Verlassene Mauern (Teil 2)

Im heutigen Teil zeige ich Euch zwar kein verlassenes Haus, aber ich denke, auch diese Ruine darf bei diesem Projekt nicht fehlen. Immerhin nennt man Kirchen ja auch Gotteshäuser.

Es handelt sich hier um die 1825 erbaute „Rathronan Church“ in der Nähe von Clonmel im County Tipperary. Nachdem ich das erste Bild dieser Kirche vor ein paar Jahren auf Facebook entdeckt hatte, musste ich sie einfach live sehen. Sie schien noch relativ gut erhalten und der Efeu, der inzwischen einen Großteil der Mauern bedeckt, gibt ihr ein etwas mystisches Aussehen.

So machte ich mich im September 2017 auf die Suche und wurde bald fündig. Die Kirche ist von der Hauptstraße aus nicht zu sehen. Hohe Bäume und Büsche auf beiden Seiten des ca. 300m langen Zufahrtsweges lassen diesen aussehen wie eine gewöhnliche, längere Hofeinfahrt, wie man sie oft in Irland findet. Es gibt auch kein Schild, welches den Weg zur Kirche anzeigt.

Fährt man den Seitenweg entlang, kommt man an ein verschlossenes Eisentor neben einer kleinen Lücke in einer der seitlichen Mauern, die wie eine kleine Treppe gestaltet ist. So kommt man zumindest zu Fuß zur Kirche.

Der Boden um die Kirche besteht zum Großteil aus steinigem, unebenem Erdreich, aus dem alte Grabsteine ragen, mit Bäumen dazwischen, die dem gesamten Grundstück ein Aussehen verleihen wie eine Filmkulisse aus einem Horrorfilm. Etwas unterhalb der Kirche stehen die Grabsteine deutlich dichter und die Lücken dazwischen sind durchzogen von wildwucherndem, hohem Gras. Dies ist ein genialer und seltener Anblick.

Die Kirche selbst hat keine Türen und auch kein Dach mehr und den Efeu, der sich über die Fassade erstreckt, findet man auch im Innenraum der Kirche. Dazwischen wachsen kleine Bäume, die sich mittlerweile auch dort ausgebreitet haben. Das hohe Fenster am hinteren Ende des Kirchenschiffes ist zwischen Ästen und Blättern kaum noch zu erkennen.

Die nachfolgenden Bilder zeigen den Eingang zum Kirchenschiff, das Kirchenschiff selbst und eines der Seitenfenster.

Hätte ich damals gewusst, dass ich Jahre später einen Blog starte, hätte ich wohl mehr und bessere Bilder gemacht. Ich denke aber, man kann sich hier ganz gut ein Bild von der Ruine und dem Grundstück machen. Bisher eine meiner schönsten Kirchenruinen, die ich in Irland besucht habe.

Diese Ruine ist auch Teil meines neuesten Buches „Irische Ruinen“. Ab sofort bei Amazon erhältlich:

Irische Ruinen - Das Buch

Zum ersten Teil von „Verlassene Mauern“ gehts hier .

Zu den ersten beiden Teilen gibt es auch ein Video:

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Friedhöfe in Irland

In ca. einer Woche ist wieder Halloween. Der Abend, an dem Kinder als Geister, Skelette oder anderen schaurigen Gestalten verkleidet, von Haus zu Haus gehen und Süßes oder Saures (engl. trick or treat – „Streich oder Leckereien“) verlangen, da sie den Hausbewohnern sonst einen Streich spielen. Wobei es dieses Jahr aufgrund der Corona-Krise wohl etwas ruhiger ablaufen dürfte.

Halloween kommt ursprünglich aus Irland und wurde vor allem in den katholischen Gebieten gefeiert. Nachdem im 19. Jahrhundert viele Iren nach Amerika ausgewandert sind, wurde der Brauch in den Vereinigten Staaten und Kanada übernommen und kam in den 90ern allmählich wieder nach Europa.

Der Name Halloween leitet sich ab von All Hallows’ Eve, dem Abend vor Allerheiligen, vom 31. Oktober auf den 1. November. Was passt hier besser als Blog-Thema als Friedhöfe?

Im Gegensatz zu Friedhöfen in Deutschland oder anderen Ländern, wo die Gräber ordentlich in „Reih und Glied“ sowie mit geraden Wegen dazwischen angelegt wurden, wirken irische Friedhöfe durch ihre, teilweise mehrere Jahrhunderte alten Grabsteine und Kreuze, die zum Teil eingesunken und mit Moos bewachsen sind, immer etwas mystisch und geheimnisvoll. An vielen Stellen lässt sich nur noch erahnen, dass es sich hier um ein Grab handelt, da manchmal nur noch ein Grabstein, oder ein Stück davon, aus dem Boden ragt.

Teilweise werden die Gräber mit bunten Steinen, Spielzeug oder anderen Utensilien geschmückt.

Ein Spaziergang durch einen alten Friedhof in Irland ist immer ein besonderes Erlebnis und bei manchen denkt man unweigerlich, man befindet sich am Schauplatz eines Horrorfilmes. Wie z. B. hier, auf dem alten Friedhof in Ennis.

Ein weiterer interessanter Friedhof befindet sich in der, wahrscheinlich bekanntesten, Klostersiedlung Irlands: Glendalough im Co. Wicklow:

Den nachfolgenden Friedhof habe ich durch Zufall bei einem Spaziergang an einem frostigen Wintermorgen entdeckt. Dazu gibt es auch einen eigenen Blog „Perfektes Timing“ .

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Perfektes Timing

Nicht alle Fotos sind planbar, manchmal hilft einem auch der Kollege „Zufall“ so wie an jenem 01. Dezember 2016. Um meinen Resturlaub noch auszunutzen, hatte ich für diesen Tag Urlaub beantragt, ohne dass ich etwas Bestimmtes geplant hatte.


Trotz meines freien Tages war ich, aus Gewohnheit, schon sehr früh wach und setzte mich mit meiner ersten Tasse Kaffee an den Computer in unserem „Büro“, wie wir es nennen. In diesem Raum haben wir, d. h. meine Frau und ich, unsere PC’s stehen und dort hat sich im Laufe der Zeit auch so manches an Fotoausrüstung, Bildschirmen usw. angesammelt. Von dort aus habe ich auch einen direkten Blick auf unsere Hofeinfahrt. Noch an meinem Kaffee nippend, sah ich mir das Wetter genauer durch die großen Fensterscheiben an und nach einem Blick auf mein Auto, das mit einer leichten aber undurchsichtigen Eisschicht überzogen, in der Einfahrt stand, war klar: Es ist saukalt… Aber es war wolkenlos und klar, so kam mir die Idee, meine Kamera zu packen und zu sehen, welche Motive diese Kälte wohl hervorbringt.

Nach einigen Überlegungen, entschied ich mich, ganz in der Nähe auf die Suche nach einem Winterfoto zu gehen, denn ich wusste, die Kälte wird hier nicht so lange anhalten und wenn ich mir ein Ziel aussuche, welches eine Stunde oder mehr entfernt liegt, ist der Zauber vorbei bis ich dort ankomme.

Meine Wahl fiel auf einen Fußweg, der gerade mal ca. 2km entfernt entlang der Autobahn verläuft. In meinen dicken Winteranorak eingepackt, spazierte ich ca. 30 Minuten später dort entlang und erkundete die nähere Umgebung.

Das erste Motiv war ein Pferd das, nachdem es mich erblickte, zu mir an den Zaun kam und sich ein paar Streicheleinheiten abholte. Nicht nur der Maschendrahtzaun, sondern auch die Mähne des Tieres, waren zum Teil vereist. Ein seltenes Bild.

Der Fußweg führt nach etwa 300m auf eine leichte Anhöhe, von der eine Abzweigung zu einem alten Friedhof führt. Dieser war mein nächstes Ziel. Dort stand an einem der alten Gräber, mit ihren mittlerweile schief eingesunkenen oder zerbrochenen Grabsteinen, ein hohes, geschmiedetes Metallkreuz. Auf diesem bildeten sich mehrere Millimeter hohe Eiskristalle die in alle Richtungen ragten und ein wunderschönes Motiv ergaben.

Nach einigen Fotos auf diesem Friedhof wanderte ich weiter bis ich in die Nähe eines Holzzaunes kam. Auf dem Feld dahinter standen etwa 50 Meter weit entfernt, zwei große Bäume. Durch einen davon war die gerade aufgehende Sonne als gelber, unscharfer Fleck erkennbar, der durch den noch relativ dichten, grau-blauen Morgennebel schien.

Mit dem dunklen Holzzaun, der nach hinten im Nebel verschwand und den davor wuchernden, vereisten Gräsern, war dies ein genialer Anblick. Nachdem ich einige Bilder von dieser Szene gemacht hatte, ging ich noch ca. 10 Minuten weiter, entschloß mich aber dann doch, umzudrehen und den Heimweg anzutreten. Zum einen wurde mir langsam kalt, zum anderen war mir klar, daß es wohl auf diesem Weg nichts mehr geben würde, was meine letzten Aufnahmen noch toppen könnte.

Kurz nachdem ich zu Hause war, lichtete sich der Nebel allmählich und die Temperaturen stiegen aufgrund der stärker werdenden Sonne immer mehr an. Ich hätte keinen besseren Zeitpunkt für meinen Spaziergang wählen können, denn an keinem anderen Tag in jenem Winter herrschten solch ideale Wetterbedingungen für diese Art von Fotos.


Ein bisschen Glück gehört eben auch dazu.

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