Gandalf

Schon letzten Mittwoch kam ich mir vor wie ein Kind kurz vor Weihnachten. Nur noch zweimal schlafen, dachte ich, dann ist der große Tag da. An diesem Freitag, den 28.01.2022 wurde Gandalf zu uns gebracht. Aber alles der Reihe nach.

Inhalt:

Vorgeschichte

Schon seit geraumer Zeit spielten wir mit dem Gedanken, uns wieder einen zweiten Hund zu holen. Cosy, unsere Riesenschnauzer-Dame war im März 2014 gestorben, daher war Bailey somit wieder Einzelhund (siehe auch: Auf den Hund gekommen). Im Dezember hatten wir uns schon auf der Webseite eines Tierheimes in der Nähe informiert, welche Hunde denn aktuell verfügbar wären. In einem Gespräch mit einer Mitarbeiterin kam die Frage, ob wir uns schon mal mit dem Thema „Greyhounds“ auseinandergesetzt hätten. Um ehrlich zu sein, diese Rasse hatte mich nie sonderlich interessiert, daher habe ich mich auch nie näher damit beschäftigt. Ich war immer der Fan von großen, aber flauschigen Fellnasen, wie z. B. Huskys, Riesenschnauzer, Schäferhunde, Irish Wolfhounds oder etwas in der Art. Diese langbeinigen Gesellen der Gattung Windhund oder Greyhound waren mir immer zu dürr. Außerdem dachte ich, diese Rasse braucht sehr viel Auslauf und muss viel rennen.

Die nette Mitarbeiterin des Tierheimes bot uns an, im Januar mal mit Ihren beiden Greyhounds vorbeizukommen, um uns die Tiere vorzustellen. In der Zwischenzeit sollten wir uns mal Gedanken machen, ob so ein Greyhound nicht doch was für uns wäre.

Nun wurden diverse Artikel im Netz zum Thema „Greyhound“ gelesen und Videos angesehen, um uns ein besseres Bild von dieser Rasse zu machen. Zu meiner Überraschung waren Greyhounds eher ruhige Gesellen und echte „Couch Potatoes“, die mit einer kleinen Gassirunde von ca. 30 Minuten zufrieden waren und die meiste Zeit mit Schlafen verbrachten. Ich war doch sehr verblüfft über die Eigenschaften dieser Tiere, die bei Rennen Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 80 km/h erzielen können. Je mehr ich mich mit den Hunden beschäftigt hatte, desto sympathischer wurden sie mir.


Nach ein paar Tagen kam die Mitarbeiterin des Tierheimes dann mit ihren beiden Exemplaren zu Besuch und seit ich diese Hunde live erlebt habe, war ich total begeistert. Schon das ruhige Wesen, welches sie an den Tag legten, als sie aus dem Auto stiegen und ohne Scheu elegant in unser Haus gingen, war beeindruckend. Diese Eigenschaft behielten sie auch während des ganzen Besuches bei. Kein wildes Herumhüpfen oder gar Bellen, obwohl sie Bailey, unseren Husky-Rottweiler-Mix zum ersten Mal sahen. Brav standen oder lagen sie neben dem Esstisch. Nachdem der Besuch beendet war, bekamen wir die Telefonnummer von Petra, der Betreiberin einer Greyhound-Auffangstation (https://www.claregreyhoundsanctuary.com/) in der Nähe und wir sollten uns mal mit ihr in Verbindung setzen, denn sie hat viele Jahre Erfahrung mit Greyhounds und weiß sicher, welcher Hund für uns ideal wäre.

Erstes Treffen

Nachdem wir uns dann telefonisch und später schriftlich bei Petra gemeldet hatten, machten wir einen Termin für den nächsten Sonntag aus und fuhren dann mit Bailey zu Petras Adresse. Als wir aus dem Auto stiegen und in Richtung des großen Eisentores in der Hofeinfahrt gingen, rannten uns ca. 8 Greyhounds entgegen um zu sehen, was da am Tor los war. Ein buntes, schwanzwedelndes Begrüßungskommando, das fiepend und bellend am Tor herumwuselte, um Bailey zu betrachten, die sich dem Tor näherte und auch mal kurz bellte. Kurz danach kam auch Petra und brachte die Meute erstmal wieder zurück in einen Bereich, den man vom Tor aus nicht sehen konnte. Mit einem Hund an der Leine kam sie dann wieder zurück zu uns und vor das Tor. Nachdem sich neben uns Zweibeinern auch die beiden Hunde begrüßt hatten, stellte sie uns den Vierbeiner vor, den sie mitgebracht hatte. Er hieß Mikey, war ca. 7 Jahre und ein blauer (so heißen die grauen Greyhounds) Ex-Rennhund.

Das erste Treffen der beiden Fellnasen

Sein Besitzer war vor ca. 18 Monaten plötzlich verstorben und seitdem war er bei Petra in der Auffangstation. Aufgrund seines Alters konnte er leider lange nicht vermittelt werden, denn die Leute, die einen Greyhound suchen, wünschen sich eher jüngere Hunde, wie uns Petra in dem ca. 45-minütigen Gespräch erzählte.

Zwischenzeitlich war er mal kurz bei einer Familie, die ihn adoptieren wollte, jedoch verstand deren kleine Tochter mit ihren 4 Jahren eben nicht, dass so ein Tier auch mal seine Ruhe braucht und nicht 24 Stunden am Tag gestreichelt werden wollte. So kam es, dass man Mikey wieder zurückgeben musste.

Bailey und Mikey verstanden sich gut bei ihrem ersten Treffen und auch mit uns schien Mikey kein Problem zu haben. So vereinbarten wir erstmal eine Adoption zur Probe für 2 Wochen, denn mittlerweile war ich absolut begeistert von diesen Hunden.

Der große Tag

Wie vorher vereinbart, fuhr am Freitag, dem 28.01. gegen 15 Uhr nachmittags Petras Auto vor unserem Grundstück vor und da ich gerade am Telefon war, brachte meine Frau Mikey an der Leine ins Haus und ging mit ihm direkt durch bis in den Garten, wo er gleich mal mit den „Markierungsarbeiten“ begann. Bei einer Tasse Tee besprachen wir mit Petra das weitere Vorgehen während Mikey die Küche inspizierte. Nach einer Weile ging er immer wieder zu der weichen Bettdecke, die wir ihm unter dem großen Tisch in der Küche zurechtgelegt hatten aber der Platz schien ihm nicht zu gefallen. Daraufhin platzierte meine Frau die Decke neben der Terrassentür und das sagte ihm deutlich mehr zu. Im Nu machte er es sich darauf gemütlich. Dazu fand er noch ein Stück eines alten Kauknochens von Bailey und so lag er nun friedlich auf dem neuen Bett und kaute genüsslich an dem Knochen.

Nach einer guten Stunde verabschiedete sich Petra dann und wir waren gespannt, was nun passieren würde. Da er mit dem Kauknochen beschäftigt war, fiel es ihm gar nicht so auf, dass Petra plötzlich nicht mehr da war. Nach ein paar Minuten lief er mal kurz durchs Haus und jammerte ein wenig, aber nach ein paar beruhigenden Worten war das auch schnell wieder vorbei. Durch unseren liebevollen Umgang mit ihm schien er sich jedenfalls in der neuen Umgebung wohl zu fühlen und begann, diverses Spielzeug mit auf seine Decke zu holen und es da zu horten.

Nur einmal hörten wir ein kurzes Raunen von Bailey als er ihr auch noch das letzte Stück der zerkauten Breze, die wir aus dem Zooladen mitgebracht hatten, klauen wollte. Ansonsten verlief auch der Abend friedlich. Beim Abendessen verhielt er sich vorbildlich. Während das Essen vorbereitet wurde, sah er zwar interessiert zu, aber das wars auch. Kein Versuch, etwas von der Wurst zu klauen und kein Betteln am Tisch, nur kurz sehen was Papa auf dem Teller hat und dann gings wieder auf die Decke zum Dösen.

Erste Nacht

Da wir unser Schlafzimmer im ersten Stock haben, und Bailey in der Regel mit uns Schlafen geht, wurde es nun spannend als wir uns daran machten, zu Bett zu gehen. Laut Petra gehen Greyhounds auf keine Treppen…

Um die nachfolgenden Geschehnisse abzukürzen: Nachdem wir und Bailey im ersten Stock angekommen waren und Bailey nochmal die Treppe runter und wieder hinauf gerannt war, dauerte es keine 10 Minuten bis Mikey im Schlafzimmer stand und es sich nach einiger Zeit auf dem Bett zwischen uns gemütlich machte und döste. Der erste Tag war ohnehin sehr aufregend für ihn und er war schon am frühen Abend sichtlich müde.

Nachts gegen 2:45 Uhr stand ich nochmal auf und ging mit ihm in den Garten, da er unruhig war und gelegentlich fiepte, danach ging es wieder nach oben und es wurde bis gegen 7:30 Uhr geschlafen. Zwischenzeitlich machte er es sich scheinbar vor dem Bett gemütlich und knuffelte sich in die von mir bereitgelegte dicke Wolldecke, denn als ich aufgewacht bin lag er war wieder auf dem Bett zusammengerollt und schlief. Allerdings lag die Decke nun zu einem Ball zusammengekratzt, etwas weiter vom Bett weg. Zu unserer Freude hatte er nicht in die Wohnung gemacht und auch nichts zerkaut oder zerstört.

Gegen 8 Uhr ging ich mit ihm erstmal in den Garten und sein neuer Tag als Ex-Sportler im neuen Zuhause konnte beginnen.

Mikey heißt bei uns jetzt Gandalf (der Graue) nach einer Figur aus J. R. R. Tolkiens Roman „Herr der Ringe“. Als meine Frau und ich schon die Tage zuvor über Hundenamen diskutiert hatten, fiel mir dieser Name eher scherzhaft ein und irgendwie reden wir seitdem von Gandalf, wenn es um Bailey’s neuen Stiefbruder geht.

Heute Vormittag sind wir mit ihm zum ersten Mal durch die Siedlung gelaufen und er ging ganz brav an der Leine. Gandalf macht uns auf jeden Fall schon jetzt viel Freude und er fühlt sich sichtlich wohl bei uns. Den Maulkorb lassen wir vorerst mal beim Gassigehen dran, denn ich weiß noch nicht wie er auf andere Hunde reagiert. Und auch wenn ein anderer, evtl. kleinerer Hund aggressiv wird und was passiert – Schuld ist immer der große Hund.

Update:

Am 12.02.2022 haben wir die Adoptionsgebühr von 150€ bezahlt und die Papiere auf uns umschreiben lassen. Gandalf gehört nun offiziell zur Familie.

Familienfoto mit Bailey und Gandalf

Mehr zur Hunderasse hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Greyhound_(Hunderasse)

Hier gibts das erste Video:

Diese und weitere Geschichten findest Du in meinen Büchern zum Blog.

Mehr dazu unter: https://irlandfoto.com/buecher/

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Auf den Hund gekommen

Tja, nun haben wir wieder die Zeit, in der man am Wochenende eher in der warmen Wohnung sitzt und sich über das Wetter ärgert. Vor allem, weil es sich selten lohnt, mit der Kamera raus zu gehen, da alles nur trüb und grau aussieht. Ich hätte ja nichts gegen einen schönen, sonnigen und klaren Wintertag mit blauem Himmel und schneebedeckten Wiesen oder Ruinen, aber das wird wohl hier in Irland nichts werden.

Also muss ich zusehen, dass ich die Zeit bis zur nächstmöglichen Fototour irgendwie anders totschlage und den Blog mit Alternativthemen fülle.

Als ich unseren Hund heute Vormittag gelangweilt auf seiner Decke liegen sah, kam mir die Idee zu diesem Beitrag.

Bailey, unsere Rottweiler-Husky-Mischlingshündin begleitet uns schon seit 2012. Ein guter Grund, ihr mal einen Blogeintrag zu widmen.

Ursprünglich hatten wir zwei Riesenschnauzer (Elix und Cosy) und einen Kater namens Mikosch. Die drei hatte ich bei meinem ersten Besuch in Irland 2011 kennengelernt, bevor ich ein knappes Jahr später hierher ausgewandert bin. (Siehe: Auf zu neuen Ufern).

Elix

Als Elix im Mai 2012 starb und Cosy sichtlich unter dem Verlust gelitten hatte, entschieden wir uns dazu, nach einem Spielkameraden für Cosy zu suchen, damit sie nicht so alleine ist, wenn meine Frau und ich auf der Arbeit sind. So kam Bailey in unser Haus. Bailey wurde im Mai 2012 geboren und kam im Juni 2012 zu uns.

Bevor sie kam, mussten wir natürlich erst mal das Grundstück mit Hasengitter absichern, damit der Welpe nicht ausbüchst, wenn man einmal einen Moment nicht aufpasst.

Die ersten Tage drehte sich natürlich alles um die kleine Fellnase, die nun alle möglichen Winkel in der für sie neuen Umgebung erkundete. Leider hatten wir damals zu wenige Bilder gemacht, wie wir heute wieder festgestellt hatten, daher sind nur ein paar Erinnerungsfotos aus dieser Zeit geblieben.

Die ersten Minuten im neuen Heim

Der Kater verstand sich zum Glück gut mit dem neuen Mitbewohner und auch Cosy ging es deutlich besser, denn sie hatte nun eine Aufgabe.

Bailey im August 2012:

Cosy war nicht unerheblich an der Erziehung von Bailey beteiligt. Das merken wir auch heute noch, denn Bailey hat das ruhige, aber wachsame Wesen von Cosy übernommen und so haben wir einen Hund, der eigentlich gar nicht bellt, es sei denn, jemand schleicht mit Kapuze nah am Haus vorbei oder so. Das mag sie überhaupt nicht. Das Bellen anderer Hunde lässt sie jedoch kalt. Wenn der kleine „Kläffer“ vom Nachbarn mal wieder keine Ruhe gibt, geht sie eher genervt ins Haus… guter Hund. Leider ist Cosy im März 2014 verstorben.

Auch beim Gassigehen verhält sich unsere Süße vorbildlich. Da sie aufs Wort hört, brauche ich eigentlich keine Leine. Ich lege ihr diese nur kurz an, wenn wir unterwegs auf andere Hunde oder Kinder treffen, denn man weiß nie, wie andere Hunde oder ihre Besitzer bzw. die Kinder reagieren.

Als ich mir 2016 eine neue Kamera zugelegt hatte und mich intensiver mit Fotografie beschäftigt hatte, war Bailey natürlich ein ideales Motiv.

Die beiden nachfolgenden Bilder haben Seltenheitswert – so viel Schnee wie hier im Jahr 2018 gibt es nur sehr selten in Irland. Mehr zu dazu: Irland und das Wetter

Einen neuen Freund fand Bailey 2015 in Shadow, einem Malmute-Rüden, den sich damalige Arbeitskollegen zugelegt hatten. Aufgrund der Gespräche über unsere Hunde fingen wir an, uns auch privat zu treffen und mit den Hunden gemeinsam etwas zu unternehmen. So entstand nicht nur zwischen unseren Familien eine enge Freundschaft, auch die Hunde verstanden sich auf Anhieb.

Shadow

Mittlerweile kam bei unseren Freunden 2021 noch eine weitere Fellnase namens Lexi dazu, was mir auch immer wieder nette Fotos beschert.

Bailey ist und bleibt aber „Papa’s“ Liebling und nicht nur ein Haustier sondern ein Familienmitglied. So gibt es auch zu Weihnachten mal einen besonders großen Knochen, oder einen speziellen Adventskalender mit besonderen Leckerchen, wie in diesem Jahr.

Mehr von Bailey: https://irlandfoto.com/2021/07/17/bailey-am-meer/

Update vom Januar 2022:
Bailey ist nun nicht länger „Einzelhund“ und hat einen Stiefbruder namens Gandalf bekommen. Mehr dazu hier:
https://irlandfoto.com/2022/01/29/gandalf/

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