Schönheiten im Regen

Vom 17. bis 19. September fand in Irland der Cannonball Roadtrip statt. Da wollte ich natürlich unbedingt hin, sofern es möglich war. Schon 2019 hatte ich Bilder vom „Retro-Cannonball Ireland“ (Siehe „Die Parade der Oldies„) gemacht. Dieser ist leider 2020 wegen Corona ausgefallen und heuer hatte ich leider keine Gelegenheit dazu, Fotos davon zu schießen. Die Routen führten in diesem Jahr von Sligo aus über Nordirland.

Also studierte ich die Routen für das aktuelle Event, die ich im Internet fand und war begeistert. Die Route für Tag 2 verlief von Cork über Tralee im Co. Kerry nach Galway und führte daher über die N67 entlang der Westküste. Laut Plan sollten die Fahrzeuge ca. gegen 15:30 Uhr in Killimer im Co. Clare von der Fähre fahren, was für mich ideal war, denn Killimer liegt nur ca. 40 Autominuten von Ennis entfernt.

Am 18. September war das Wetter am Vormittag überraschend schön. Daher war mein Plan, mich gegen 13:30 Uhr auf den Weg zu machen, um früh genug am Parkplatz bei der Fähre in Killimer zu sein. Als ich um ca. 13:50 Uhr losfuhr, fing es allerdings leicht an zu Nieseln aber ich dachte, wenn es nicht schlimmer wird ist das zu verkraften und vielleicht habe ich ja Glück und es hört wieder auf bis ich am Ziel bin.

Am Parkplatz in Killimer angekommen, erkundete ich erst einmal das Gelände, um zu sehen, von wo man die besten Fotos schießen könnte. Erst postierte ich mich rechts von der Straße, die zur Hauptstraße führt und machte ein Testbild mit dem 100 mm Sigma-Objektiv von einem der Begleitfahrzeuge. Die erste Fähre hatte nämlich gerade angelegt. Aber außer einem Fahrzeug der Crew und einem Teilnehmer fuhren nur normale Autos vorbei. Ich hatte also noch Zeit, mir einen besseren Platz zu suchen.

Anschließend postierte ich mich auf der gegenüberliegenden Seite, denn von dort aus hatte ich einen besseren Winkel. Die Straße führt nach einer Kurve etwas bergauf und von meinem neuen Standpunkt aus konnte ich vorbeifahrende Fahrzeuge besser ins Bild bringen. Das Problem war allerdings, dass langsam immer mehr Besucher kamen und der Parkplatz schnell voll wurde. Daher bildete sich ein Stau auf der Straße zum Parkplatz. Wenn ich nun die Kamera auf die Kurve gerichtet hatte, hatte ich alle paar Sekunden ein Fahrzeug eines Besuchers vor der Linse. Außerdem parkte nun auch noch ein Wohnmobil genau in der besagten Kurve. Ich hätte also bei jedem Fahrzeug, das ich fotografieren würde, dieses Wohnmobil im Hintergrund.


Also wurde ein neuer Standpunkt gesucht. Dieser wurde kurze Zeit auch später allerdings auch von Besuchern zugeparkt. Langsam war ich am Verzweifeln. Daraufhin entschied ich mich dazu, das Objektiv zu wechseln und mit dem 50 mm Objektiv dort auf die Fahrzeuge zu lauern, wo sie von der Fähre herunterfuhren. Da es dort auch leicht bergauf geht und gleich danach eine Kurve kommt, sollten die Autos auch langsam genug fahren, um brauchbare Bilder zu bekommen.

Als die nächste Fähre anlegte und die ersten Sportwagen von der Anlegestelle heraufkamen, wurde leider auch der Regen stärker und ich wischte nach jedem zweiten Fahrzeug die Regentropfen von der Kamera. Die Gegenlichtblende des Objektivs wurde so zum Regenschutz und verhinderte wenigstens, dass ich Wassertropfen auf der Linse hatte.

Mein neu gewählter Standpunkt stellte sich als gute Wahl heraus und ich konnte einige der Sportwagen fotografieren. Nachdem alle Fahrzeuge vorbeigefahren waren machte ich erstmal Pause und wartete im Auto auf die nächste Fähre, die ca. 30 Minuten später anlegte. Die nächsten Bilder machte ich von der gegenüberliegenden Seite, denn in der Pause waren bereits einige der Besucher, wohl auch wegen des Regenwetters, wieder gefahren.

Ein „etwas anderer“ aber origineller Teilnehmer:

Gegen 16:30 Uhr war das Schauspiel vorbei und ich war froh, wenigstens einige der Fahrzeuge vor die Linse bekommen zu haben. Darunter waren, neben Audi R8, BMW, Mercedes und Porsche auch Exoten, die man nicht jeden Tag live zu sehen bekommt, wie z. B. Mustang, Maserati, Jaguar F-Type, oder der Lamborghini Aventador SVJ Roadster. Den Lamborghini bekommt man aktuell als Gebrauchtwagen im Internet für ca. 540.000 €. Dagegen kommt einem der Jaguar, den man neu für „nur“ ca. 126.000€ bekommt, wie ein Schnäppchen vor.

Dieser Teilnehmer hatte leider etwas Pech. Bei einem Stau während der Tour wurde er angefahren und versuchte nun den Deckel des Kofferraumes, der leider nicht mehr ins Schloss schnappte, einigermaßen zu fixieren damit dieser nicht ständig offen steht.

Nachdem auch dieser Wagen das Gelände verlassen hatte, ging es mit vielen neuen Fotos aber feuchten Füßen wieder nach Hause. Der leichte, aber ständige Nieselregen hatte sich allmählich seinen Weg durch das Stoffgewebe meiner Schuhe gebahnt.

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Die Parade der Oldies

Beim Durchsuchen meiner älteren Fotos kam ich auch auf die Datei mit den Bildern vom Retro Cannonball Ireland 2019 und dachte, das wäre mal eine Abwechslung zu den üblichen Landschaftsbildern von der Insel.

Der Begriff der Cannonball-Rennen geht zurück auf die 70er Jahre. Dort wurden damals in Amerika illegale Autorennen von New York nach Los Angeles durchgeführt. Namensgeber dieser Rennen war der Motorradfahrer Erwin George Baker, der durch diverse Rekorde auch als Erwin „Cannonball“ Baker bekannt wurde. Baker war auch einer der Gründer der Tourenwagen-Rennserie NASCAR.

Cannonball Ireland ist Europas größter organisierter Supercar-Roadtrip. Dieser findet seit 2009 jährlich auf der Insel statt. 2019 gab es erstmals auch den Retro Cannonball Roadtrip. Bei diesem nehmen Fahrzeuge aus den 60er, 70er und 80er Jahren teil.

Als Zielort am Ende der 2tägigen Tour durch Irland wurde der Ort Bunratty im County Clare ausgewählt. Zu meinem Glück liegt dieser nur 25km von Ennis entfernt, daher war der Termin des 13. Juli bereits von mir fest eingeplant und ich hoffte, das Wetter würde mitspielen.

Glücklicherweise war es auch warm und sonnig an jenem Samstag und so fuhr ich bereits am frühen Nachmittag nach Bunratty. Die ersten Teilnehmer wurden zwar erst gegen 18 Uhr erwartet, aber ich wollte genügend Zeit haben, um einen guten Parkplatz zu finden und auch vorab schon zu erkunden, wo ich mich später platziere um die Fotos zu machen.

Mein Standort war so gewählt, dass sich möglichst wenige Zuschauer ins Bild quetschen können. Gleichzeitig wollte ich auch einen guten Winkel zu den einfahrenden Fahrzeugen haben, ohne zu viele Gebäude oder sonstige störende Objekte ins Bild zu bekommen. Daher platzierte ich mich zuerst im Inneren einer Kurve gegenüber des Bunratty Castles, in der die Autos von der Hauptstraße zum Zielgelände abbogen. Im Inneren der Kurve steht auch eine Skulptur auf einem Betonsockel. Dort kann man sich bei Bedarf kurz setzen, und ein weiterer Vorteil hier ist: Die Seitenstraße ist minimal abschüssig, so hatte ich in der Hocke einen genialen Blick auf die Fahrzeuge, die dort abbiegen und daher auch langsamer fahren mussten.

Dort machte ich die ersten Bilder und war begeistert über das, was da alles an mir vorbeifuhr. Neben Ferrari, Mercedes, Porsche und Co. nahmen auch echte Raritäten teil, die noch alte irische, schwarz/silberne Kennzeichen montiert hatten. Die teilnehmenden Fahrzeuge waren, neben den Startnummern und dem Retro Cannonball-Logo, auch mit diversen Aufklebern des Sponsors beklebt.

Darunter mischten sich auch Fahrzeuge, die nicht offiziell teilnahmen, aber definitiv in den Korso passten, wie diese beiden Exemplare hier:

Mittlerweile hatte sich auch ein Stau in Richtung „Ziel“ gebildet, so kam ich noch näher an die Fahrzeuge heran.

Mein persönliches Highlight war (neben dem Ferrari) ein weißer Excalibur Phaeton, der aussah, als wäre er gerade frisch aus der Fabrik gekommen. Ein traumhafter Wagen und live noch schöner, als man ihn aus dem Internet kannte. Als ich der Straße später in Richtung „Ziel“ folgte, hatte ich aufgrund des Staus die Gelegenheit, noch mehr Fotos von diesem Schmuckstück zu machen.

Am Ziel hatte ich noch ein paar Fotos gemacht, was aber zunehmend schwieriger wurde, da nun immer mehr Besucher zum Ziel strömten und sich vor allem um den Ferrari und den Excalibur drängten. Ein vernünftiges Foto wäre hier definitiv nicht mehr möglich gewesen.

2020 wurde die Veranstaltung wegen Corona abgesagt. Für 2021 ist aktuell der August geplant, mal sehen wie es bis dahin in Sachen Lockdown aussieht. Mit etwas Glück gibts dann neue Bilder von den Oldies…

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