Irische Ruinen – Das Buch

Nach wochenlanger Arbeit ist nun endlich das Buch „Irische Ruinen“ im Handel erhältlich.

Erst war es nur als Kindle-Version geplant. Dann hatte ich mich doch entschlossen, das Buch auch als gedruckte Version zu veröffentlichen. Ein Vorteil der gedruckten Version: Es sind mehr Bilder im Buch.

Da die Seitenzahl des ursprünglichen Manuskripts zu gering war, musse ich noch ein paar Bilder hinzufügen, um die Mindestanzahl zu erreichen. Allerdings hatte ich nicht bedacht, das Seitenformat für die Druckversion umzustellen. Nach dem Umstellen des Formates stellte ich fest, die Seitenanzahl wäre doch ausreichend gewesen. Da es aber unsinnig gewesen wäre, die Bilder wieder zu reduzieren, hat die Druckversion nun etwas „Bonusmaterial“.

Folgende Ruinen sind auf 81 Seiten beschrieben und auf diversen Fotos gezeigt:

  • Clifden Castle, Co. Galway
  • Carey’s Castle, Co Waterford
  • Ballybunion Castle, Castle
  • Muckinisch Castle, Co. Clare
  • Rock of Dunamase, Co. Laois
  • Corcomroe Abbey, Co. Clare
  • Hore Abbey, Co. Tippearary
  • Clare Abbey, Co. Clare
  • Rathronan Church, Co. Tipperary
  • Quin Friary, Co. Clare
  • Kloster Kilmacduagh, Co. Galway

Die Kindleversoin gibt’s hier: https://www.amazon.de/dp/B0BCZK9ZZ9/

Die gebundene Version gibt’s hier:
Hardcover: https://www.amazon.de/dp/B0BD2NZ583/
Taschenbuch: https://www.amazon.de/dp/B0BCSBNPMS

Hier zwei Beispiele aus dem Manuskript:

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Kloster Kilmacduagh

Bei Recherchen zu meinem neuen Buch „Irische Ruinen“ (siehe Link am Ende des Beitrags) stieß ich vor einiger Zeit auf einen interessanten Artikel zur Klosterruine von Kilmacduagh. Diese liegt im County Galway, ca. 6 Kilometer westlich von Gort nahe der Grenze zum County Clare am Rande des Burren.

Mein Interesse wurde dadurch geweckt, da es auf dem Gelände um dieses Kloster diverse Gebäude gibt.

Da der Ort nur ca. 30 Autominuten entfernt lag, war dieser ideal, um kurzfristig dort hinzufahren, sobald das Wetter mitspielte. Am 31. August war es dann so weit. Der Tag war sommerlich warm, so nahm ich kurzerhand einen halben Tag Urlaub und machte mich auf den Weg ins ca. 35 Kilometer entfernte Kilmacduagh.

Inhaltsverzeichnis:

  1. Gebäudeübersicht und Lage
  2. Das Kloster
  3. Der Rundturm
  4. Abtei St. Mary de Petra
  5. The Glebe House
  6. Church of St John the Baptist
  7. St. Colmans Kirche (Templebeg MacDuagh)

Gebäudeübersicht und Lage

Karte bereitgestellt von openstreetmap.org

Direkt nach dem Abbiegen von der R460 sieht man die vorderen Gebäude mit den Bergen des Burren im Hintergrund. Nach ca. 400 Meter erreicht man den eigens angelegten Parkplatz.

Die Klosterruinen werden auch als „die sieben Kirchen“ bezeichnet, obwohl nicht alle Gebäude Kirchen waren.

Kloster Kilmacduagh, Co. Galway

Das Kloster

Berichten zufolge wurde das Kloster im 7. Jahrhundert von dem 560 im County Galway geborenen Bischof und Mönch, St. Colman MacDuagh gegründet, der es als Abt-Bischof leitete. Der früheste Teil der Kathedrale wurde im 11. Jahrhundert gebaut. Dieser ersetzte die ursprüngliche Holzkirche. Der Name Kilmacduagh bedeutet übersetzt „Kirche von Duaghs Sohn“.

Die Legende besagt, dass der heilige Colman MacDuagh durch die Wälder des Burren spazierte, als sein Gürtel zu Boden fiel. An dieser Stelle baute er das Kloster. Der angeblich mit Edelsteinen besetzte Gürtel ging verloren, aber sein Bischofsstab kann heute im irischen Nationalmuseum besichtigt werden.

St. Colman MacDuagh lebte viele Jahre als Einsiedler in Arranmore, wo er zwei Kirchen baute. Er verstarb am 29. Oktober 632. Das Grab von St. Colman liegt hinter der Kirche.  Der Tradition nach können Rückenschmerzen geheilt werden, wenn man sich auf sein Grab legt.

Das Kloster war im Mittelalter von enormer Bedeutung und wurde daher im 12. Jahrhundert zum Zentrum der Diözese Kilmacduagh. Wegen seines Reichtums wurde das Kloster im 13. Jahrhundert mehrmals geplündert.

Die Zugänge zum Inneren des Klosters sind versperrt, so konnte ich lediglich durch die jeweiligen Gitter hindurch fotografieren.

Der Rundturm

Ein besonderes Merkmal ist der über 30 Meter hohe Rundturm, der vermutlich aus dem 11. oder 12. Jahrhundert stammt und sich leicht nach Südwesten neigt. Er hat einen Durchmesser von ca. 5,5 Metern. Seine Fundamente sind allerdings nur ca. 60 cm tief.

Abtei St. Mary de Petra

Auf dem Gelände nördlich des Klosters befindet sich die Abtei St. Mary de Petra, auch bekannt als O’Heynes Abbey. Diese wurde im 13. Jahrhundert wurde von Owen O’Heynes gegründet.

Neben der Kirche befinden sich die Überreste eines weiteren Wohngebäudes.

The Glebe House

(Siehe: https://en.wikipedia.org/wiki/Glebe)

Dieses Gebäude ist auch als das Haus der Äbte bekannt und wurde im 14. Jahrhundert erbaut. Da das Gebäude Schlupflöcher und einen Wachturm enthält, nimmt man an, dass hier eine kleine Garnison stationiert war.

Church of St John the Baptist

Kirche mit Kirchenschiff und Chor, die als Oratorium von St. John (Teampull Owen) bekannt ist. Das Mauerwerk des ursprünglichen Gebäudes stammt aus dem 10. Jahrhundert.

St. Colmans Kirche (Templebeg MacDuagh)

Diese kleine Kirche befindet sich südlich des Klosters, außerhalb der Mauern und man findet kaum Informationen darüber. Möglicherweise könnte Sie die Reliquien des Heiligen beherbergt haben. 

Diese Ruine ist auch Teil meines neuesten Buches „Irische Ruinen“. Ab sofort bei Amazon erhältlich:

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Auf YouTube gibt es schönes Video zur Anlage:

Reisegeschichten aus Irland

Ein Gastbeitrag von Stefanie Bleier (mehr dazu im Autorenprofil)

In diesem Gastbeitrag erzählt uns Stefanie von ihrer Reise 2011 durch diverse Grafschaften Irlands.

Inhalt:

Glendalough

Wir fahren mit dem Mietauto von Dublin in die ca. 40 km entfernten Wicklow Mountains. Nicht wie vor hunderten von Jahren die Wikinger, die mit ihren Schiffen kamen. Wir werden als Besucher freundlich begrüßt und nicht gefürchtet wie einst die rauen Nordmänner. Wir kommen, um der Geschichte des Ortes zu lauschen, die Schönheit der Natur zu bestaunen und die Ruhe zu genießen. Wir kommen nicht um zu plündern und Unheil zu verbreiten.

Glendalough, das „Tal der zwei Seen“, ist bekannt für seine Klostersiedlung am unteren Ende der beiden Seen. Ein Besucherzentrum heißt die zahlreichen Touristen willkommen und bietet Informationen zur Geschichte der Klosteranlage. Als wir die vielen Autos erblicken, befürchten wir, dass diese Sehenswürdigkeit total überlaufen ist. Nichtsdestotrotz parken wir das Auto und gehen zu Fuß entlang eines Baches weiter.

Die Geschichte des Ortes reicht bis ins 6. Jahrhundert zurück. Der Heilige Kevin kam hierher, um zurückgezogen zu leben. Es sammelten sich jedoch rasch viele Menschen um ihn und die Siedlung wuchs. Der Legende nach soll Kevin im Jahr 618 im stolzen Alter von 120 Jahren verstorben sein. Ich versuche mir vorzustellen, wie die Menschen damals lebten. Es muss ein hartes, entbehrungsreiches Leben gewesen sein. Doch sind wir heute mit unserem Reichtum sehr viel glücklicher als es die Menschen damals waren?

Nach einem kurzen Fußmarsch erreichen wir die Klosteranlage. Genauer gesagt das, was davon noch übrig ist. Der 33 Meter hohe Rundturm sticht als Erstes ins Auge. Von außen betrachtet wirkt er noch gut erhalten. Der Innenbereich ist für uns nicht zugänglich. Er wurde 1066 erbaut, um die religiösen Schätze der Mönche vor den Wikingern zu schützen. Dutzende Grabsteine, viele mit keltischen Kreuzen verziert, flankieren den Weg. Die Inschriften sindkaum mehr zu entziffern. Sowohl die Wikinger, als auch englische Truppen überfielen die Klosteranlage mehrmals. Ich frage mich, wie viele Menschen bei den Überfällen ihr Leben lassen mussten. Obwohl die Anlage 1398 großteils zerstört wurde, ließen sich die Mönche nicht gänzlich vertreiben. Das Kloster blieb bis ins Jahr 1539 bestehen, als der englische König Heinrich VIII die Auflösung aller irischen Klöster befahl.

Glendadlough, Co. Wicklow – Foto: Stefanie Bleier

Wir verlassen die Klosteranlage und spazieren in Richtung der zwei Seen. Wir folgen einem schmalen Fußweg. Die Wanderwege sind gut beschildert. Je weiter wir uns vom Parkplatz entfernen, desto weniger Touristen begegnen uns. Wir kommen an einem kleinen Wasserfall vorbei. Ich halte inne und atme die frische Luft tief ein. Die Magie des Ortes umfängt michund ich würde gerne noch länger hier verweilen. Doch die Reise geht weiter…


Der Titanic auf der Spur

Meine Irland-Rundreise 2011 führt mich nach Cobh, einer Stadt im Süden der Insel. Cobh, zu Deutsch „Die Höhle“, ist mit einer Brücke mit dem Festland verbunden. Ich spaziere mit meiner kleinen, aber feinen Reisegruppe die steile Straße zum Hafen hinunter. Ein Großteil des Ortes befindet sich in einer Hanglange. Ins Auge stechen die vielen bunt gestrichenen Häuser.

Wir schlendern an einem der weltweit größten Naturhäfen entlang. Die Kulisse ist wirklich beeindruckend. Mein Blick streift über die kleinen, bunten Fischerboote, die von ihrer morgendlichen Ausfahrt wieder sicher zurück in den Hafen kamen. Die Sonne strahlt vom Himmel, es ist angenehm warm. Wir verweilen auf einer der Parkbänke und beobachten einen Schwarm Möwen. Die grüne Insel zeigt sich von ihrer schönsten Seite. Viele Kreuzfahrtschiffe machen hier Halt. Heute ist die Stadt fest in der Hand von Touristen, doch das war nicht immer so.

Cobh, Co. Cork – Foto: Stefanie Bleier


Gegen Ende des 18. Jahrhunderts entwickelte sich Cobh zum Auswandererhafen. Man geht davon aus, dass bis 1950 an die 2,5 Millionen Menschen ihre Heimat von hier aus verließen. Weltweite Bekanntheit erreichte der Ort allerdings aus einem tragischen Anlass. Der Hafen von Cobh war der letzte, den die Titanic vor ihrem Untergang anlief. Nach unserer Rast auf der Parkbank spazieren wir weiter. Wir folgen dem Titanic Trail durch die Stadt und erfahren mehr über das bekannteste Schiffsunglück der Welt.

Dann geht es steil bergauf. Über dem Ort wacht die St. Colman Kathedrale. Kühle Luft umfängt uns, als wir die neugotische Kirche betreten. Besonders stolz ist man hier auf das einzige Glockenspiel Irlands mit insgesamt 49 Glocken. Da die Restaurants hier eher teuer sind, gibt es zum Abendessen ganz traditionell Fish & Chips.

Am nächsten Morgen regnet es wenig überraschend und wir beschließen weiterzuziehen. Insgeheim bin ich froh, diesen Ort wieder verlassen zu können. Bei all der malerischen Kulisse drehen sich meine Gedanken doch ständig um die Schicksale der verzweifelten Auswanderer und der ertrunkenen Passagiere der Titanic.

Ich bin gespannt, was es noch zu entdecken gibt. Nächstes Highlight der Reise: Garinish Island!


Garnish Island

Die Reise begann in Dublin und führte uns über Glendalough und Kilkenny, wo wir das malerische Kilkenny Castle besichtigten, nach Cobh. Anschließend ging es weiter zur Beara Halbinsel im Südwesten von Irland. Wir fuhren den bekannten Ring of Beara entlang. Die enge und kurvenreiche Straße ist für Reisebusse und Wohnmobile gesperrt. Es sind daher nur wenige Touristen mit ihren Mietautos unterwegs.

Wir nächtigten im Ort Glengarriff. Hier ist man stolz darauf, die mildesten Wintertemperaturen in ganz Irland zu haben. Das angenehme Klima macht sich natürlich in der Vegetation bemerkbar. Unter dem wärmenden Einfluss des Golfstroms blüht und gedeiht alles hervorragend. Die Niederschlagsmenge ist recht hoch, bei unserem Besuch blieb es erfreulicherweise trocken. Die malerische Landschaft war ein Traum! Die Halbinsel ist zu Recht nach der altirischen Fruchtbarkeitsgöttin Beara benannt. Die zahlreichen Menhire, Steinkreise und Hügelgräber wirken selbst bei Sonnenschein mystisch und geheimnisvoll auf die Besucher.

Eigentlich wollten wir am nächsten Morgen nach Killarney, wo ein Nationalpark bereits darauf wartete von uns bewandert zu werden, weiterfahren. Der Besitzer des Bed and Breakfast gab uns jedoch den Tipp, vor der Weiterfahrt noch einen Abstecher auf die Insel Garinish zu machen. Wir änderten unsere Pläne und wurden nicht enttäuscht!

Die 15 ha große Insel erreicht man mit einer Fähre. Allein die Überfahrt war schon den ungeplanten Ausflug wert. Die Fahrt ging an Robbenbänken vorbei und wir konnten die beeindruckenden Tiere aus der Nähe beobachten. Zuerst war ich mir nicht sicher, ob die Robben überhaupt echt warten. Denn sie lagen gemütlich auf ihren Felsen und bewegten sich nicht. Erst, als unsere Fähre an ihnen vorbeifuhr, glitt eines der schwerfälligen Tiere mit einem mächtigen Platscher ins Wasser. Es fehlte nicht viel und wir wären nassgespritzt worden.

Einst war die Insel Garinish nur ein karger Felsen. Der Boden wurde mit Humus fruchtbar gemacht. Nach und nach entstand ein Paradies aus Blumen, Bäumen und Sträuchern, welches man in wärmeren Gefilden erwarten würden, aber sicher nicht im sonst eher kalten und verregneten Irland. Die Pläne für die Bepflanzung der Insel stammt vom Architekten und Landschaftsgärtner Harald Peto. Seit den 50er Jahren ist die Insel im Besitz des Staates Irland.

Garnish Island (oder auch Garinish Island), Co. Cork – Foto: Stefanie Bleier

Wir spazierten gemächlich durch die verschiedenen Themengärten. Neben dem italienischen Garten und dem griechischen Tempel hat mir der ummauerte Garten am besten gefallen. Er wirkte auf mich wie ein verwunschener Garten aus einem Märchen. Bei all der Blumenpracht hielt ich allerdings vergeblich Ausschau nach einem Märchenprinzen auf seinem weißen Pferd!


Céad Míle Fáilte

Céad Míle Fáilte – so lautet die irische Begrüßungsformel für die zahlreichen Touristen, die Jahr für Jahr die grüne Insel bereisen. Die Iren sind ein sehr freundliches Volk. Von den allgegenwärtigen Religionsstreitigkeiten bekamen wir auf unserer Reise zum Glück nichts mit. Wir fühlten uns immer herzlich willkommen.

Wir waren nun ungefähr eine Woche in Irland unterwegs. Halbzeit. Und genau ab diesem Zeitpunkt brachte ich das traditionelle irische Frühstück, bestehend aus Eiern, Speck, Würstchen und Sodabrot mit Honig einfach nicht mehr hinunter. Ich wechselte auf mein traditionelles Frühstück, bestehend aus Brot, Butter und Marmelade zurück. Trotzdem gut gesättigt ging die Fahrt mit unserem Mietauto an diesem Morgen weiter. Der Killarney Nationalpark in der Grafschaft Kerry war das nächste Highlight unserer Reise.

Der über 100 km² große Nationalpark befindet sich im Südwesten Irlands auf der Halbinsel Iveragh. Zur Anlage gehören drei Seen: der Lough Leane, der Muckross Lake und der Upper Lake. Die Besucher können den Nationalpark zu Fuß erkunden oder eine Rundfahrt mit einer Pferdekutsche machen. Es gibt auch Fahrräder zum Ausleihen. Nachdem das Wetter leider nicht so ganz mitgespielt hatte, es war stark bewölkt und sah nach Regen aus, gingen wir zu Fuß los. Die Regenjacken hatten wir wie immer gut im Rucksack verstaut. Die Landschaft ist hier ganz anders als an der kargen Küste. Die Besucher erwartet einer der ältesten noch verbliebenen Eichenwälder Irlands. Neben Moosen, Flechten und Farnen wachsen auch bunt blühende Rhododendron-Sträucher. Letztere verbreiten sich so stark, dass sie Teile des Parks zu überwuchern drohen.

Wir spazierten bis zur Bricin Bridge, dann kehrten wir um. Den Muckross Lake zu Fuß zu umwandern war uns zu weit. Nachdem das Wetter nun besser wurde und die Sonne zwischen den Wolken hervorblinzelte, bedauerten wir es, uns nicht doch Fahrräder ausgeborgt zu haben.

Bricin Bridge, Killarney Nationalpark, Co. Kerry – Foto: Stefanie Bleier

Zurück beim Parkplatz bewunderten wir noch das Muckross House. Das 1843 im Tudor-Stil erbaute Herrenhaus mit seinem malerischen Blumen- und Steingarten verzauberte mich. Nach einem durchschnittlichen, eher kantinenmäßigen Mittagessen machten wir es uns noch ein Stündchen im Park gemütlich und genossen die warmen Sonnenstrahlen auf unserer Haut.

Um die Stadt Killarney machten wir anschließend einen großen Bogen, da sie in unserem Reiseführer als teure Touristenfalle bezeichnet wurde. Wir fuhren stattdessen weiter in Richtung der berühmten Cliffs of Moher.

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Aran Islands

Nachdem wir die Cliffs of Moher besichtigt hatten, nächtigten wir im beschaulichen Ort Doolin. Wir wollten für den nächsten Tag eine Überfahrt mit der Fähre zur größten der drei Aran-Inseln buchen. Leider waren wir zu spät dran, die Fähre bereits ausgebucht und wir mussten mit der kleinsten Insel, Inis Oírr, vorlieb nehmen. Trotz der kleinen Enttäuschung verbrachten wir einen netten Abend. Wir wollten ganz traditionell irisch speisen. Meine Reisebegleiter bestellten Fisch und Meeresfrüchte. Ich persönlich mache um Hummer, Krebse, Muscheln und Austern lieber einen großen Bogen. Stattdessen ließ ich mir ein Irish Stew, einen Eintopf aus Lammfleisch, schmecken. Wir ließen den Abend in einem Pub mit Live Musik gemütlich ausklingen.

Am nächsten Morgen schlenderten wir zu Fuß zum Hafen. Wir waren früh dran und somit die ersten, die sich einen guten Platz auf der Fähre aussuchen durften. Bei der Überfahrt begleitete uns ein Delfin ein Stück. Ich war begeistert, hatte ich doch noch nie einen Delfin außerhalb eines Zoos beobachten dürfen. Wir hatten Glück mit dem Wetter, die Sonne strahlte vom Himmel und es war angenehm warm.

Als wir die kleine Insel betraten, konnte ich es kaum fassen, dass sich hier, an diesem abgelegenen Ort, Menschen angesiedelt hatten. Auf der kargen Kalksteininsel gibt es keine Bäume. Nur Sträucher, Gras, Farne, ein paar Blumen und sehr viele Steinmauern. Diese wurden errichtet um zu verhindern, dass der von Menschenhand angelegte, fruchtbare Boden wieder fortgeweht oder fortgeschwemmt wurde.

Die Inselgruppe der Aran-Inseln (Oileáin Árann) umfasst eine Landfläche von 51 km² und hat an die 1.250 Einwohner. Im 18. Jahrhundert wurden die Inseln noch von 5.000 Menschen besiedelt. Vor allem die Jungen zieht es mangels Arbeitsplätze fort. Lebten die Bewohner früher vom Fischfang, ist heute der Tourismus die Haupteinnahmequelle.

Wir entdecken eine kleine Kirchenruine und machten ein paar Fotos. Die Kirche ist dem Heiligen Kevin geweiht, von dem wir schon bei unserem Besuch in Glendalough gehört hatten. Wir marschierten weiter und trauten unseren Augen nicht. Mitten auf dem Strand stand ein rostiges, altes Schiffswrack. Wie wir später erfuhren, handelt es sich um das Wrack des Frachters Plassy. Alle Besatzungsmitglieder konnten bei dem Schiffsunglück im Jahre 1960 gerettet werden. Gerne hätten wir noch den Leuchtturm besichtigt, doch der ist für die Touristen leider nicht zugänglich.

O’Brien’s Castle, Aran Islands, Co. Galway – Foto: Stefanie Bleier

Gegen Ende der Runde kamen wir noch an den Resten eines Ringforts und dem O’Brien’s Castle aus dem 14. Jahrhundert vorbei. Wir machten es uns auf dem Hügel gemütlich und genossen unsere Jause. Mein Blick schweifte auf den Hafen und den kleinen Flugplatz hinunter. Noch hatten wir Zeit, bis unsere Fähre wieder zurückfuhr. Verpassen wollte ich sie auf keinen Fall, denn dieser Teil Irlands war mir dann doch etwas zu abgelegen um länger hier zu verweilen.


Wie im Märchen

Nach dem Besuch der Aran Islands ging es weiter Richtung Connemara. Eine karge Moorlandschaft, felsige Klippen und Heidekraut empfingen uns dort. Die dünn besiedelte Gegend ist Heimat der bekannten Connemara-Ponys. Diese Pferderasse gilt als besonders genügsam und zuverlässig. Bei einer kleinen Wanderung trafen wir auf eine Herde. Eines der schönen Tiere ließ sich von mir streicheln.

Danach besichtigten wir das zurecht am meisten fotografierte Gebäude in Irland: die Kylemore Abbey. Auch wir zückten natürlich unseren Fotoapparat um das traumhaft schöne Gebäude, erbaut aus Kalkstein und Granit, festzuhalten. Das Schloss sieht aus wie aus einem meiner geliebten Fantasyfilme entsprungen und liegt an einem malerischen, mit Schilf bewachsenen See. Beim Betreten des Schlosses kam ich mir vor wie in einem Märchen. Leider ist die Geschichte des Gebäudes wenig märchenhaft und sehr traurig. Es wurde von dem Unternehmer Mitchell Henry in Auftrag gegeben und im Jahr 1871 fertiggestellt. Mitchells Ehefrau Margaret erkrankte nur drei Jahre später während eines Urlaubs in Ägypten an der Ruhr und verstarb. Sie wurde in einem Mausoleum in Kylemore beigesetzt und eine gotische Kirche zum Andenken an sie errichtet. Ohne seine Frau wurde Mitchell in dem prächtigen Anwesen nicht glücklich und es wechselte mehrmals seinen Besitzer. Seit 1920 beherbergt das Gebäude den Orden der Benediktinerinnen. Die Haupteingangshalle und drei angrenzende Räume dürfen von den zahlreichen Touristen besichtigt werden.

Kylemore Abbey, Connemara, Co. Galway – Foto: Stefanie Bleier

Genauso bezaubernd wie das Schloss selbst empfand ich den dazugehörigen viktorianischen Mauergarten. Wir verzichteten auf den Shuttlebus und gingen zu Fuß. Der „Walled Garden“ hat eine Größe von 3,4 Hektar und ist in mehrere Themengärten unterteilt. Er wurde zeitgleich mit dem Schloss angelegt. Neben wunderschönen Blumen, Sträuchern und Zierbäumchen, die es zu betrachten gibt, wurde der Garten auch als Obst- und Küchengarten verwendet. Von den ursprünglich 21 Gewächshäusern wurden bislang nur zwei wieder aufgebaut. Ebenfalls zu besichtigen gibt es die Gärtnerhäuser. Die Besucher erhalten einen interessanten Einblick in die Lebensumstände von früher. Wir zögerten kurz bevor wir eintraten. Alles wirkte so lebendig und bewohnt. Im Kamin brannte sogar ein Feuer und verlieh der Wohnstube eine gemütliche Atmosphäre.

Von Connemara aus fuhren wir noch ein Stück die Westküste entlang bis nach Achill Island, wo es leider stark regnete. Dann ging es zurück an die Ostküste. Es hieß langsam Abschied nehmen von der Grünen Insel. Am letzten Tag unternahmen wir noch eine herrliche Klippenwanderung in der Nähe von Dublin. Die zwei Wochen waren wie im Flug vergangen. Dank der Reisegeschichten Challenge habe ich die Rundreise in Gedanken noch einmal erleben dürfen. Eines Tages möchte ich diesen herrlichen Fleck Erde meinen Kindern zeigen.


Autorenprofil:

Stefanie Bleier ist 1982 geboren. Nach dem Studium der Kommunikationswissenschaft und Pädagogik hat es sie der Liebe wegen wieder zurück in die Heimat gezogen. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren drei wundervollen Kindern im schönen Salzkammergut. Mit ihrer Familie ist sie viel in der Natur unterwegs.

Mehr Geschichten von Stefanie findet Ihr auch bei strory.one: https://www.story.one/u/stefanie

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Inisheer

Mitte September hatten wir Besuch aus Deutschland. Daher hatten wir als eines der Ausflugsziele Inis Oirr (engl.: Inisheer), die erste und kleinste der drei Aran-Inseln, vor der Westküste Irlands im County Galway, geplant. Als wir am 20.09. am frühen Vormittag zu Hause in Ennis in Richtung Doolin losfuhren, fing es gerade wieder leicht an zu regnen und graue Wolken hingen am Himmel. Verärgert über das Wetter überlegte ich schon, die Kamera diesmal zu Hause zu lassen. Was soll man an so einem grauen düsteren Tag schon fotografieren können. Aber egal dachte ich, der Fotorucksack nimmt ohnehin nicht zu viel Platz weg. Also packte ich ihn trotzdem in den Kofferraum.

Wir erreichten Doolin ca. 10:40 Uhr, die Abfahrt des Bootes nach Inisheer war für 11 Uhr geplant. Mittlerweile hatte es auch aufgehört zu nieseln und die Wolken zeigten erste kleine Löcher, durch die man den blauen Himmel erkennen konnte. Das ermutigte mich doch, den Fotorucksack auf die Insel mitzunehmen.

Als das Boot gegen ca. 11:30 Uhr am Hafen von Inisheer anlegte, waren die Wolken verschwunden und wir betraten das Festland unter fast wolkenfreiem blauen Himmel. Spätestens jetzt hätte ich mir in den Allerwertesten gebissen, wenn ich meinen Rucksack im Auto gelassen hätte.

Der Hafen von Insheer, Aran Islands

Am Hafen warteten schon die Pferdekutschen auf die Touristen und wir buchten eine davon, um uns ein wenig von der Insel anzusehen. Als ich ca. 2015 oder 2016 das letzte Mal auf der Insel war, hatte ich nur ein paar Bilder mit dem Mobiltelefon gemacht, so war ich froh, nun erneut Gelegenheit für einige bessere Bilder zu haben. Die Fahrt ging etwa 3 km entlang der Küste über holperige Straßen zwischen den typisch irischen Steinmauern hindurch in Richtung Osten.

Allerdings war es trotz elektronischer Bildstabilisierung nicht immer leicht, Fotos aus der fahrenden Kutsche zu machen, daher wanderten einige davon später in den Papierkorb auf meinem PC.

Unser erster Halt war das bekannte Wrack der Plassey. Das Schiff war, mit Whiskey und anderen Gütern beladen, im März 1960 aufgrund eines heftigen Sturmes auf den Felsen der Insel aufgelaufen. Die Crewmitglieder wurden jedoch alle durch den tapferen Einsatz der Inselbewohner gerettet. Einige Wochen später wurde das Wrack dann durch einen Hurrikan weiter an Land gehoben, wo es seitdem liegt. Irlandfans ist das Wrack sicher auch durch die TV-Komödie „Father Ted“ bekannt.

Etwas weiter südlich hatte die Kutsche zum zweiten Mal eine kurze Pause eingelegt, damit ich ein paar Bilder vom Leuchtturm der Insel machen konnte, der ca. 2 Kilometer südwestlich des Wracks liegt. Leider kamen wir auf unserer kleinen Tour nicht näher an diesen heran. Um Bilder aus der Nähe zu machen, müsste man sich ein Fahrrad auf der Insel mieten.

Nach der Kutschfahrt, gönnten wir uns im Außenbereich eines Pubs in der Nähe des Hafens noch ein erfrischendes Getränk und warteten auf das nächste Boot in Richtung Festland.

Für die Rückfahrt hatten wir die Tour gebucht, die auch einen Abstecher an die Cliffs of Moher macht. Da die Wolken in Doolin mittlerweile auch verschwunden waren, hatte ich Gelegenheit, die Küste auch von der Meerseite aus bei sonnigem Wetter zu fotografieren. Auch die Felsen vor Doolin sind, vor allem vom Boot aus, ein schönes Motiv.

Ich war froh, dass ich den Fotorucksack doch mitgenommen hatte.

Clifden Castle

2015 war ich das erste Mal in Clifden und auch bei dieser schönen Ruine. Da ich damals lediglich Schnappschüsse mit dem Handy gemacht hatte, wollte ich unbedingt bei Gelegenheit noch einmal dort hin. Gestern war die Gelegenheit günstig, denn ich hatte Urlaub und das bedeckte, windige Wetter animierte mich nicht sonderlich dazu, ans Meer zu fahren. Also musste ein Ziel her, das nicht direkt am Meer liegt. Da fiel mir wieder Clifden Castle ein. Das sollte ideal dafür sein. So machte ich mich nach dem Mittagessen auf den Weg.

Clifden im County Galway ist die inoffizielle Hauptstadt von Connemara und hat ca. 1600 Einwohner. Dort steht ungefähr 3 Kilometer westlich das Clifden Castle. Clifden Castle war eigentlich ein Schloss oder Herrenhaus, keine Burg. Dieses wurde ca. 1818 von John D’Arcy erbaut, der es als Hauptwohnsitz nutzte, bis er 1839 im Alter von 54 Jahren verstarb und sein Sohn das Anwesen erbte.

Im Jahr 1850 kauften die Brüder Thomas und Charles Eyre aus dem englischen Bath (County Somerset) das Schloss, nachdem das Anwesen von D’Arcy in Konkurs ging. Daher findet man auch über dem Eingang heute noch das Wappen der Familie Eyre.

Unterwegs wurde das Wetter deutlich besser und als ich nach 2 Stunden Clifden erreichte, war der Himmel blau und fast wolkenlos. Es war ein schöner Anblick, im Stadtzentrum von Clifden die Menschen wieder in den Außenbereichen der Cafes und Restaurants in der Sonne sitzen zu sehen, nachdem die letzten Monate von Masken, Abstand und Isolation geprägt waren. Zum Glück lag mein Ziel außerhalb der Stadt, denn es war kaum ein leerer Parkplatz zu sehen.

Am Ziel angekommen parkte ich mein Auto am Eingang des Anwesens und machte mich auf den Fußmarsch zum Schloss. Dieses erreicht man nach ca. 10-15 Minuten über einen Schotterweg.

Das Schloss ist von der Rückseite aus zugänglich. Den Spuren im hinteren Teil des Grundstückes nach zu urteilen, wird es wohl auch als Kuhstall genutzt. Daher hatte ich die Gelegenheit, Bilder von den Innenräumen zu machen, bzw. was davon übrig ist.

Nach ca. 45 Minuten machte ich mich auf den Weg zurück zum Auto. Vom Parkplatz aus fuhr ich dann auf der Sykroad ca. 800 Meter weiter in Richtung Westen. Dort kommt man an eine Grundstücksmauer mit einer kleinen Parkbucht. Da das Schloss in einem Tal liegt, hat man von dort oben einen guten Blick auf das Schloss und den Schotterweg.

Diese Ruine ist auch Teil meines neuesten Buches „Irische Ruinen“. Ab sofort bei Amazon erhältlich:

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Mehr Bilder und Videos hier:

Nollaig Shona Dhuit

Gastbeitrag von shamrock.blog – Mehr dazu im Autorenprofil.

Der Weihnachtsmarkt in Belfast – Photo: Shamrock.blog

Feiern die Iren Weihnachten genauso wie wir im kontinentaleuropäischen Raum? Gibt es Weihnachtsmärkte samt Glühwein und gebrannten Mandeln? Wie schmückt man in Irland das heimische Wohnzimmer und was isst man hier an Weihnachten? Auf die Vorweihnachtszeit in Irland waren wir ganz besonders gespannt. Im Zuge dessen haben wir uns auf die Suche nach irischen Weihnachtsmärkten begeben, insgesamt drei verschiedene quer über Irland (und Nordirland) verteilt getestet und uns über die irischen Weihnachtstraditionen schlau gemacht.

Weihnachtsmärkte auf Irisch

Es stellte sich heraus, dass Weihnachtsmärkte noch eine recht neue Erscheinung auf der grünen Insel sind. Erst in den letzten 10 Jahren ist die deutsche Tradition zunächst nach England und dann auch nach Irland übergeschwappt. Nur verhältnismäßig wenige Städte haben wirkliche Weihnachtsmärkte zu bieten, darunter natürlich Dublin, Cork, Galway und Belfast. Auch in kleineren Orten gibt es hier und da mal einen Weihnachtsmarkt, jedoch ähneln diese eher Flohmärkten bzw. „Craft Fairs“ oder sind lediglich für Kinder aufgebaute Weihnachtswelten, in denen man „Santa Clause“ treffen kann.

Der erste Weihnachtsmarkt, den wir ausprobierten, war der in Galway. Hier waren wir Anfang Dezember 2018 mit Freunden aus Deutschland unterwegs. Dick eingepackt und mit einem Hot Cider in der Hand ließ sich das kalte, regnerische Wetter schon deutlich besser ertragen. Der sogenannte Galway Continental Christmas Market würde dieses Jahr zum 11. Mal stattfinden, wäre nicht etwas dazwischen gekommen… Ungefähr 50 Stände um den Eyre Square herum verteilt sowie ein Riesenrad, ein Kinderkarussell und der „German Bier Keller“ gehören für gewöhnlich zu seinem Repertoire. Für deutsche Verhältnisse ein eher kleiner Weihnachtsmarkt für eine der größten Städte Irlands. Gott sei Dank besteht Galway ja nicht nur aus dem Eyre Square und so konnten wir unsere Gäste auch noch die beleuchteten Gassen des Latin Quarters entlang führen und sie zu einem unserer Lieblingspubs – die O’Connells Bar – führen, der ebenfalls weihnachtlich geschmückt war.

Weihnachten in Galway – Photo: Shamrock.blog

Diese Jahr wird eine abgespeckte, „Covid-freundliche“ Version des Weihnachtsmarkts samt Hand-Desinfektionsmittel und Maskenpflicht bis zum 20. Dezember stattfinden.

Eine Woche später ging es für uns das erste Mal in die Hauptstadt Nordirlands, wo wir natürlich als erstes nach Ankunft am Abend den Belfast Christmas Market auscheckten. Vor der beeindruckenden Kulisse der Belfast City Hall, dem prunkvollen Rathaus der Stadt, prangte der nordirische Weihnachtsmarkt. Hier war die Auswahl an weihnachtlichen Getränken und Speisen schon viel größer, wenn auch nicht günstiger. Neben schön geschmückten Hütten mit irischem Kunsthandwerk, köstlichen belgischen Waffeln und original deutschem Glühwein gab es auch hier ein paar kleinere Karussells für Kinder. Auch lokale Spezialitäten, wie Hummer-Burger und anderes Sea Food wurde angeboten.

Seit kurzem ist bekannt, dass der Weihnachtsmarkt in Belfast nach 15 Jahren dieses Jahr leider zum ersten Mal ausfallen muss. Sicher werden die herrlich geschmückte City Hall sowie der nahegelegene Victoria Square trotzdem weihnachtliches Großstadt-Flair versprühen, das seinesgleichen sucht.

Kurz vor unserem Weihnachtsurlaub in Deutschland ging es für uns noch auf einen kleinen Weihnachtsmarkt im preisgekrönten „Mckenna’s Guide Irish Pub of the Year 2018“. In den umgebauten Scheunen des Pot Duggans in Ennistymon fand an zwei Wochenenden im Dezember ein kleiner lokaler Weihnachtsmarkt statt, der jedoch eher einem weihnachtlich angehauchten Flohmarkt aka Craft Fair ähnelte. Statt Glühwein gab es hier Hot Cider von einem lokalen Gut in Cork. Besonders der Ausblick vom Biergarten auf den Fluss Inagh und die bunt beleuchtete Brücke hatte es uns angetan. Leider muss auch dieses Jahr auf diesen schnuckeligen Weihnachtsmarkt verzichtet werden.

Pot Duggans in Ennistymon – Photo: Shamrock.blog

Dafür soll in diesem verrückten Jahr neben dem Galwayer Weihnachtsmarkt auch eine umgedachte Variante von „Glow Cork“ stattfinden – mitsamt künstlerischem, festlichem Pfad durch das Corker Stadtzentrum und Outdoor-Lichtinstallation. Heutzutage muss man eben kreativ werden, um sicher mit seinen Liebsten feiern zu können!

Auch in Waterford steht für das alljährliche, große Winterval das Licht auf Grün – nicht mal auf ein Foto mit Santa muss dieses Jahr verzichtet werden. Man kann sich also auch hier auf ein sicheres und sozial distanziertes Weihnachtserlebnis vom 4. bis 23. Dezember freuen!

Wenn schon die großen Dubliner Weihnachtsmärkte ausfallen, so kann man dieses Jahr wenigstens auf den „Wicklow Christmas Market – Reimagined“ gehen. Um über Einschränkungen wie limitierten Besucherzahlen und Weihnachtsständen sowie einer etwas anderen Santa Express-Erfahrung hinwegzutrösten, soll eine extra Portion Magie und Glitzer sowie großartig klingende Angebote (z.B. eine Alpacca Experience und eine Feuershow) für unvergessliche Weihnachten sorgen.

Die irischen Weihnachtsmärkte versuchten selbst in diesem Jahr ihr Bestes, um an die kontinental-europäischen Vorbilder heranzukommen, jedoch ist bis dahin noch ein weiter Weg zu gehen. Weder das Essen und Trinken, das angeboten wird, hat viel mit hiesigen Weihnachtsmärkten zu tun, noch ist die Stimmung so heimelig und weihnachtlich. Wer einmal auf einem guten deutschen Weihnachtsmarkt war, weiß was wir meinen. Andersherum ist es ja auch genauso mit Irish Pubs in Deutschland – sie geben sich alle Mühe, an ihre großen Brüder in Irland heranzukommen, schaffen es aber einfach nicht. Das ist aber noch lange kein Grund, warum es in Deutschland keine Irish Pubs und in Irland keine Weihnachtsmärkte geben sollte! Trotzdem ist es eine schöne Sache, dass immer mehr Weihnachtsmärkte in Irland aus dem Boden sprießen und die Vorfreude auf Weihnachten versüßen.

Obwohl wir sonst nicht der Meinung sind, dass die größten Weihnachtsmärkte die besten sind (im Gegenteil), hat uns von den drei Weihnachtsmärkten derjenige in Belfast definitiv am besten gefallen. Er hat es am ehesten geschafft uns in Weihnachtsstimmung zu versetzen und der deutsche Glühwein dort hat sehr gut geschmeckt. Die horrenden Preise sind jedoch genau wie auf deutschen Weihnachtsmärkten gegeben, wenn nicht sogar noch schlimmer!

Weihnachten in Irland

Nur weil wir 2020 auf die meisten Weihnachtsmärkte und andere Veranstaltungen in der Vorweihnachtszeit verzichten müssen, heißt das nicht, dass wir Weihnachten ganz vergessen müssen.

Irland kann nämlich mit einigen unüblichen Weihnachtstraditionen aufwarten, die auch dieses Jahr nicht ausfallen müssen. Die wohl verrückteste und wichtigste davon ist das alljährliche Weihnachtsschwimmen – auf der gesamten Insel springen die Menschen seit mehr als 40 Jahren am Christmas Day, dem 25. Dezember, für den guten Zweck ins eiskalte Wasser. Logischerweise wird dieser „Christmas Swim“ eher in den Küstenregionen der grünen Insel zelebriert.

Der nächste irische Weihnachtsbrauch bezieht sich auf das bevorzugte Heißgetränk. Statt Glühwein gibt es in Irland eher heißen Apfelcider oder noch traditioneller; heißen Whiskey mit Zitrone, Gewürznelken und etwas braunem Zucker. Wärmt von drinnen nach draußen!

Auch beim Weihnachtsessen gibt es ein ganz besonderes Gericht, das vor allem in der Corker Region zu Weihnachten auf den Tisch kommt: Spiced beef, auf Deutsch gewürztes Rindfleisch, das mit Zucker, Gewürzen und Beeren gekocht wird. Dieses Rezept stammt aus der Zeit, als man so das Fleisch haltbar machte. Die Tradition hat sich gehalten und beansprucht ihren Platz auf den Weihnachtstafeln in ganz Irland.

Zum Nachtisch gibt es klassischerweise einen Christmas Pudding, eine Art Kuchen bestehend aus vielen verschiedenen Weihnachtsgewürzen, Rosinen und anderen getrockneten Beeren und vollgesaugt mit irischem Whiskey. Am besten wird er schon ein paar Wochen vor Weihnachten zubereitet, damit sich die Aromen entfalten können. Vor dem Servieren wird er noch einmal zwei Stunden lang gedünstet und anschließend auf dem Tisch noch einmal mit Whiskey übergossen. Das jüngste Familienmitglied hat dann die Ehre, den Pudding mit einem Streichholz anzuzünden bzw. zu flambieren. Sobald die Flamme aus ist, wird er er mit frisch geschlagener Sahne serviert. Wir haben es ausprobiert – schmeckt vollmundig nach Weihnachtsgewürzen und sorgt für Staunen beim Anzünden der blau züngelnden Flamme!

Und wusstet ihr, dass der Weihnachtsbaum in Irland noch eine relativ neue Dekoration ist? Üblicherweise wurden die Häuser sonst eher mit Ilex, auch Stechpalme genannt, sowie mit Efeu geschmückt. Kein Wunder, diese Pflanzen wachsen in Irland das ganze Jahr über, wogegen Bäume in vielen Teilen der Insel (vor allem in Küstenregionen) eine Rarität sind. Heutzutage ist es üblich, dass sich jeder einen Ilex-Kranz an die Haustür hängt. Die Tradition besagt, je mehr rote Beeren am Kranz sind, desto mehr Glück hat man im kommenden Jahr. Auch wir haben die Stechpalme, auf Englisch „holly“ und auf Irisch „cullenagh“ genannt, in unsere Adventsdekoration mit einfließen lassen.

Der letzte irische Weihnachtsbrauch findet erst im neuen Jahr, genauer gesagt am 6. Januar statt. Dieser Tag wird in Irland „Little Christmas“ oder auch „Women’s Christmas“ genannt. An diesem Tag sollen die Frauen alle Hausarbeit vermeiden, ausgehen, sich amüsieren und ihr Weihnachtsgeld ausgeben, während die Männer daheim bleiben und das Haus abschmücken. Es soll Unglück bringen, wenn man es nicht macht!

Na wenn das nicht genügend Traditionen sind, um auch in einem so seltsamen Jahr wie diesem in Weihnachtsstimmung zu kommen. Wir wünschen euch allen jedenfalls Nollaig Shona Dhuit, Blythe Yuletide und frohe Weihnachten!

Verena & Falk

von www.shamrock.blog

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Photo: Shamrock.blog

@Shamrock.blog – das sind zwei Irland-Verrückte aus dem Osten Deutschlands, die ihren großen Traum vom Leben in Irland für 15 Monate verwirklicht haben. Dabei reisten sie ausgehend von ihrem küstennahen Zuhause im County Clare quer durch das gesamte Land und erkundeten beinahe jeden Winkel der grünen Insel. Mittlerweile leben Sie wieder in Berlin, von wo aus sie ihre treue und stetig wachsende Follower-Gemeinde weiterhin mit Insider-Tipps rund um das Auswandern, Leben und Reisen in Irland und jeder Menge Stoff für Irlandweh versorgen. Sie können es kaum erwarten, endlich wieder in das Land ihrer Träume reisen zu können.

Ihr findet die beiden auch auf Instagram unter @shamrock.blog

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