The Candle Stick

19.07.2021, 19:45 Uhr. Das Thermometer im Auto zeigt noch 30°C an. Anstelle mir im Garten ein schattiges Plätzchen zu suchen, düse ich die N68 entlang in Richtung Kilkee. Der Fahrtwind, der durch die beiden offenen Fenster weht, bringt zumindest etwas Abkühlung bei diesen ungewöhnlich hohen Temperaturen hier in Irland.

Aus den Boxen dröhnt der Song „Winter Madness“ der Metalband „Wintersun“ und ich denke, der Titel passt im Moment absolut nicht zum aktuellen Wetter. Plötzlich werde ich grob aus meinen Gedanken gerissen, denn durch das offene Fenster wird eine Biene, dicke Fliege oder ähnliches hereingeweht, prallt dumpf an meinem Kinnbart ab und wird wieder ins Freie katapultiert. Ich sehe jedenfalls nur noch einen schwarzen Punkt nach draußen verschwinden.

Mein heutiges Ziel ist der sogenannte „Candle Stick“. Ein Felsen, der ca. 5 km südwestlich des Badeortes Kilkee (Co. Clare) vor der Küste im Meer steht. Ende Juli soll die Sonne ziemlich genau dahinter untergehen.

Schon am Sonntag hatte ich vor, dort Bilder zu machen, war aber dann abends doch zu faul, bei dem Wetter nochmal ins Auto zu steigen. Nun musste es aber sein, der zweite wolkenlose Tag sollte nicht ungenutzt enden. Ich weiß genau, wenn das Wetter wieder schlechter wird, würde ich es bereuen, diese Gelegenheit nicht genutzt zu haben.

Gegen 21 Uhr erreiche ich mein Ziel und suche mir eine Parkmöglichkeit in der Nähe meines geplanten Standortes, die ich auch einige Meter davon entfernt finde. So kann ich die Fenster im Auto offenlassen, während ich meine Fotos mache.

Ich habe noch etwas Zeit ein paar Bilder von der Umgebung zu machen, bevor ich das Stativ und die Kamera für den Sonnenuntergang platziere. Die Sonne nähert sich nun mehr und mehr dem Horizont und malt so einen wunderschönen Farbverlauf an den Himmel. Jetzt bin ich froh, doch losgefahren zu sein.

Eine knappe Stunde später ist das Naturschauspiel vorbei und ich packe meine Ausrüstung zusammen. Ich hoffe, die Kamera hat die Bilder ordentlich abgespeichert, denn beim letzten Betrachten der Bilder hat mir meine D750 eine Fehlermeldung angezeigt… Aber es ist nun ohnehin zu spät.

Zu Hause angekommen gibt’s erstmal Entwarnung. Die Bilder sind noch auf der Karte.

Update vom 08.01.2022: Den Candlestick sieht man auch ein paar Mal in dem Film „Sprachlos in Irland“, der 2020 in der Gegend hier gedreht wurde.

Siehe auch: https://www.daserste.de/unterhaltung/film/freitag-im-ersten/sendung/sprachlos-in-irland-100.html

Valentia Island

Wer jetzt denkt, in der Überschrift befindet sich ein Schreibfehler, liegt falsch. Hier handelt es sich hier nicht um den spanischen Ort Valencia.

In dieser Geschichte geht es um die Insel „Valentia Island“. Diese liegt im schönen County Kerry im Südwesten Irlands. Von März bis Oktober erreicht man die Insel mittels Fähre zwischen Reenard Point und Knightstown im Nordwesten. Eine andere Möglichkeit ist die Route über eine Brücke, die von dem südlich auf dem Festland gelegenen Ort Portmagee auf die Insel führt. Der Ortsname bezieht sich auf den im 18. Jahrhundert in Irland lebenden Schmuggler, Kapitän Theobald Magee. Die meisten Irlandfans kennen den Ort sicher aus einem anderen Grund, denn von dort aus starten die Touristenboote für die Touren zur Insel Skellig Michael.

Hier zwei Bilder aus 2014, die ich gefunden habe. Damals noch mit dem Smartphone aufgenommen.

Ein Highlight (zumindest für mich) ist der Leuchtturm, der dort im nördlichen Teil der Insel steht. Auf unserer Tour 2014, als wir den Ring of Kerry abgefahren hatten, hatte ich keine Gelegenheit, die Insel bis zum Leuchtturm zu erkunden. Im Juni 2018 machte ich mich daher gezielt auf den Weg zum Leuchtturm, um ein paar Bilder bei Sonnenuntergang zu machen. Zumindest hatte ich es ursprünglich so geplant, denn Ende Juni sollte die Sonne in einem guten Winkel für mein Vorhaben stehen.

Was ich jedoch nicht eingeplant hatte, war die Tatsache, dass die Landzunge, auf der dieser Leuchtturm steht, mit der Spitze in etwa in Richtung Norden zeigt. Das bedeutet, wenn ich die Sonne hinter dem Leuchtturm haben wollte, müsste ich mich logischerweise östlich davon aufstellen. Leider ist die Landzunge so schmal, dass “östlich” vom Leuchtturm heißt: auf dem Wasser. Zumindest, wenn ich weit genug vom Leuchtturm entfernt sein möchte, um ihn ins Bild zu bekommen.

Karte von Valentia Island von openstreetmap.org

Als ich am späten Nachmittag dort ankam, wurde mir schnell klar, dass ich das mit dem Sonnenuntergang hinter dem Leuchtturm abhaken konnte. Ich erkundete also die Gegend, um einen geeigneten Alternativ-Standort zu suchen. Diesen fand ich auch etwas weiter südlich, wo das Land wieder breiter wird. Von dort aus bekam ich auch einen Teil der gegenüberliegenden Insel „Beginish Island“ mit auf das Bild. Diese Komposition war ganz interessant und so bin ich wenigstens nicht ganz umsonst die ca. 3 Autostunden nach Valentia Island gefahren. Außerdem hatte ich schon bei der Anreise den einen oder anderen Zwischenstopp eingelegt um ein paar Fotos zu schießen und auch auf dem Heimweg hielt ich noch mal kurz für diverse Aufnahmen an. Gegen 21 Uhr ging es dann wieder in Richtung Heimat.

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Bridges of Ross

Die „Bridges of Ross“ an der Küste der Loop Head Halbinsel im Co. Clare waren ursprünglich drei von der Natur geformte Steinbrücken. Mittlerweile ist nur noch eine von ihnen erhalten. Bei meinem letzten Besuch dort im Juli 2020 war aufgrund der Menschenmassen, die sich wegen des Traumwetters dort aufhielten, an vernünftige Fotos nicht zu denken. (Siehe auch „Kurzfristige Planänderung“) .

Bridges of Ross, Co. Clare

Am letzten Wochenende unternahm ich daher einen weiteren Versuch, diesmal erfolgreich. Bei meiner Ankunft waren nur ein paar Fahrzeuge auf dem Parkplatz zu sehen. Ein Grund dafür war sicher auch der Wetterbericht, der immer wieder kleine Regenschauer in der Gegend vorausgesagt hatte. Bis auf eine dunkle Wolke, die mir kurz vor dem Ziel ein wenig Regen bescherte, sich aber doch schnell wieder verzog, war der Nachmittag sonnig.

Aufgrund der verschiedenen Felsformationen entdeckt man auf einem Spaziergang entlang der ca. 400 Meter langen Landzunge immer wieder interessante Objekte und Perspektiven, bei denen sich ein Druck auf den Auslöser der Kamera lohnt.

Je näher man der südwestlich gelegenen Spitze kommt, desto flacher werden die Felsen. Diese sind übersät mit tiefen Rissen und flachen Becken, in denen sich das Wasser sammelt und einen grünen Rand aus Algen bildet.

Die flachen Felsen bieten auch Untergrund für Moose und die Grasnelke (Armeria Maritima), die vor allem in Küstennähe vorkommt und mit ihren violetten Blüten einen schönen Kontrast zu den Grautönen ergibt.

Nachdem ich einige Bilder gemacht hatte, hatte ich mich, nicht weit vom Ufer entfernt, auf einen der Steine gesetzt und eine Weile den Wellen zugeschaut, die an den schroffen Felsen brachen, bevor ich am späten Nachmittag die Heimreise antrat.

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Mehr Bilder von dieser Tour gibt es auf YouTube:

Black Head

Am Himmel ist kaum eine Wolke zu sehen, die Sonne steht bereits so tief, dass ich die Sonnenblende herunterklappen muss und aus den Lautsprechern dröhnt gute Musik. Ich fahre entlang der kurvigen R477 in Richtung Nordwesten und als ich das Meer am Horizont sehe, vergesse ich fast, dass ich „nur mal kurz“ weggefahren bin. Ich fühle mich eher wie im Urlaub und ans Meer zu fahren ist in Zeiten von Corona und den daraus resultierenden Lockdowns wieder etwas Besonderes geworden.

Ich bin auch sehr froh, in einem der 17 Countys zu wohnen, die am Meer liegen und genieße die Fahrt entlang der malerischen Küstenstraße. Die R477 liegt größtenteils im Burren, einem ca. 250 km² großen Kalksteingebiet. Die Übersetzung des irischen Namens (An Bhoireann) lautet “Steiniger Ort” und ist hier mehr als zutreffend. Auf beiden Seiten der Straße liegen Steine und Felsbrocken in allen Größen und Formen und verleihen dieser Gegend ihr markantes Aussehen.

Mein heutiges Ziel: Der Black Head Leuchtturm.

Dieser nur ca. 8 Meter hohe Leuchtturm liegt ungefähr 9 Kilometer nordwestlich von Ballyvaughan an der Nordspitze des County Clare. Die Black Head Landzunge ist auch Teil des Wild Atlantic Way, der wohl bekanntesten Küstenroute Irlands, die auf einer Länge von mehr als 2500 Kilometern entlang der Westküste von Malin Head im County Donegal bis nach Kinsale im County Cork verläuft.

Der Vorteil hier ist, dass der Leuchtturm nur ca. 40 Meter von der Straße entfernt liegt. Der Nachteil: Es gibt keinen richtigen Parkplatz. Nur eine kleine Bucht an der nicht allzu breiten Straße, in der gerade mal 2 Fahrzeuge hintereinander Platz haben (siehe Video).

Gegen 20 Uhr erreiche ich mein Ziel und bin froh, die Parkbucht leer vorzufinden. So kann ich das Auto sicher parken und bequem aussteigen. Mein Timing hätte auch nicht besser sein können, denn die Sonne nähert sich nun immer mehr dem Horizont. Ich suche mir eine geeignete Stelle für mein Stativ auf dem zerklüfteten Felsboden und ziehe den Reißverschluss meiner Kapuzenjacke zu, die ich in weiser Voraussicht mitgenommen hatte. Der Wind hier an der Küste ist doch stärker und auch kühler und ich bin noch von den letzten Tagen verwöhnt, als kurze Sommerhosen und T-Shirts mehr als ausreichend waren. Aber ich stehe nun mal am Atlantik und ca. 3000 Kilometer weiter westlich kommt, mit Ausnahme der Aran-Inseln, erst wieder Amerika.

Als die Sonne fast verschwunden ist, packe ich meine Sachen zusammen, um noch genügend Licht zu haben, damit ich nicht versehentlich in eine der tiefen Spalten trete und mache mich auf den Heimweg. Da für die nächsten Tage wieder Regen angesagt ist, bin ich froh, den Abend heute noch genutzt zu haben.

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Hier gibt’s das Video dazu:

Doolin 2021

Um meine Urlaubswoche bestmöglich auszunutzen, hatte ich mir Gedanken gemacht, wo ich im County noch hinfahren könnte, um ans Meer zu kommen und natürlich auch ein paar Bilder zu machen. Meine Wahl fiel auf Doolin, dort war ich ohnehin schon lange nicht mehr gewesen.

Auf dem Weg nach Doolin über die R478 bot sich mir ein seltener Anblick: Der Besucherparkplatz der Cliffs of Moher war fast leer. Auch als ich in Doolin in die Fisher Street mit dem rosafarbenen Sweather Shop einbog, bot sich mir dasselbe Schauspiel. Wo man normalerweise erst lang einen Parkplatz suchen muss und Fußgänger in Scharen an der Straße entlanglaufen, sah ich nur freie Parkplätze und Straßen. Auch auf dem Parkplatz am Pier standen gerade mal ca. 5 Fahrzeuge. Und das bei diesem Traumwetter.

Der vor einigen Jahren neu gebaute Parkplatz sieht allerdings übel aus. Diverse heftige Stürme im letzten Jahr hatten tonnenweise Steine an Land gespült. Dieser Anblick lässt einen nur grob erahnen, welche Kraft diese Wassermassen wohl haben mussten, um die Felsbrocken über eine geschätzte Strecke von ca. 50 bis 100 Metern vom Meer bis auf den Parkplatz zu transportieren.

Nach den ersten Eindrücken machte ich einige Bilder von dem felsigen Ufer aus in Richtung Crab Island und parkte das Auto dann auf dem zweiten Parkplatz, der nördlich vom Pier liegt, um dann die weitere Küste in dieser Gegend zu erkunden. Vor ein paar Jahren hatte ich in der Nähe eine gute Stelle für Langzeitaufnahmen entdeckt. Leider fand ich diese nicht mehr. Ich werde wohl im Sommer nochmal genauer suchen. Zum Glück ist Doolin nur ca. 50 Minuten Fahrzeit von zu Hause entfernt.

Gegen 19 Uhr war ich wieder zu Hause und müde von der Seeluft sowie dem inzwischen ungewohnten Umherwandern auf dem zerklüfteten Boden. Bei diesem Gelände sollte man immer auf seine Schritte achten, um nicht umzuknicken oder in eine der vielen langen Spalten zu treten.

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Hier gibt’s das Video: