Der Poulnabrone-Dolmen

Wer kennt ihn nicht, den wohl bekanntesten und wahrscheinlich auch am meisten fotografierten Dolmen Irlands, im Burrengebiet des County Clare?

Der Poulnabrone-Dolmen (irisch Poll na Brón) liegt an der R480, ca. 9 km südlich von Ballyvaughan und wurde erst im Jahr 1986 erstmals ausgegraben. Er wurde zwischen 3800 und 3200 v. Chr. erbaut, damit ist er älter als die ägyptischen Pyramiden. Den Archäologen nach wurde er wahrscheinlich als Begräbnisstätte genutzt, denn bei den Ausgrabungen fand man Überreste von ca. 33 Menschen, die bis auf einen alle unter 30 Jahre alt waren.

Da der Dolmen nur ca. 30 km von Ennis entfernt liegt, zieht es mich immer wieder zu verschiedenen Jahreszeiten dorthin, um einige Bilder zu machen. Ein entscheidender Vorteil an diesem Fotospot ist, dass man um den Dolmen herumlaufen kann, was einem Fotos aus verschiedenen Blickwinkeln ermöglicht.

Eine ideale Zeit für Sonnenuntergänge ist ca. Ende Juni, wenn gegen 21:30 Uhr die Sonne etwa auf Höhe des Decksteines steht, bevor sie dann gegen 22 Uhr untergeht.

Aber auch ohne Sonnenuntergang sind der Dolmen selbst, aber auch die Karstlandschaft des Burren mit ihren tiefen Rissen interessante Fotomotive.


Mehr interessante Fotospots im County Clare:

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The Candle Stick

19.07.2021, 19:45 Uhr. Das Thermometer im Auto zeigt noch 30°C an. Anstelle mir im Garten ein schattiges Plätzchen zu suchen, düse ich die N68 entlang in Richtung Kilkee. Der Fahrtwind, der durch die beiden offenen Fenster weht, bringt zumindest etwas Abkühlung bei diesen ungewöhnlich hohen Temperaturen hier in Irland.

Aus den Boxen dröhnt der Song „Winter Madness“ der Metalband „Wintersun“ und ich denke, der Titel passt im Moment absolut nicht zum aktuellen Wetter. Plötzlich werde ich grob aus meinen Gedanken gerissen, denn durch das offene Fenster wird eine Biene, dicke Fliege oder ähnliches hereingeweht, prallt dumpf an meinem Kinnbart ab und wird wieder ins Freie katapultiert. Ich sehe jedenfalls nur noch einen schwarzen Punkt nach draußen verschwinden.

Mein heutiges Ziel ist der sogenannte „Candle Stick“. Ein Felsen, der ca. 5 km südwestlich des Badeortes Kilkee (Co. Clare) vor der Küste im Meer steht. Ende Juli soll die Sonne ziemlich genau dahinter untergehen.

Schon am Sonntag hatte ich vor, dort Bilder zu machen, war aber dann abends doch zu faul, bei dem Wetter nochmal ins Auto zu steigen. Nun musste es aber sein, der zweite wolkenlose Tag sollte nicht ungenutzt enden. Ich weiß genau, wenn das Wetter wieder schlechter wird, würde ich es bereuen, diese Gelegenheit nicht genutzt zu haben.

Gegen 21 Uhr erreiche ich mein Ziel und suche mir eine Parkmöglichkeit in der Nähe meines geplanten Standortes, die ich auch einige Meter davon entfernt finde. So kann ich die Fenster im Auto offenlassen, während ich meine Fotos mache.

Ich habe noch etwas Zeit ein paar Bilder von der Umgebung zu machen, bevor ich das Stativ und die Kamera für den Sonnenuntergang platziere. Die Sonne nähert sich nun mehr und mehr dem Horizont und malt so einen wunderschönen Farbverlauf an den Himmel. Jetzt bin ich froh, doch losgefahren zu sein.

Eine knappe Stunde später ist das Naturschauspiel vorbei und ich packe meine Ausrüstung zusammen. Ich hoffe, die Kamera hat die Bilder ordentlich abgespeichert, denn beim letzten Betrachten der Bilder hat mir meine D750 eine Fehlermeldung angezeigt… Aber es ist nun ohnehin zu spät.

Zu Hause angekommen gibt’s erstmal Entwarnung. Die Bilder sind noch auf der Karte.

Update vom 08.01.2022: Den Candlestick sieht man auch ein paar Mal in dem Film „Sprachlos in Irland“, der 2020 in der Gegend hier gedreht wurde.

Siehe auch: https://www.daserste.de/unterhaltung/film/freitag-im-ersten/sendung/sprachlos-in-irland-100.html

Black Head

Am Himmel ist kaum eine Wolke zu sehen, die Sonne steht bereits so tief, dass ich die Sonnenblende herunterklappen muss und aus den Lautsprechern dröhnt gute Musik. Ich fahre entlang der kurvigen R477 in Richtung Nordwesten und als ich das Meer am Horizont sehe, vergesse ich fast, dass ich „nur mal kurz“ weggefahren bin. Ich fühle mich eher wie im Urlaub und ans Meer zu fahren ist in Zeiten von Corona und den daraus resultierenden Lockdowns wieder etwas Besonderes geworden.

Ich bin auch sehr froh, in einem der 17 Countys zu wohnen, die am Meer liegen und genieße die Fahrt entlang der malerischen Küstenstraße. Die R477 liegt größtenteils im Burren, einem ca. 250 km² großen Kalksteingebiet. Die Übersetzung des irischen Namens (An Bhoireann) lautet “Steiniger Ort” und ist hier mehr als zutreffend. Auf beiden Seiten der Straße liegen Steine und Felsbrocken in allen Größen und Formen und verleihen dieser Gegend ihr markantes Aussehen.

Mein heutiges Ziel: Der Black Head Leuchtturm.

Dieser nur ca. 8 Meter hohe Leuchtturm liegt ungefähr 9 Kilometer nordwestlich von Ballyvaughan an der Nordspitze des County Clare. Die Black Head Landzunge ist auch Teil des Wild Atlantic Way, der wohl bekanntesten Küstenroute Irlands, die auf einer Länge von mehr als 2500 Kilometern entlang der Westküste von Malin Head im County Donegal bis nach Kinsale im County Cork verläuft.

Der Vorteil hier ist, dass der Leuchtturm nur ca. 40 Meter von der Straße entfernt liegt. Der Nachteil: Es gibt keinen richtigen Parkplatz. Nur eine kleine Bucht an der nicht allzu breiten Straße, in der gerade mal 2 Fahrzeuge hintereinander Platz haben (siehe Video).

Gegen 20 Uhr erreiche ich mein Ziel und bin froh, die Parkbucht leer vorzufinden. So kann ich das Auto sicher parken und bequem aussteigen. Mein Timing hätte auch nicht besser sein können, denn die Sonne nähert sich nun immer mehr dem Horizont. Ich suche mir eine geeignete Stelle für mein Stativ auf dem zerklüfteten Felsboden und ziehe den Reißverschluss meiner Kapuzenjacke zu, die ich in weiser Voraussicht mitgenommen hatte. Der Wind hier an der Küste ist doch stärker und auch kühler und ich bin noch von den letzten Tagen verwöhnt, als kurze Sommerhosen und T-Shirts mehr als ausreichend waren. Aber ich stehe nun mal am Atlantik und ca. 3000 Kilometer weiter westlich kommt, mit Ausnahme der Aran-Inseln, erst wieder Amerika.

Als die Sonne fast verschwunden ist, packe ich meine Sachen zusammen, um noch genügend Licht zu haben, damit ich nicht versehentlich in eine der tiefen Spalten trete und mache mich auf den Heimweg. Da für die nächsten Tage wieder Regen angesagt ist, bin ich froh, den Abend heute noch genutzt zu haben.

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Hier gibt’s das Video dazu:

Die „Ros Tuaiscert“ – Mehr Wrack als Schiff

Der Sonntag versprach angenehm warm und sonnig zu werden. So kam ich auf die Idee, an den Gortmellia-Strand im Co. Mayo zu fahren. Dort liegt das Wrack der „Ros Tuaiscert“, ein Trawler, der 1978 dort gestrandet war.

Der Gezeitentabelle nach, die ich im Internet fand, sollte auch am späten Nachmittag dort noch Ebbe sein. Also packte ich meine Sachen und fuhr gegen 14 Uhr los, in Richtung Co. Mayo.

Da der Gortmellia-Strand nur ca. 15 Autominuten von Belmullet entfernt liegt, wollte ich auch gleich einen Abstecher zum „Deirbhile’s Twist“ machen. Dieser befindet sich auf der südlichen Seite der Mullet Halbinsel (Irisch: An Muirthead). Als ich 2019 dort war, war es relativ bewölkt und bei meiner Nikon D750 hatte sich damals beim ersten Bild vom 2 km entfernten Blacksod-Leuchtturm der Spiegel nicht mehr zurückgeklappt. Zum Glück hatte ich die Fuji XT-2 dabei, sonst wäre ich die 236 km umsonst gefahren.

Trotz der „nur“ 18 Grad, die mir das Thermometer im Auto angezeigt hatte, war es so warm, dass ich teilweise mit halb geöffnetem Fenster durch die karge Landschaft gefahren bin.

Nimmt man die Route von Castlebar aus über die R312, zieht sich diese ca. 35 Kilometer durch Bäume und hohe Büsche, bei denen man nur selten einen Blick auf die Landschaft dahinter hat. Irgendwann verschwinden dann die Bäume, die Büsche werden niedriger und innerhalb weniger Minuten findet man sich in einer fast steppenähnlichen Landschaft wieder.

Die R312

Etwas später kommt man dann auf die N59, die fast parallel zum Oweniny River nach Richtung Bangor Erris verläuft. Auch die weitere Strecke über die R313 / R314 ist von diesem Landschaftsbild geprägt.

Als ich gegen 17 Uhr am Gortmellia-Strand ankam, war ich jedoch enttäuscht. Ich hatte noch die Bilder aus dem Internet von dem Schiffswrack im Kopf, die ich gefunden hatte und welche mich dazu inspirierten, mal wieder in diese Ecke Irlands zu fahren. Allerdings war das, was ich nun vorfand, mehr Wrack als Schiff.

Die „Ros Tuaiscert“ bzw. was davon übrig war, lag friedlich im Sand und wartete auf ihren endgültigen Zerfall, der, im Vergleich zu Bildern aus den Jahren 2017/2018, mehr als deutlich vorangeschritten war. Nur gut, dass dies nicht das einzige Ziel auf meiner Tagestour war.

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Die „Ros Tuaiscert“ – Mehr Wrack als Schiff

Ich machte ein paar Bilder von dem Wrack und begab mich anschließend auf den Weg zu meinem zweiten Ziel an diesem Tag.

Deirbhile’s Twist

Als ich zum ersten Mal ein Bild vom Deirbhile’s Twist im Internet sah, dachte ich zuerst, es wäre einer der vielen Steinkreise in Irland, der auch noch sehr gut erhalten war.

Meine weitere Recherche dazu ergab allerdings: Der Steinkreis ist eine Skulptur des in Offaly geborenen Wissenschaftlers und Künstlers Michael Bulfin. Diese besteht aus spiralförmig angeordneten Granitsteinen und bezieht sich auf die Legende von St. Dervilla, einer heiligen Jungfrau aus dem 6. Jahrhundert, die in der Gegend lebte.

Deirbhile’s Twist, Co. Mayo
Deirbhile’s Twist

Auf dem Weg zum Deirbhile’s Twist kam ich auch am Blacksod Leuchtturm vorbei, der knapp 2 km entfernt an der Blacksod Bay liegt. Hier hatte ich Gelegenheit, diesmal ein paar Bilder vom Leuchtturm bei sonnigem Wetter zu machen.

Blacksod Leuchtturm, Co. Mayo
Blacksod Leuchtturm

Gegen 18:30 Uhr ging auch die Sonne langsam unter, daher entschied ich mich dazu, noch den Sonnenuntergang abzuwarten und fuhr nach einigen weiteren Bildern gegen 19:30 Uhr nach Hause.

Deirbhile’s Twist, Co. Mayo
Deirbhile’s Twist

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Kurzfristige Planänderung

Nachdem der Sonntag unerwartet sonnig und fast wolkenlos war, wollte ich mich in Westclare ein wenig umschauen und bei den „Bridges of Ross“ ein paar Bilder machen. Als ich das letzte Mal dort war, war es nicht berauschend und nachdem es die ganze Woche über eher grau und regnerisch war, musste ich diesen Sonntag einfach ausnutzen. So fuhr ich nach dem Mittagessen an die Westküste der Loop Head-Halbinsel und freute mich auf ein paar schöne Bilder. Als ich am Parkplatz der Bridges of Ross ankam, war dieser bis auf den letzten Platz voll mit Pkws und Campingbussen.

Hätte ich mir eigentlich denken können… Wenns schon mal so ein Wetter hat, ist alles unterwegs ans Meer. Ok, Thema erledigt – bei den Menschenmassen, die sich dort tummelten, war an ordentliche Bilder nicht zu denken.

Ich machte ein paar Fotos und ein Video vom Meer vom Parkplatz aus und saß dann im Auto und überlegte, was ich wohl jetzt anstellen könnte. Ich dachte daran, dass ich mir so ein Wetter damals gewünscht hatte, als ich mit meinen Eltern am Ballybunion Castle war, mir aber die Wolken einen Strich durch die Rechnung gemacht hatten, als ich einen Sonnenuntergang über bzw. hinter der Burgruine machen wollte. Jetzt wäre ein ideales Wetter für sowas.

Ich öffnete die App mit dem Sonnenstand auf meinem Handy und sah nur zum Spaß nach, wann die Zeit günstig wäre. Ich konnte es kaum glauben, die App zeigte mir gerade in dieser Zeit den idealen Stand der Sonne an. Schnell hatte ich meinen Rucksack wieder ins Auto gepackt und sah auf die Uhr. Wenn ich den Weg über Killimer mit der Fähre nach Tarbert nehme, schaffe ich es rechtzeitig nach Ballybunion. Meiner Frau hatte ich noch kurz eine SMS geschrieben und von meiner Planänderung erzählt, dann machte ich mich auf den Weg.

Als ich in Killimer auf die Fähre wartete, sah ich immer wieder zum Himmel. Es schien tatsächlich so, als sollte ich diesmal Glück haben, denn es war kaum ein Wölkchen zu sehen. Um ca. 18:45 Uhr kam ich in Ballybunion an und auch bei der Suche nach einem Parkplatz war mir das Glück an diesem Tag hold. So fand ich diesen nicht weit von der Burgruine und spazierte zu meinem Ziel, wo ich erstmal eine gute halbe Stunde in der Sonne saß und den Ausblick auf die Burg und den immer noch fast wolkenlosen Himmel genoss. Die Sonne näherte sich immer mehr der Ruine, auf diesen Augenblick hatte ich ca. 2 Jahre gewartet.


Gemütlich montierte ich eine der Kameras auf das Stativ und begann mit den ersten Voreinstellungen. Meine Idee war, die Kamera auf dem Stativ mit einem manuellen 35 mm Objektiv zu bestücken, das ich schon lange nicht mehr benutzt hatte, obwohl es in Sachen Schärfe sehr gute Ergebnisse lieferte. Meist war ich nur zu faul, die Objektive zu wechseln. Mein „Allround-Objektiv“ (24-120 mm) blieb auf der zweiten Kamera, die ich so bei mir trug oder auf dem Rucksack lag.

Die ersten Bilder machte ich, als die Sonne die Spitze der Ruine erreichte. Diese Burgruine ist genial, denn sie hat vier längliche Fensterschlitze in verschiedenen Höhen und einen schmalen Eingang. So konnte ich die Sonne zu verschiedenen Zeiten durch diese hindurch fotografieren und je später es wurde, desto intensiver wurde der Farbverlauf am Horizont hinter dem Gebäude von blau nach orange. Auch meine Idee mit dem 35mm Objektiv stellte sich als gute Wahl heraus, denn die Sonnenstrahlen, die dieses relativ günstige Objektiv hervorbringt, sind traumhaft.

Diese Ruine ist auch Teil meines neuesten Buches „Irische Ruinen“. Ab sofort bei Amazon erhältlich:

Irische Ruinen - Das Buch

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Endlich wieder ans Meer

Der erste Kurztrip ans Meer seit dem Lockdown. Im März, als der Radius in dem man sich bewegen durfte, auf 2 km beschränkt war, saß ich bei sommerlichen Temperaturen im Garten und hatte Vögel fotografiert, die sich regelmäßig in unserem Vogelhäuschen ihr Futter abholten, anstatt Landschaften.


Als dann der Radius auf 5 km und später auf 20 km erweitert wurde, war das Wetter derart bescheiden, dass man im Haus saß und auf Regenwolken und nasse Straßen sah. Die 20 km hatten mir auch nicht viel gebracht, denn die kürzeste Strecke von zu Hause ans Meer waren immerhin noch 30 km.
Seit ersten Juli konnte man sich wieder frei im Land bewegen aber das Wetter war auch nicht viel besser…


Am 09.07. dann endlich ein Lichtblick (im wahrsten Sinne), blauer Himmel, zwar mit Wolken aber wenigstens blau. Nach Feierabend erstmal den Fotorucksack geschnappt und ab nach Lahinch, an der Promenade ein paar Minuten herumspaziert und nach 6 Monaten wieder das Rauschen der Wellen genossen.

Dann an die Cliffs of Moher. Ein seltener Anblick… der O’Brien’s Tower mal ohne Touristen, auch wenn ich mich noch an die neue Optik der Mauern, bzw. des Verputzes gewöhnen muss. Die alte Version hatte mir besser gefallen.

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