nicht eingeplant hatte, war die Tatsache, dass die Landzunge, auf der dieser Leuchtturm steht, mit der Spitze in etwa in Richtung Norden zeigt. Das bedeutet, wenn ich die Sonne hinter dem Leuchtturm haben wollte, müsste ich mich logischerweise östlich davon aufstellen. Leider ist die Landzunge so schmal, dass “östlich” vom Leuchtturm heißt: auf dem Wasser. Zumindest, wenn ich weit genug vom Leuchtturm entfernt sein möchte, um ihn ins Bild zu bekommen.

Karte von Valentia Island von openstreetmap.org

Als ich am späten Nachmittag dort ankam, wurde mir schnell klar, dass ich das mit dem Sonnenuntergang hinter dem Leuchtturm abhaken konnte. Ich erkundete also die Gegend, um einen geeigneten Alternativ-Standort zu suchen. Diesen fand ich auch etwas weiter südlich, wo das Land wieder breiter wird. Von dort aus bekam ich auch einen Teil der gegenüberliegenden Insel „Beginish Island“ mit auf das Bild. Diese Komposition war ganz interessant und so bin ich wenigstens nicht ganz umsonst die ca. 3 Autostunden nach Valentia Island gefahren. Außerdem hatte ich schon bei der Anreise den einen oder anderen Zwischenstopp eingelegt um ein paar Fotos zu schießen und auch auf dem Heimweg hielt ich noch mal kurz für diverse Aufnahmen an. Gegen 21 Uhr ging es dann wieder in Richtung Heimat.

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Steinkreis von Uragh

Steinkreis von Uragh, Co. Kerry

Da ich diesen Ort schon lange in meiner Planung hatte und das Wetter gestern ideal war, hatte ich endlich die Gelegenheit genutzt und bin zum Steinkreis von Uragh im Co. Kerry gefahren. Dieser steht auf der Beara-Halbinsel zwischen den Seen Cloonee Lough und Inchiquin Lough etwa 6 km von der Grenze zum County Cork entfernt. Er hat einen Durchmesser von ca. 2,5 Metern und besteht aus 5 kleinen Steinen und einem ca. 3 Meter hohen Monolith.


Was mich an dem Steinkreis so gereizt hatte, war die malerische Umgebung, die man auf den Bildern, die man im Internet findet, nur ahnen kann. Der Steinkreis steht auf einer kleinen Anhöhe, von der aus man eine wunderbare Sicht auf die beiden angrenzenden Seen hat, die in dieser traumhaften Berglandschaft liegen.


Die ca. 4 km lange Strecke ab der Abzweigung der R571 ist für Fahrer, die die irischen „Backroads“ nicht gewohnt sind, sicher ein besonderes Erlebnis. Auf der zum Teil unbefestigten Straße, die gerade mal breit genug für einen Pkw ist und in manchen engen Kurven auch noch bergauf oder bergab führt, gibt es nur wenige Stellen, an denen man einem entgegenkommenden Fahrzeug Platz machen kann, indem man möglichst weit links anhält. Hat man die Strecke dann gemeistert, wird man von einem traumhaften Anblick belohnt. Die ca. 250 Meter hinauf zum Steinkreis muss man dann jedoch noch zu Fuß gehen.

Am Steinkreis angekommen wurde ich erstmal von blökenden Schafen begrüßt, die sich in der gesamten Gegend hier tummeln. Als ich näher kam, machten sie sich aber doch rasch aus dem Staub, was mir einen ungestörten Blick auf mein Hauptmotiv ermöglichte.

Als ich mich nach einiger Zeit auf den Heimweg machte, musste ich doch nach ca. 3 Minuten nochmal anhalten. Auf der linken Seite lag ein Steg aus Steinen gebaut neben einer kleinen Bootshütte. Diese hatte ich bei der Anfahrt aufgrund des Blickwinkels gar nicht gesehen. Da ich jetzt von der anderen Seite kam, stach mir das Bild sofort ins Auge und ich hielt neben der kleinen Blechhütte an. Ein idealer Zeitpunkt, denn die Sonne strahlte am späten Nachmittag schön auf die hohen Bäume auf der anderen Seite des Sees und mit diesem ungewöhnlichen Steg im Vordergrund war es ein wunderbarer Anblick, den ich natürlich festhalten musste. Ein genialer Abschluss des Tages.

Cloonee Lough

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Kurzfristige Planänderung

Nachdem der Sonntag unerwartet sonnig und fast wolkenlos war, wollte ich mich in Westclare ein wenig umschauen und bei den „Bridges of Ross“ ein paar Bilder machen. Als ich das letzte Mal dort war, war es nicht berauschend und nachdem es die ganze Woche über eher grau und regnerisch war, musste ich diesen Sonntag einfach ausnutzen. So fuhr ich nach dem Mittagessen an die Westküste der Loop Head-Halbinsel und freute mich auf ein paar schöne Bilder. Als ich am Parkplatz der Bridges of Ross ankam, war dieser bis auf den letzten Platz voll mit Pkws und Campingbussen.

Hätte ich mir eigentlich denken können… Wenns schon mal so ein Wetter hat, ist alles unterwegs ans Meer. Ok, Thema erledigt – bei den Menschenmassen, die sich dort tummelten, war an ordentliche Bilder nicht zu denken.

Ich machte ein paar Fotos und ein Video vom Meer vom Parkplatz aus und saß dann im Auto und überlegte, was ich wohl jetzt anstellen könnte. Ich dachte daran, dass ich mir so ein Wetter damals gewünscht hatte, als ich mit meinen Eltern am Ballybunion Castle war, mir aber die Wolken einen Strich durch die Rechnung gemacht hatten, als ich einen Sonnenuntergang über bzw. hinter der Burgruine machen wollte. Jetzt wäre ein ideales Wetter für sowas.

Ich öffnete die App mit dem Sonnenstand auf meinem Handy und sah nur zum Spaß nach, wann die Zeit günstig wäre. Ich konnte es kaum glauben, die App zeigte mir gerade in dieser Zeit den idealen Stand der Sonne an. Schnell hatte ich meinen Rucksack wieder ins Auto gepackt und sah auf die Uhr. Wenn ich den Weg über Killimer mit der Fähre nach Tarbert nehme, schaffe ich es rechtzeitig nach Ballybunion. Meiner Frau hatte ich noch kurz eine SMS geschrieben und von meiner Planänderung erzählt, dann machte ich mich auf den Weg.

Als ich in Killimer auf die Fähre wartete, sah ich immer wieder zum Himmel. Es schien tatsächlich so, als sollte ich diesmal Glück haben, denn es war kaum ein Wölkchen zu sehen. Um ca. 18:45 Uhr kam ich in Ballybunion an und auch bei der Suche nach einem Parkplatz war mir das Glück an diesem Tag hold. So fand ich diesen nicht weit von der Burgruine und spazierte zu meinem Ziel, wo ich erstmal eine gute halbe Stunde in der Sonne saß und den Ausblick auf die Burg und den immer noch fast wolkenlosen Himmel genoss. Die Sonne näherte sich immer mehr der Ruine, auf diesen Augenblick hatte ich ca. 2 Jahre gewartet.


Gemütlich montierte ich eine der Kameras auf das Stativ und begann mit den ersten Voreinstellungen. Meine Idee war, die Kamera auf dem Stativ mit einem manuellen 35 mm Objektiv zu bestücken, das ich schon lange nicht mehr benutzt hatte, obwohl es in Sachen Schärfe sehr gute Ergebnisse lieferte. Meist war ich nur zu faul, die Objektive zu wechseln. Mein „Allround-Objektiv“ (24-120 mm) blieb auf der zweiten Kamera, die ich so bei mir trug oder auf dem Rucksack lag.

Die ersten Bilder machte ich, als die Sonne die Spitze der Ruine erreichte. Diese Burgruine ist genial, denn sie hat vier längliche Fensterschlitze in verschiedenen Höhen und einen schmalen Eingang. So konnte ich die Sonne zu verschiedenen Zeiten durch diese hindurch fotografieren und je später es wurde, desto intensiver wurde der Farbverlauf am Horizont hinter dem Gebäude von blau nach orange. Auch meine Idee mit dem 35mm Objektiv stellte sich als gute Wahl heraus, denn die Sonnenstrahlen, die dieses relativ günstige Objektiv hervorbringt, sind traumhaft.

Diese Ruine ist auch Teil meines neuesten Buches „Irische Ruinen“. Ab sofort bei Amazon erhältlich:

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Die Suche nach der „Sunbeam“

Eine meiner Suchen nach einem geeigneten Objekt, dass sich zu fotografieren lohnt, brachte mich auf diverse Webseiten mit einem interessanten Schiffswrack im County Kerry. Dort lag die 1860 in Exmouth (England) gebaute „Sunbeam“ am Rossbeigh Strand. Dieser liegt am Ring of Kerry auf der Iveragh-Halbinsel. Nach einem Schiffbruch 1903 an Land gespült, lag das Boot seit über 100 Jahren an diesem Strand und wurde erst 2014 von der Natur freigegeben, nachdem große Teile Irlands von Stürmen und Rekordfluten heimgesucht wurden. Die Bilder, die ich dazu im Internet gefunden hatte, inspirierten mich, eine Reise an diesen Strand zu planen.

Mit meinem Fotorucksack bepackt fuhr ich im März 2017 in Richtung Glenbeigh, nachdem der Wetterbericht einen sonnigen Tag versprach und der Sonnenstand ideal für meinen Plan war. Nachdem sich die Lage und Position des Wracks immer wieder aufgrund der Stürme und des Unwetters änderte, wusste ich zwar nicht was mich erwartet, aber die ca. 2,5 Stunden lange Reise war es wert. Es bestand durchaus die Möglichkeit, dass das, was noch übrig war, gerade jetzt wieder weiter im Meer und von Sand begraben lag.

Am späten Nachmittag angekommen, suchte ich mir erst mal einen Parkplatz an dem bei Touristen und Einheimischen beliebten Strand und begann dann meine Wanderung entlang der ca. 3 km langen Landzunge. Irgendwo in der Mitte sollte das Wrack liegen.

Nach ca 20 min Fußmarsch sah ich in der Ferne etwas, das aus dem Sand ragte. Sollte ich doch Glück gehabt haben? An dem anvisierten Punkt angekommen lag es nun vor mir. Das hölzerne „Gerippe“ der Sunbeam, die zwar zum Teil wieder unter Sand begraben war aber doch weit genug frei lag, um einige Fotos davon mit nach Hause nehmen zu können. Es war ein Mix aus Freude und Enttäuschung, denn ich hatte mir erhofft, doch mehr davon zu Gesicht zu bekommen. Andererseits war ich froh, wenigstens das vorzufinden, denn es hätte auch schlimmer sein können, wenn es z. B. wieder weiter im Meer liegen würde oder beim letzten Sturm endgültig an den Strand gespült und dort zerbrochen wäre.

Ich denke, ich war noch einer der glücklichen, die diesen über 100 Jahre alten Zeitzeugen so zu Gesicht bekamen. 1 1/2 Jahre später, als ich wieder in der Gegend war, machte ich einen kurzen Abstecher an diesen Strand und ich fand nicht mal mehr ein Stück des Skelettes. Ich weiß nicht, ob es nur mal wieder ganz unter den sandigen Massen verschollen war oder mittlerweile endgültig am Strand verteilt als Feuerholz diente. Jedenfalls war ich froh, noch rechtzeitig die Idee in die Tat umgesetzt zu haben.

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