Spaziergang zur Clare Abbey

Die Clare Abbey befindet sich am Rand der Stadt Ennis im County Clare am Westufer des Flusses Fergus. Sie wurde 1189 von Donal Mor o’Brien, dem König von Thomond, gegründet und war damals das größte und bedeutendste Augustinerkloster im County Clare. Der ursprüngliche Name lautete: „Abtei von St. Peter und St. Paul in Kilmony“.

Der Glockenturm wurde Mitte des 15. Jahrhunderts angebaut und trennte das Kirchenschiff vom Chor.

Der Vorteil dieser Location ist, sie liegt quasi vor der Haustüre. Von meinem Homeoffice aus habe ich einen guten Blick auf diese Ruine, was mir gelegentlich einen wunderbaren Anblick bei Sonnenaufgang beschert, so wie hier im Oktober 2020.

Da laut Wetterbericht für die nächsten Tage wieder Regen angesagt war, haben meine Frau und ich den schönen Sonntag noch für eine Gassirunde mit dem Hund zur Abbey genutzt. Ich hatte bei dieser Gelegenheit auch gleich das neu erworbene YONGNUO 35mm-Objektiv mitgenommen, um dieses das erste Mal im Außeneinsatz zu testen. Die ersten Bilder zu Hause im Garten waren nicht schlecht. Außerdem wollte ich schon länger einen Beitrag zur Clare Abbey verfassen, daher machten wir uns nach dem Frühstück um 10 Uhr auf den Weg. Die angezeigten 23 °C fühlten sich allerdings bei fast wolkenlosem Himmel und ohne Wind an wie 30 °C. So waren wir froh, nach ca. 1,5 Stunden wieder zu Hause auf der schattigen Terrasse zu sitzen.

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Mieten auf Irisch

Inspiriert durch einen Artikel in einem anderen Blog, kam mir die Idee zu der heutigen netten Geschichte, die ich Euch nun hier erzählen möchte.

Nachdem ich nach Irland ausgewandert war, wohnten wir im County Tipperary, wo ich auch fast ein Jahr nach einem Job gesucht hatte. Ja, Ihr habt richtig gelesen, „ich“ bin nach Irland ausgewandert. Meine Frau lebte schon länger auf der Insel (siehe den Artikel: Auf zu neuen Ufern). Als ich auf meine Bewerbung einer IT-Firma in Shannon innerhalb 24 Stunden eine Antwort bekam und ca. 2 Wochen später meinen neuen und ersten Job in Irland antrat, musste ich von nun an täglich die ca. 100 km in die Arbeit fahren und natürlich auch wieder zurück.

Nachdem wir dann im Mai 2013 geheiratet hatten und meine Frau im Herbst auch noch bei derselben Firma einen Job bekam, entschieden wir uns, in den County Clare und somit näher zur Arbeit umzuziehen. Im November 2013 fand meine Frau im Internet ein Haus in Ennis, für welches ein neuer Mieter gesucht wurde. Kurzerhand hatte sie den Vermieter kontaktiert und machte einen Termin zur Besichtigung.

Wir trafen Paul, den Vermieter, an einem Samstag am Rande des entsprechenden Estates und fuhren ihm zu der exakten Adresse hinterher. Dort öffnete er uns die Tür des Hauses und zeigte uns kurz die Zimmer im Erdgeschoss. Nachdem wir sichtlich angetan von den ersten Eindrücken waren, sagte er, er wäre kurz mal im Pub in der Nähe, um eine Tasse Kaffee zu trinken. Wir sollen uns in Ruhe das Haus ansehen, er käme in ca. 20 Minuten zurück um dann alles Weitere zu besprechen. Dann fuhr er weg…

Meine Frau und ich sahen uns mit großen Augen an. Jetzt standen wir 100 km von unserem Wohnort entfernt in einem fremden Haus. Der Eigentümer wusste absolut nichts von uns, außer dass wir beide in Shannon in derselben Firma arbeiten. Meine Frau kannte er zumindest von dem kurzen Telefonat ein paar Tage zuvor als wir den Termin vereinbarten, mich hat er an diesem Tag zum ersten Mal gesehen. Ich war gespannt, wie das weitergeht. Wir sahen uns erstmal den Rest des Hauses an und waren beide begeistert.

Wie besprochen kam Paul auch nach einer guten halben Stunde zurück und fragte, ob uns das Haus gefällt. Unsere strahlenden Gesichter waren Antwort genug, daher wurden wir uns schnell einig. Auch unsere Hunde waren glücklicherweise kein Problem.

Paul nannte uns nochmal die Höhe der Mietkaution sowie der monatlichen Miete und übergab mir die Hausschlüssel. Den Mietvertrag und die Bankverbindung würde er uns per Mail zuschicken. Dann verabschiedete er sich. Ich musste das erstmal im Kopf ordnen. Dass in Irland diverse Dinge einfacher sind, hatte ich ja gewusst, aber sowas hätte ich nicht erwartet.

Geistesgegenwärtig bemerkte meine Frau noch, dass er sich doch wenigstens unsere Mailadresse notieren sollte, denn er hatte ja bis dahin nur unsere Vornamen und die Handnummer meiner Frau. Er notierte sich noch schnell die Mailadresse und machte sich auf den Heimweg ins ca. 2 Autostunden entfernte Cork. Ich konnte immer noch nicht fassen, was da passiert war. Dieser Tag war noch lange Gesprächsstoff, vor allem wenn wir unserer Familie und Freunden in Deutschland davon erzählten.

Einige Tage später begannen wir allmählich mit dem Umzug und auch die Hunde fühlten sich wohl im neuen Heim.

In einem späteren Gespräch stellte sich heraus, dass unsere Vermieter nur Gutes von den Deutschen und ihrer Korrektheit sowie ihrer Pünktlichkeit gehört hatten. Daher waren sie froh, uns als Mieter zu bekommen.

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Nollaig Shona Dhuit

Gastbeitrag von shamrock.blog – Mehr dazu im Autorenprofil.

Der Weihnachtsmarkt in Belfast – Photo: Shamrock.blog

Feiern die Iren Weihnachten genauso wie wir im kontinentaleuropäischen Raum? Gibt es Weihnachtsmärkte samt Glühwein und gebrannten Mandeln? Wie schmückt man in Irland das heimische Wohnzimmer und was isst man hier an Weihnachten? Auf die Vorweihnachtszeit in Irland waren wir ganz besonders gespannt. Im Zuge dessen haben wir uns auf die Suche nach irischen Weihnachtsmärkten begeben, insgesamt drei verschiedene quer über Irland (und Nordirland) verteilt getestet und uns über die irischen Weihnachtstraditionen schlau gemacht.

Weihnachtsmärkte auf Irisch

Es stellte sich heraus, dass Weihnachtsmärkte noch eine recht neue Erscheinung auf der grünen Insel sind. Erst in den letzten 10 Jahren ist die deutsche Tradition zunächst nach England und dann auch nach Irland übergeschwappt. Nur verhältnismäßig wenige Städte haben wirkliche Weihnachtsmärkte zu bieten, darunter natürlich Dublin, Cork, Galway und Belfast. Auch in kleineren Orten gibt es hier und da mal einen Weihnachtsmarkt, jedoch ähneln diese eher Flohmärkten bzw. „Craft Fairs“ oder sind lediglich für Kinder aufgebaute Weihnachtswelten, in denen man „Santa Clause“ treffen kann.

Der erste Weihnachtsmarkt, den wir ausprobierten, war der in Galway. Hier waren wir Anfang Dezember 2018 mit Freunden aus Deutschland unterwegs. Dick eingepackt und mit einem Hot Cider in der Hand ließ sich das kalte, regnerische Wetter schon deutlich besser ertragen. Der sogenannte Galway Continental Christmas Market würde dieses Jahr zum 11. Mal stattfinden, wäre nicht etwas dazwischen gekommen… Ungefähr 50 Stände um den Eyre Square herum verteilt sowie ein Riesenrad, ein Kinderkarussell und der „German Bier Keller“ gehören für gewöhnlich zu seinem Repertoire. Für deutsche Verhältnisse ein eher kleiner Weihnachtsmarkt für eine der größten Städte Irlands. Gott sei Dank besteht Galway ja nicht nur aus dem Eyre Square und so konnten wir unsere Gäste auch noch die beleuchteten Gassen des Latin Quarters entlang führen und sie zu einem unserer Lieblingspubs – die O’Connells Bar – führen, der ebenfalls weihnachtlich geschmückt war.

Weihnachten in Galway – Photo: Shamrock.blog

Diese Jahr wird eine abgespeckte, „Covid-freundliche“ Version des Weihnachtsmarkts samt Hand-Desinfektionsmittel und Maskenpflicht bis zum 20. Dezember stattfinden.

Eine Woche später ging es für uns das erste Mal in die Hauptstadt Nordirlands, wo wir natürlich als erstes nach Ankunft am Abend den Belfast Christmas Market auscheckten. Vor der beeindruckenden Kulisse der Belfast City Hall, dem prunkvollen Rathaus der Stadt, prangte der nordirische Weihnachtsmarkt. Hier war die Auswahl an weihnachtlichen Getränken und Speisen schon viel größer, wenn auch nicht günstiger. Neben schön geschmückten Hütten mit irischem Kunsthandwerk, köstlichen belgischen Waffeln und original deutschem Glühwein gab es auch hier ein paar kleinere Karussells für Kinder. Auch lokale Spezialitäten, wie Hummer-Burger und anderes Sea Food wurde angeboten.

Seit kurzem ist bekannt, dass der Weihnachtsmarkt in Belfast nach 15 Jahren dieses Jahr leider zum ersten Mal ausfallen muss. Sicher werden die herrlich geschmückte City Hall sowie der nahegelegene Victoria Square trotzdem weihnachtliches Großstadt-Flair versprühen, das seinesgleichen sucht.

Kurz vor unserem Weihnachtsurlaub in Deutschland ging es für uns noch auf einen kleinen Weihnachtsmarkt im preisgekrönten „Mckenna’s Guide Irish Pub of the Year 2018“. In den umgebauten Scheunen des Pot Duggans in Ennistymon fand an zwei Wochenenden im Dezember ein kleiner lokaler Weihnachtsmarkt statt, der jedoch eher einem weihnachtlich angehauchten Flohmarkt aka Craft Fair ähnelte. Statt Glühwein gab es hier Hot Cider von einem lokalen Gut in Cork. Besonders der Ausblick vom Biergarten auf den Fluss Inagh und die bunt beleuchtete Brücke hatte es uns angetan. Leider muss auch dieses Jahr auf diesen schnuckeligen Weihnachtsmarkt verzichtet werden.

Pot Duggans in Ennistymon – Photo: Shamrock.blog

Dafür soll in diesem verrückten Jahr neben dem Galwayer Weihnachtsmarkt auch eine umgedachte Variante von „Glow Cork“ stattfinden – mitsamt künstlerischem, festlichem Pfad durch das Corker Stadtzentrum und Outdoor-Lichtinstallation. Heutzutage muss man eben kreativ werden, um sicher mit seinen Liebsten feiern zu können!

Auch in Waterford steht für das alljährliche, große Winterval das Licht auf Grün – nicht mal auf ein Foto mit Santa muss dieses Jahr verzichtet werden. Man kann sich also auch hier auf ein sicheres und sozial distanziertes Weihnachtserlebnis vom 4. bis 23. Dezember freuen!

Wenn schon die großen Dubliner Weihnachtsmärkte ausfallen, so kann man dieses Jahr wenigstens auf den „Wicklow Christmas Market – Reimagined“ gehen. Um über Einschränkungen wie limitierten Besucherzahlen und Weihnachtsständen sowie einer etwas anderen Santa Express-Erfahrung hinwegzutrösten, soll eine extra Portion Magie und Glitzer sowie großartig klingende Angebote (z.B. eine Alpacca Experience und eine Feuershow) für unvergessliche Weihnachten sorgen.

Die irischen Weihnachtsmärkte versuchten selbst in diesem Jahr ihr Bestes, um an die kontinental-europäischen Vorbilder heranzukommen, jedoch ist bis dahin noch ein weiter Weg zu gehen. Weder das Essen und Trinken, das angeboten wird, hat viel mit hiesigen Weihnachtsmärkten zu tun, noch ist die Stimmung so heimelig und weihnachtlich. Wer einmal auf einem guten deutschen Weihnachtsmarkt war, weiß was wir meinen. Andersherum ist es ja auch genauso mit Irish Pubs in Deutschland – sie geben sich alle Mühe, an ihre großen Brüder in Irland heranzukommen, schaffen es aber einfach nicht. Das ist aber noch lange kein Grund, warum es in Deutschland keine Irish Pubs und in Irland keine Weihnachtsmärkte geben sollte! Trotzdem ist es eine schöne Sache, dass immer mehr Weihnachtsmärkte in Irland aus dem Boden sprießen und die Vorfreude auf Weihnachten versüßen.

Obwohl wir sonst nicht der Meinung sind, dass die größten Weihnachtsmärkte die besten sind (im Gegenteil), hat uns von den drei Weihnachtsmärkten derjenige in Belfast definitiv am besten gefallen. Er hat es am ehesten geschafft uns in Weihnachtsstimmung zu versetzen und der deutsche Glühwein dort hat sehr gut geschmeckt. Die horrenden Preise sind jedoch genau wie auf deutschen Weihnachtsmärkten gegeben, wenn nicht sogar noch schlimmer!

Weihnachten in Irland

Nur weil wir 2020 auf die meisten Weihnachtsmärkte und andere Veranstaltungen in der Vorweihnachtszeit verzichten müssen, heißt das nicht, dass wir Weihnachten ganz vergessen müssen.

Irland kann nämlich mit einigen unüblichen Weihnachtstraditionen aufwarten, die auch dieses Jahr nicht ausfallen müssen. Die wohl verrückteste und wichtigste davon ist das alljährliche Weihnachtsschwimmen – auf der gesamten Insel springen die Menschen seit mehr als 40 Jahren am Christmas Day, dem 25. Dezember, für den guten Zweck ins eiskalte Wasser. Logischerweise wird dieser „Christmas Swim“ eher in den Küstenregionen der grünen Insel zelebriert.

Der nächste irische Weihnachtsbrauch bezieht sich auf das bevorzugte Heißgetränk. Statt Glühwein gibt es in Irland eher heißen Apfelcider oder noch traditioneller; heißen Whiskey mit Zitrone, Gewürznelken und etwas braunem Zucker. Wärmt von drinnen nach draußen!

Auch beim Weihnachtsessen gibt es ein ganz besonderes Gericht, das vor allem in der Corker Region zu Weihnachten auf den Tisch kommt: Spiced beef, auf Deutsch gewürztes Rindfleisch, das mit Zucker, Gewürzen und Beeren gekocht wird. Dieses Rezept stammt aus der Zeit, als man so das Fleisch haltbar machte. Die Tradition hat sich gehalten und beansprucht ihren Platz auf den Weihnachtstafeln in ganz Irland.

Zum Nachtisch gibt es klassischerweise einen Christmas Pudding, eine Art Kuchen bestehend aus vielen verschiedenen Weihnachtsgewürzen, Rosinen und anderen getrockneten Beeren und vollgesaugt mit irischem Whiskey. Am besten wird er schon ein paar Wochen vor Weihnachten zubereitet, damit sich die Aromen entfalten können. Vor dem Servieren wird er noch einmal zwei Stunden lang gedünstet und anschließend auf dem Tisch noch einmal mit Whiskey übergossen. Das jüngste Familienmitglied hat dann die Ehre, den Pudding mit einem Streichholz anzuzünden bzw. zu flambieren. Sobald die Flamme aus ist, wird er er mit frisch geschlagener Sahne serviert. Wir haben es ausprobiert – schmeckt vollmundig nach Weihnachtsgewürzen und sorgt für Staunen beim Anzünden der blau züngelnden Flamme!

Und wusstet ihr, dass der Weihnachtsbaum in Irland noch eine relativ neue Dekoration ist? Üblicherweise wurden die Häuser sonst eher mit Ilex, auch Stechpalme genannt, sowie mit Efeu geschmückt. Kein Wunder, diese Pflanzen wachsen in Irland das ganze Jahr über, wogegen Bäume in vielen Teilen der Insel (vor allem in Küstenregionen) eine Rarität sind. Heutzutage ist es üblich, dass sich jeder einen Ilex-Kranz an die Haustür hängt. Die Tradition besagt, je mehr rote Beeren am Kranz sind, desto mehr Glück hat man im kommenden Jahr. Auch wir haben die Stechpalme, auf Englisch „holly“ und auf Irisch „cullenagh“ genannt, in unsere Adventsdekoration mit einfließen lassen.

Der letzte irische Weihnachtsbrauch findet erst im neuen Jahr, genauer gesagt am 6. Januar statt. Dieser Tag wird in Irland „Little Christmas“ oder auch „Women’s Christmas“ genannt. An diesem Tag sollen die Frauen alle Hausarbeit vermeiden, ausgehen, sich amüsieren und ihr Weihnachtsgeld ausgeben, während die Männer daheim bleiben und das Haus abschmücken. Es soll Unglück bringen, wenn man es nicht macht!

Na wenn das nicht genügend Traditionen sind, um auch in einem so seltsamen Jahr wie diesem in Weihnachtsstimmung zu kommen. Wir wünschen euch allen jedenfalls Nollaig Shona Dhuit, Blythe Yuletide und frohe Weihnachten!

Verena & Falk

von www.shamrock.blog

Autorenprofil:

Photo: Shamrock.blog

@Shamrock.blog – das sind zwei Irland-Verrückte aus dem Osten Deutschlands, die ihren großen Traum vom Leben in Irland für 15 Monate verwirklicht haben. Dabei reisten sie ausgehend von ihrem küstennahen Zuhause im County Clare quer durch das gesamte Land und erkundeten beinahe jeden Winkel der grünen Insel. Mittlerweile leben Sie wieder in Berlin, von wo aus sie ihre treue und stetig wachsende Follower-Gemeinde weiterhin mit Insider-Tipps rund um das Auswandern, Leben und Reisen in Irland und jeder Menge Stoff für Irlandweh versorgen. Sie können es kaum erwarten, endlich wieder in das Land ihrer Träume reisen zu können.

Ihr findet die beiden auch auf Instagram unter @shamrock.blog

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Friedhöfe in Irland

In ca. einer Woche ist wieder Halloween. Der Abend, an dem Kinder als Geister, Skelette oder anderen schaurigen Gestalten verkleidet, von Haus zu Haus gehen und Süßes oder Saures (engl. trick or treat – „Streich oder Leckereien“) verlangen, da sie den Hausbewohnern sonst einen Streich spielen. Wobei es dieses Jahr aufgrund der Corona-Krise wohl etwas ruhiger ablaufen dürfte.

Halloween kommt ursprünglich aus Irland und wurde vor allem in den katholischen Gebieten gefeiert. Nachdem im 19. Jahrhundert viele Iren nach Amerika ausgewandert sind, wurde der Brauch in den Vereinigten Staaten und Kanada übernommen und kam in den 90ern allmählich wieder nach Europa.

Der Name Halloween leitet sich ab von All Hallows’ Eve, dem Abend vor Allerheiligen, vom 31. Oktober auf den 1. November. Was passt hier besser als Blog-Thema als Friedhöfe?

Im Gegensatz zu Friedhöfen in Deutschland oder anderen Ländern, wo die Gräber ordentlich in „Reih und Glied“ sowie mit geraden Wegen dazwischen angelegt wurden, wirken irische Friedhöfe durch ihre, teilweise mehrere Jahrhunderte alten Grabsteine und Kreuze, die zum Teil eingesunken und mit Moos bewachsen sind, immer etwas mystisch und geheimnisvoll. An vielen Stellen lässt sich nur noch erahnen, dass es sich hier um ein Grab handelt, da manchmal nur noch ein Grabstein, oder ein Stück davon, aus dem Boden ragt.

Teilweise werden die Gräber mit bunten Steinen, Spielzeug oder anderen Utensilien geschmückt.

Ein Spaziergang durch einen alten Friedhof in Irland ist immer ein besonderes Erlebnis und bei manchen denkt man unweigerlich, man befindet sich am Schauplatz eines Horrorfilmes. Wie z. B. hier, auf dem alten Friedhof in Ennis.

Ein weiterer interessanter Friedhof befindet sich in der, wahrscheinlich bekanntesten, Klostersiedlung Irlands: Glendalough im Co. Wicklow:

Den nachfolgenden Friedhof habe ich durch Zufall bei einem Spaziergang an einem frostigen Wintermorgen entdeckt. Dazu gibt es auch einen eigenen Blog „Perfektes Timing“ .

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Lili Marleen in Ennis

Ein üppiges Mittagessen letzten Sonntag und das sonnige Wetter brachten mich auf die Idee, mich ein wenig an der frischen Luft zu bewegen. Da ich aber keine große Lust hatte, weit zu fahren, entschied ich mich dazu, mal wieder einen Spaziergang durch Ennis zu machen und zu sehen, was es an interessannten Foto-Objekten gibt.


Ich schnappte mir also eine Kamera und montierte das Nikkor 50mm Objektiv darauf. Auf einem Schrank fand ich noch eine alte Fototasche, die gerade mal Platz für die Kamera mit dem kleinen Objektiv darauf bot und fuhr so ausgerüstet, die 5 Minuten in die Stadtmitte.


Ich hatte absichtlich nicht mehr an Ausrüstung mitgenommen, denn gerade die Objektive mit Festbrennweite zwingen einen dazu, sich mehr Gedanken über die Bildkomposition zu machen. Anstatt am Zoomring zu drehen um den geeigneten Bildausschnitt zu bekommen, muß man sich bewegen. Das ist nicht nur gesund, sondern schult auch das Auge.


Dazu gibt es ein passendes Zitat des 1921 in Wien geborenen, österreichischen Fotografen Ernst Haas:

„Das beste Weitwinkelobjektiv? Zwei Schritte zurück“

Daher ein Tipp an alle Fotografie-Einsteiger:

Kauft euch eine Festbrennweite, es lohnt sich!

Das Nikkor AF 50mm f/1.8D zum Beispiel, gibt es schon für ca. 100 € in Internet. Auch von Canon oder anderen Herstellern gibt es entsprechende Angebote in dieser Preisklasse.


Mit meiner Tasche und einer leichten Jacke bepackt, machte ich mich am frühen Nachmittag auf den Weg durch Ennis und entdeckte auf meinem Spaziergang nette Objekte, die ich sonst nie so wahrgenommen, oder überhaupt gesehen hätte. Wie z. B. im nachfolgenden Bild – Die Ketten an der Grundstücksgrenze unserer örtlichen Bibliothek.

Es sieht aus, als wenn diese durch den Baum hindurchgehen würden. In der Hektik beim Einkaufen oder vom Auto aus, fallen einem solche Dinge gar nicht erst auf. Macht Euch in eurem Heimatort mal zu Fuß auf den Weg, Ihr werdet staunen…

Ich schlenderte ca. 1-2 Stunden durch den Ort und kam an Plätze, die ich bisher noch nie besucht hatte, seit ich 2013 hergezogen bin.

(Das gesamte Album findet Ihr auf der Facebook-Seite)

So kam ich am Ende meiner Tour an eine Brücke, die ich unbedingt fotografieren wollte und hörte schon von weitem, wie jemand Gitarre spielte. Als ich näher kam, saß dort ein älterer Mann auf der Mauer am Fluß und zupfte an den Saiten seiner Holzgitarre. Mit dem Fluß davor war dies eine interessante Komposition und ein weiteres Motiv für meine Bilderreihe, die ich komplett in schwarz/weiß geplant hatte. Da er mit dem Gesicht zum Fluß saß, bemerkte er mich erst gar nicht. Erst als er mein etwas lauteres „How are you“ vernahm, drehte er sich zu mir herüber.

Wir unterhielten uns natürlich erstmal kurz über das Lieblingsthema der Iren – das Wetter. Ich fragte ihn, ob ich ein paar Bilder von ihm machen dürfte, da ich dieses Bild von ihm vor dem Fluss so interessant fand. Er hatte nichts dagegen und lächelte mit einem freundlichen „If you like“ zu mir herüber.


Im Verlauf unserer netten Unterhaltung erzählte mir Peter, wie er sich mir vorstellte, über seine Zeit in München, wo er vor vielen Jahren als Maler gearbeitet hatte und sang mir stolz eine Zeile des Liedes „Lili Marleen“ von Marlene Dietrich vor, das er noch aus dieser Zeit kannte.


Nach ca. 15 Minuten verabschiedeten wir uns und ich spazierte zurück zum Parkplatz. Die Bilder von Peter waren das Highlight des Tages und wieder einmal ein Fall von „perfect timing“.


Wäre ich eine halbe Stunde später dort gewesen, wäre Peter wahrscheinlich bereits weitergezogen, denn die Wolken wurden allmählich dichter und dunkler.

Ich hatte die richtige Zeit für meinen Spaziergang durch Ennis gewählt.

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Foto-Reise durch County Clare – Teil 2

Inhalt

Startpunkt unseres zweiten Teiles: Spanish Point

Vom bekannten Surferparadies Lahinch aus, ca. 13 km südlich, liegt der Ort Spanish Point. Seinen Namen verdankt er den Schiffen der spanischen Armada, welche 1588 aufgrund eines Untwetters an der irischen Küste zerschellten. Einige Spanier konnten sich zwar von den sinkenden Schiffen retten und erreichten das Festland, doch wurden diese später vom „High Sheriff of Clare“, Sir Turlough O’Brien, hingerichtet.

In Spanish Point findet man auch einen 9-Loch-Golfplatz. Mit über 110 Jahren gehört er zu den ältesten Golfplätzen der Grafschaft Clare.


Der ca. 1 km lange Sandstrand von Spanish Point hat außer den, für Irland so typischen, schräg aus dem Wasser ragenden Felsen, nicht sonderlich viel zu bieten, jedoch geben diese ein interessantes Motiv, vor allem wenn sich das Licht der tief stehenden Sonne bei Ebbe auf den nassen Felsen spiegelt oder bei Flut die Gischt an ihnen hochspritzt.


Kilkee Cliffs

Auf der N67 geht es in südlicher Richtung weiter in das 29 km entfernte Kilkee, dem beliebten Badeort mit seinen (2011 gezählten) 1024 Einwohnern, der jedes Jahr tausende von Touristen aber auch zahlreiche irische Urlauber in die Region lockt.

Von dort aus fahren wir auf einer schmalen Küstenstraße, der Dunlicky Road, entlang der Loop Head-Halbinsel, auf der wir uns nun befinden, bis wir nach 7 km die Kilkee Cliffs erreichen. Einem weiteren, der unzähligen Aussichtspunkte auf dem Wild Atlantic Way.

Die schroffen Felsformationen und die felsige Bucht dort, bieten viel Spielraum für allerlei Fotos.

Es lohnt sich auch grundsätzlich, auf dem Weg entlang der Loop Head Halbinsel ab und zu anzuhalten und zu Fuß den Rand der Klippen zu untersuchen, denn die Küste hier bietet diverse Gelegenheiten, die Kamera zu zücken.


Bridges of Ross

Unseren nächsten Punkt finden wir ca. 17 km weiter südwestlich der Kilkee Cliffs. Die „Bridges of Ross“ waren ursprünglich drei, von der Natur geformte, Steinbrücken. Mitterweile ist nur noch eine von ihnen erhalten. Diese erreicht man zu Fuß auf einem schmalen Trampelpfad, ca. 500 m nach dem kleinen Parkplatz der dort gebaut wurde.

Aber nicht nur diese Brücke, sondern auch das umliegende felsige Ufer, laden einen an sonnigen Tagen dazu ein, sich ein paar Minuten ins Gras zu setzen, den Anblick zu genießen und den Wellen zuzuhören die sich an den rauen Felsen brechen.


Loop Head Leuchtturm

An der Spitze der Halbinsel Loop Head, die den Atlantik von der Mündung des Shannon trennt, befindet sich ein 23 Meter hoher Leuchtturm. Dieser wurde 1854 erbaut und 1991 automatisiert. Hier wurde auch ein Teil des Films „Star Wars: Der letzte Jedi“ gedreht.

Nicht nur der Leuchtturm selbst bietet von der Westseite her betrachtet eine schöne Ansicht. Auch die, teilweise flachen und begehbaren, Klippen auf der südlichen Seite der Mauer, welche die Anlage mit den Gebäuden umfasst, sind besonders in den letzten Monaten des Jahres interessant wenn die Sonne dort untergeht.

Die nachfolgenden beiden Bilder wurden im September 2016 aufgenommen, als ich mir einmal die Mühe gemacht hatte, einem Trampelpfad zu folgen der an der Mauer entlang hinunter in Richtung Meer führte. Nach ca. 460 m hatte ich die Klippen erreicht und wurde mit einer genialen Aussicht belohnt.


Quin Friary

Ein weiterer interessanter Fotospot ist Quin Friary, die auch als Quin Abbey bezeichnet wird. Diese befindet sich ca. 12 km östlich von Ennis in Quin. Das eigentliche Kloster wurde zwischen 1402 und 1433 von von Sioda Cam McNamara für Brüder des Franziskanerordens auf den Ruinen einer normannischen Burg erbaut.

Die Klosteranlage mit dem Kreuzgang, die alten Räume und der Friedhof mit den alten Keltenkreuzen sind sehr interessante Motive. Da die Anlage von außen beleuchtet ist, sind auch interessante Nachtaufnahmen möglich.


Lough Derg

Ca. 40 km östlich von Quin liegt der Lough Derg. Mit 118 km² ist er der drittgrößte See Irlands. Aufgrund seiner geografischen Lage grenzt er an die Counties Clare, Tipperary und Galway. Im Norden, bei Portumna (Co. Galway) fließt der Shannon in den Lough Dergh. Der Abfluss des Shannon liegt im Süden bei Killaloe im County Clare.

Rund um den, im Durchschnitt 5 km breiten, See findet man diverse Gelegenheiten für Fotos. Die schönsten Orte neben Killaloe sind Mountshannon, mit seinem Hafen im Westen und Dromineer im Osten. Von Mountshannon aus kann auch man Bootstouren zur Insel Holy Island, einer der berühmtesten Klosteranlagen Irlands, unternehmen.

Blick auf Holy Island

Ennis

Letzte Station auf unserer Reise ist Ennis, die Hauptstadt der Grafschaft Clare, mit ihren ca. 25.000 Einwohnern. Ennis (irish: Inis) liegt am Fluss Fergus und auch verkehrsmäßig im Zentrum des County’s. Von hier aus kommt man direkt auf die N85 Richtung Lahinch im Nordwesten, die M18 Richtung Galway, das in nördlicher Richtung liegt, die N68 Richtung Kilrush im Südwesten und die, ca 40 km südöstlich gelegene, Stadt Limerick, die man bequem über die N18 erreicht.

Die Geschichte von Ennis geht zurück bis ins Jahr 1240 und begann mit dem Bau einer Kirche auf einer Insel im Fergus. Diese wurde später den Franziskanern überlassen, die sie zu einem Kloster (Ennis Friary) umgebaut hatten. Im 14. Jahrhundert lebten dort bereits ca. 1000 Mönche und Schüler. Aufgrund des weiteren Ausbaus und der zentralen Lage wurde Ennis 1565 Hauptstadt der Grafschaft Clare. Aufgrund der großen Hungersnot zwischen 1845 und 1849 reduzierte sich die Zahl der Bevölkerung um ca. 25%.
Seit 1974 findet in Ennis jährlich das Festival der irischen Kultur „Fleadh Nua“ (was soviel heißt wie „neues Festival“) statt, was unter anderem dazu geführt hat, dass sich Ennis im Laufe der Jahre auch zum Zentrum der traditionellen irischen Musik entwickelt hat.

Auch Fans von alten Friedhöfen kommen in Ennis auf ihre Kosten. Ennis und Umgebung hat einiges an Motiven zu bieten.

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