Des Gandalf’s neue Kleider

Vor ca. einer Woche gab es bei einer bekannten deutschen Supermarktkette hier in Irland eine günstige Nähmaschine mit Zubehör und meine Frau hatte auch prompt zugeschlagen. Als sie damit nach Hause kam, sah ich sie nur verwundert an und fragte, was sie denn so alles damit nähen will. Freudig meinte sie „Klamotten für Gandalf zum Beispiel“. Na da war ich ja mal gespannt.

Heute wurde der Plan in die Tat umgesetzt und meine Frau begann damit, einen alten Kapuzenpulli zu zerschneiden und Nähte aufzutrennen. Den Hoodie hatten wir 2015 in Dublin gekauft und mittlerweile passte er leider nicht mehr so richtig. Ein geeignetes Objekt, um das Projekt zu starten.

Nun wurde geschnitten, genäht, gemessen, anprobiert und wieder genäht. Nach einiger Zeit nahm das Ganze auch wirklich Form an und Gandalf, unser Greyhound und neuestes Familienmitglied, wurde immer mal wieder von seiner Kuscheldecke in die Küche geholt, um das Kleidungsstück erneut anzuprobieren. Er ließ diese Prozeduren aber brav über sich ergehen und trabte danach immer wieder zurück auf seinen Lieblingsplatz, um weiterzudösen, bis er zur nächsten Anprobe gerufen wurde.

Aus einem Ärmel wurde der Schal genäht und auch ein Bauchriemen wurde angebracht, der mittels Klettverschluss befestigt wird.

Am frühen Nachmittag war das Werk dann vollendet und unser vierbeiniger „Knochensack“ war bereit für sein Fotoshooting im Garten mit dem neuen Pullover. Ich muss zugeben, das sieht gar nicht mal schlecht aus.

Die Mäntel und Jacken, die Windhunde, wie z. B. Greyhounds, Whippets oder ähnliche Rassen tragen, sind übrigens kein Modegag, sondern haben einen speziellen Grund:

Windhunde haben sehr kurzes Fell und auch keine Unterwolle. Ebenso haben sie zu wenig Körperfett, um sich vor Kälte (oder auch Hitze) zu schützen. Daher ist es angebracht, diesen Hunden bei niedrigen Temperaturen entsprechende Mäntel oder Jacken anzuziehen. Andernfalls droht ihnen, wie es auch bei Menschen vorkommen kann, eine Unterkühlung. Eine bekannte Faustregel besagt: „Brauchst Du eine Jacke, braucht sie auch der Hund“.

Ich bin schon gespannt, was meine Frau in den nächsten Monaten an neuen Kreationen hervorbringt.

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Gandalf

Schon letzten Mittwoch kam ich mir vor wie ein Kind kurz vor Weihnachten. Nur noch zweimal schlafen, dachte ich, dann ist der große Tag da. An diesem Freitag, den 28.01.2022 wurde Gandalf zu uns gebracht. Aber alles der Reihe nach.

Inhalt:

Vorgeschichte

Schon seit geraumer Zeit spielten wir mit dem Gedanken, uns wieder einen zweiten Hund zu holen. Cosy, unsere Riesenschnauzer-Dame war im März 2014 gestorben, daher war Bailey somit wieder Einzelhund (siehe auch: Auf den Hund gekommen). Im Dezember hatten wir uns schon auf der Webseite eines Tierheimes in der Nähe informiert, welche Hunde denn aktuell verfügbar wären. In einem Gespräch mit einer Mitarbeiterin kam die Frage, ob wir uns schon mal mit dem Thema „Greyhounds“ auseinandergesetzt hätten. Um ehrlich zu sein, diese Rasse hatte mich nie sonderlich interessiert, daher habe ich mich auch nie näher damit beschäftigt. Ich war immer der Fan von großen, aber flauschigen Fellnasen, wie z. B. Huskys, Riesenschnauzer, Schäferhunde, Irish Wolfhounds oder etwas in der Art. Diese langbeinigen Gesellen der Gattung Windhund oder Greyhound waren mir immer zu dürr. Außerdem dachte ich, diese Rasse braucht sehr viel Auslauf und muss viel rennen.

Die nette Mitarbeiterin des Tierheimes bot uns an, im Januar mal mit Ihren beiden Greyhounds vorbeizukommen, um uns die Tiere vorzustellen. In der Zwischenzeit sollten wir uns mal Gedanken machen, ob so ein Greyhound nicht doch was für uns wäre.

Nun wurden diverse Artikel im Netz zum Thema „Greyhound“ gelesen und Videos angesehen, um uns ein besseres Bild von dieser Rasse zu machen. Zu meiner Überraschung waren Greyhounds eher ruhige Gesellen und echte „Couch Potatoes“, die mit einer kleinen Gassirunde von ca. 30 Minuten zufrieden waren und die meiste Zeit mit Schlafen verbrachten. Ich war doch sehr verblüfft über die Eigenschaften dieser Tiere, die bei Rennen Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 80 km/h erzielen können. Je mehr ich mich mit den Hunden beschäftigt hatte, desto sympathischer wurden sie mir.


Nach ein paar Tagen kam die Mitarbeiterin des Tierheimes dann mit ihren beiden Exemplaren zu Besuch und seit ich diese Hunde live erlebt habe, war ich total begeistert. Schon das ruhige Wesen, welches sie an den Tag legten, als sie aus dem Auto stiegen und ohne Scheu elegant in unser Haus gingen, war beeindruckend. Diese Eigenschaft behielten sie auch während des ganzen Besuches bei. Kein wildes Herumhüpfen oder gar Bellen, obwohl sie Bailey, unseren Husky-Rottweiler-Mix zum ersten Mal sahen. Brav standen oder lagen sie neben dem Esstisch. Nachdem der Besuch beendet war, bekamen wir die Telefonnummer von Petra, der Betreiberin einer Greyhound-Auffangstation (https://www.claregreyhoundsanctuary.com/) in der Nähe und wir sollten uns mal mit ihr in Verbindung setzen, denn sie hat viele Jahre Erfahrung mit Greyhounds und weiß sicher, welcher Hund für uns ideal wäre.

Erstes Treffen

Nachdem wir uns dann telefonisch und später schriftlich bei Petra gemeldet hatten, machten wir einen Termin für den nächsten Sonntag aus und fuhren dann mit Bailey zu Petras Adresse. Als wir aus dem Auto stiegen und in Richtung des großen Eisentores in der Hofeinfahrt gingen, rannten uns ca. 8 Greyhounds entgegen um zu sehen, was da am Tor los war. Ein buntes, schwanzwedelndes Begrüßungskommando, das fiepend und bellend am Tor herumwuselte, um Bailey zu betrachten, die sich dem Tor näherte und auch mal kurz bellte. Kurz danach kam auch Petra und brachte die Meute erstmal wieder zurück in einen Bereich, den man vom Tor aus nicht sehen konnte. Mit einem Hund an der Leine kam sie dann wieder zurück zu uns und vor das Tor. Nachdem sich neben uns Zweibeinern auch die beiden Hunde begrüßt hatten, stellte sie uns den Vierbeiner vor, den sie mitgebracht hatte. Er hieß Mikey, war ca. 7 Jahre und ein blauer (so heißen die grauen Greyhounds) Ex-Rennhund.

Das erste Treffen der beiden Fellnasen

Sein Besitzer war vor ca. 18 Monaten plötzlich verstorben und seitdem war er bei Petra in der Auffangstation. Aufgrund seines Alters konnte er leider lange nicht vermittelt werden, denn die Leute, die einen Greyhound suchen, wünschen sich eher jüngere Hunde, wie uns Petra in dem ca. 45-minütigen Gespräch erzählte.

Zwischenzeitlich war er mal kurz bei einer Familie, die ihn adoptieren wollte, jedoch verstand deren kleine Tochter mit ihren 4 Jahren eben nicht, dass so ein Tier auch mal seine Ruhe braucht und nicht 24 Stunden am Tag gestreichelt werden wollte. So kam es, dass man Mikey wieder zurückgeben musste.

Bailey und Mikey verstanden sich gut bei ihrem ersten Treffen und auch mit uns schien Mikey kein Problem zu haben. So vereinbarten wir erstmal eine Adoption zur Probe für 2 Wochen, denn mittlerweile war ich absolut begeistert von diesen Hunden.

Der große Tag

Wie vorher vereinbart, fuhr am Freitag, dem 28.01. gegen 15 Uhr nachmittags Petras Auto vor unserem Grundstück vor und da ich gerade am Telefon war, brachte meine Frau Mikey an der Leine ins Haus und ging mit ihm direkt durch bis in den Garten, wo er gleich mal mit den „Markierungsarbeiten“ begann. Bei einer Tasse Tee besprachen wir mit Petra das weitere Vorgehen während Mikey die Küche inspizierte. Nach einer Weile ging er immer wieder zu der weichen Bettdecke, die wir ihm unter dem großen Tisch in der Küche zurechtgelegt hatten aber der Platz schien ihm nicht zu gefallen. Daraufhin platzierte meine Frau die Decke neben der Terrassentür und das sagte ihm deutlich mehr zu. Im Nu machte er es sich darauf gemütlich. Dazu fand er noch ein Stück eines alten Kauknochens von Bailey und so lag er nun friedlich auf dem neuen Bett und kaute genüsslich an dem Knochen.

Nach einer guten Stunde verabschiedete sich Petra dann und wir waren gespannt, was nun passieren würde. Da er mit dem Kauknochen beschäftigt war, fiel es ihm gar nicht so auf, dass Petra plötzlich nicht mehr da war. Nach ein paar Minuten lief er mal kurz durchs Haus und jammerte ein wenig, aber nach ein paar beruhigenden Worten war das auch schnell wieder vorbei. Durch unseren liebevollen Umgang mit ihm schien er sich jedenfalls in der neuen Umgebung wohl zu fühlen und begann, diverses Spielzeug mit auf seine Decke zu holen und es da zu horten.

Nur einmal hörten wir ein kurzes Raunen von Bailey als er ihr auch noch das letzte Stück der zerkauten Breze, die wir aus dem Zooladen mitgebracht hatten, klauen wollte. Ansonsten verlief auch der Abend friedlich. Beim Abendessen verhielt er sich vorbildlich. Während das Essen vorbereitet wurde, sah er zwar interessiert zu, aber das wars auch. Kein Versuch, etwas von der Wurst zu klauen und kein Betteln am Tisch, nur kurz sehen was Papa auf dem Teller hat und dann gings wieder auf die Decke zum Dösen.

Erste Nacht

Da wir unser Schlafzimmer im ersten Stock haben, und Bailey in der Regel mit uns Schlafen geht, wurde es nun spannend als wir uns daran machten, zu Bett zu gehen. Laut Petra gehen Greyhounds auf keine Treppen…

Um die nachfolgenden Geschehnisse abzukürzen: Nachdem wir und Bailey im ersten Stock angekommen waren und Bailey nochmal die Treppe runter und wieder hinauf gerannt war, dauerte es keine 10 Minuten bis Mikey im Schlafzimmer stand und es sich nach einiger Zeit auf dem Bett zwischen uns gemütlich machte und döste. Der erste Tag war ohnehin sehr aufregend für ihn und er war schon am frühen Abend sichtlich müde.

Nachts gegen 2:45 Uhr stand ich nochmal auf und ging mit ihm in den Garten, da er unruhig war und gelegentlich fiepte, danach ging es wieder nach oben und es wurde bis gegen 7:30 Uhr geschlafen. Zwischenzeitlich machte er es sich scheinbar vor dem Bett gemütlich und knuffelte sich in die von mir bereitgelegte dicke Wolldecke, denn als ich aufgewacht bin lag er war wieder auf dem Bett zusammengerollt und schlief. Allerdings lag die Decke nun zu einem Ball zusammengekratzt, etwas weiter vom Bett weg. Zu unserer Freude hatte er nicht in die Wohnung gemacht und auch nichts zerkaut oder zerstört.

Gegen 8 Uhr ging ich mit ihm erstmal in den Garten und sein neuer Tag als Ex-Sportler im neuen Zuhause konnte beginnen.

Mikey heißt bei uns jetzt Gandalf (der Graue) nach einer Figur aus J. R. R. Tolkiens Roman „Herr der Ringe“. Als meine Frau und ich schon die Tage zuvor über Hundenamen diskutiert hatten, fiel mir dieser Name eher scherzhaft ein und irgendwie reden wir seitdem von Gandalf, wenn es um Bailey’s neuen Stiefbruder geht.

Heute Vormittag sind wir mit ihm zum ersten Mal durch die Siedlung gelaufen und er ging ganz brav an der Leine. Gandalf macht uns auf jeden Fall schon jetzt viel Freude und er fühlt sich sichtlich wohl bei uns. Den Maulkorb lassen wir vorerst mal beim Gassigehen dran, denn ich weiß noch nicht wie er auf andere Hunde reagiert. Und auch wenn ein anderer, evtl. kleinerer Hund aggressiv wird und was passiert – Schuld ist immer der große Hund.

Update:

Am 12.02.2022 haben wir die Adoptionsgebühr von 150€ bezahlt und die Papiere auf uns umschreiben lassen. Gandalf gehört nun offiziell zur Familie.

Familienfoto mit Bailey und Gandalf

Mehr zur Hunderasse hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Greyhound_(Hunderasse)

Hier gibts das erste Video:

Diese und weitere Geschichten findest Du in meinen Büchern zum Blog.

Mehr dazu unter: https://irlandfoto.com/buecher/

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