Viele bunte Smarties

Ein Gastbeitrag von Silvia Peiker (mehr dazu im Autorenprofil)

Achtung, da ist schon wieder ein Smartie!“ rufen unsere Kinder vom Rücksitz des Leihwagens, der sich auf der engen, kurvigen Küstenstraße des Rings of Kerry hochkämpft. Wir genießen die herrliche Aussicht auf die Küste von Kenmare und bestaunen die vielen bunt gepunkteten Schafe, die leider nicht nur auf den grünen, eingezäunten Weiden grasen, sondern manchmal, verborgen hinter einer unübersichtlichen Kurve, mitten auf der Fahrbahnauftauchen. Zum Glück sind wir nicht schnell unterwegs und das Auto verfügt über gute Bremsen.

Schafe in Irland
Foto: Irlandfoto.com


So werden die bunten, blökenden Smarties, die von ihren Besitzern mit unterschiedlichen Farbklecksen auf dem meist weißen, lockigen Fell markiert wurden, zur Attraktion unserer Rundfahrt durch den westlichen Teil Irlands.


In Kilkee, einem Fischerdorf wie aus dem Bilderbuch, haben wir ein Haus am Strand gemietet. Wir genießen die salzige frische Meeresbrise, die vom Atlantik herüberweht. Nur wenige wagen es, in dessen kalten Fluten zu baden. Wir tauchen lediglich unsere Zehen ins Meer, da die Temperaturen während der beiden Juliwochen niemals höher als 17 Grad klettern. Alles über 15 Grad dürfte in Irland einem Hitzerekord nahekommen, denn Mädchen mit gingerfarbigem Haar holen plötzlich Shirts mit Spaghettiträgern aus der Schublade und niemand, abgesehen von uns Touristen, wundert sich, wenn junge Männer mit dickem Norwegerpulli neben sommerlich gekleideten Sonnenanbeterinnen am Strand entlang spazieren.

Kilkee, Co. Clare
Kilkee, Co. ClareFoto: Irlandfoto.com

Vertraute heimatliche Klänge schallen uns bei unserem ersten Ausflug zum mittelalterlichen Bunratty Castle im County Clare entgegen, als wir einer Reisegruppe aus Wien begegnen. Während ihr deutschsprachiger Guide sie durch die Burg führt, fragen wir, ob wir uns anschließen dürfen.

Bunratty Castle
Bunratty Castle, Co. ClareFoto: Irlandfoto.com

Im angrenzenden Folk Park probieren wir das Nationalgericht Irish Stew, dessen Hauptingredienz, Schaffleisch, nur dem besten aller Väter mundet. Zur einschmeichelnden Musik von Norah Jones erblicken wir gleich hinter dem Schlossteich, der mit Schilf und Seerosen beinahe zugewachsen ist, unseren ersten Monkey Puzzle Tree, der wie ein groteskes Kunstwerk auf einer grünen Wiese seine stacheligen Arme von sich streckt.


Der schmale Klippenpfad bei den Cliffs of Moher verursacht am darauffolgenden Tag bei allen Schwindelgefühle. Die beeindruckendsten Steilklippen der grünen Insel ragen bis zu 214 m aus der vom Wind stark bewegten, rauen See empor. Die Schlagzeile, die mir in der gestrigen Sunday Tribune regelrecht ins Auge gesprungen ist, verstärkt mein mulmiges Gefühl. Der Körper eines Mannes wurde nur mit Socken bekleidet zwischen den vom Salzwasser umspülten Felsen unterhalb der Klippen bei Doolin entdeckt. Die Bergung des Toten ist aufgrund starker Böen und bewegter See nicht möglich.

Cliffs of Moher
Cliffs of Moher, Co. ClareFoto: Irlandfoto.com


Wir halten einander fest an den Händen und kehren bald um. Wir verinnerlichen das tosende Schauspiel der Wellenberge, die sich an den Felsen im Wasser brechen, und denken an den armen Ertrunkenen.


Autorenprofil:

Silvia Peiker – Ein edler Tropfen aus dem Jahrgang 1963, Fremdsprachensekretärin, Studium der Freizeitpädagogik. Tätig bin ich in der Bibliothek, wo ich für das Kleinkind- und Ferienprogramm zuständig bin. Meine Leidenschaft sind Bücher, Schreiben und die Natur. Ich bin Mutter von drei Kindern und lebe mit dem besten aller Väter, der jüngsten Tochter und zwei süßen Katzen in Wien.

Mehr Geschichten von Silvia findet Ihr hier: https://www.story.one/de/u/silvia-peiker-17522

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Bunratty Castle & Folk Park

Das Bunratty Castle (irisch: Caisleán Bhun Raithe) im Co. Clare befindet sich am Zusammenfluß der Shannon-Mündung und des Owenogarney River (oder auch Ralty River). An dieser Stelle befand sich ca. 970 ein Handelsplatz der Wikinger, bevor 1250 dort eine Holzfestung gebaut wurde.
Die Burg, wie wir sie heute kennen, wurde um das Jahr 1425 von den MacNamaras erbaut und fiel ein halbes Jahrhundert später an den damals größten Clan in North Munster, den O’Briens, zurück.

Die Burg ist Teil des Bunratty Folk Parks, einer Art Freilichtmuseum, das sich auf ca. 10 Hektar erstreckt. Neben einem Wikingerspielplatz und diversen einheimischen Tieren wie z. B. Schafen, Ziegen, Ponys usw. findet man auf dem Gelände auch zwei Irish Wolfhounds namens Saoirse und Meabh.

Ein Highlight für Kinder ist der Feen-Pfad mit seinen Skulpturen und kleinen Häuschen, die sich am Rande des Weges oder in kleinen Wäldchen verstecken.

Über das Gelände verteilt findet man auch eine Reihe traditioneller irischer Bauernhäuser, die verschiedene Lebensstile zu Beginn des 20. Jahrhunderts veranschaulichen. Insgesamt verfügt der Park über mehr als 30 Gebäude.

Zentrum des Parks ist die sogenannte „Village Street“, eine Straße, in der man buchstäblich ins Dorfleben des 19. Jahrhunderts eintaucht. Hier findet man diverse typisch irische Gebäude aus dieser Zeit, mit den entsprechenden Einrichtungen wie z. B. eine Schule, ein Postbüro, einen Arzt oder diverse andere Geschäfte oder Wohnhäuser.

Die Schule

Das Haus des Arztes

Die Village Street

Auch eine Kirche darf natürlich nicht fehlen, diese liegt etwas abgelegen der Village Street

Mühle und ummauerter Garten

Der Garten wurde um 1804 angelegt.

Der Park ist seit März 2022 täglich von 9:30 bis 17:30 Uhr geöffnet.

Nachdem mittlerweile die Corona-Beschränkungen aufgehoben wurden, ist es auch nicht mehr notwendig, vorher zu buchen. Allerdings ist der Eintritt bei vorheriger Online-Buchung etwas günstiger.

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Die Parade der Oldies

Beim Durchsuchen meiner älteren Fotos kam ich auch auf die Datei mit den Bildern vom Retro Cannonball Ireland 2019 und dachte, das wäre mal eine Abwechslung zu den üblichen Landschaftsbildern von der Insel.

Der Begriff der Cannonball-Rennen geht zurück auf die 70er Jahre. Dort wurden damals in Amerika illegale Autorennen von New York nach Los Angeles durchgeführt. Namensgeber dieser Rennen war der Motorradfahrer Erwin George Baker, der durch diverse Rekorde auch als Erwin „Cannonball“ Baker bekannt wurde. Baker war auch einer der Gründer der Tourenwagen-Rennserie NASCAR.

Cannonball Ireland ist Europas größter organisierter Supercar-Roadtrip. Dieser findet seit 2009 jährlich auf der Insel statt. 2019 gab es erstmals auch den Retro Cannonball Roadtrip. Bei diesem nehmen Fahrzeuge aus den 60er, 70er und 80er Jahren teil.

Als Zielort am Ende der 2tägigen Tour durch Irland wurde der Ort Bunratty im County Clare ausgewählt. Zu meinem Glück liegt dieser nur 25km von Ennis entfernt, daher war der Termin des 13. Juli bereits von mir fest eingeplant und ich hoffte, das Wetter würde mitspielen.

Glücklicherweise war es auch warm und sonnig an jenem Samstag und so fuhr ich bereits am frühen Nachmittag nach Bunratty. Die ersten Teilnehmer wurden zwar erst gegen 18 Uhr erwartet, aber ich wollte genügend Zeit haben, um einen guten Parkplatz zu finden und auch vorab schon zu erkunden, wo ich mich später platziere um die Fotos zu machen.

Mein Standort war so gewählt, dass sich möglichst wenige Zuschauer ins Bild quetschen können. Gleichzeitig wollte ich auch einen guten Winkel zu den einfahrenden Fahrzeugen haben, ohne zu viele Gebäude oder sonstige störende Objekte ins Bild zu bekommen. Daher platzierte ich mich zuerst im Inneren einer Kurve gegenüber des Bunratty Castles, in der die Autos von der Hauptstraße zum Zielgelände abbogen. Im Inneren der Kurve steht auch eine Skulptur auf einem Betonsockel. Dort kann man sich bei Bedarf kurz setzen, und ein weiterer Vorteil hier ist: Die Seitenstraße ist minimal abschüssig, so hatte ich in der Hocke einen genialen Blick auf die Fahrzeuge, die dort abbiegen und daher auch langsamer fahren mussten.

Dort machte ich die ersten Bilder und war begeistert über das, was da alles an mir vorbeifuhr. Neben Ferrari, Mercedes, Porsche und Co. nahmen auch echte Raritäten teil, die noch alte irische, schwarz/silberne Kennzeichen montiert hatten. Die teilnehmenden Fahrzeuge waren, neben den Startnummern und dem Retro Cannonball-Logo, auch mit diversen Aufklebern des Sponsors beklebt.

Darunter mischten sich auch Fahrzeuge, die nicht offiziell teilnahmen, aber definitiv in den Korso passten, wie diese beiden Exemplare hier:

Mittlerweile hatte sich auch ein Stau in Richtung „Ziel“ gebildet, so kam ich noch näher an die Fahrzeuge heran.

Mein persönliches Highlight war (neben dem Ferrari) ein weißer Excalibur Phaeton, der aussah, als wäre er gerade frisch aus der Fabrik gekommen. Ein traumhafter Wagen und live noch schöner, als man ihn aus dem Internet kannte. Als ich der Straße später in Richtung „Ziel“ folgte, hatte ich aufgrund des Staus die Gelegenheit, noch mehr Fotos von diesem Schmuckstück zu machen.

Am Ziel hatte ich noch ein paar Fotos gemacht, was aber zunehmend schwieriger wurde, da nun immer mehr Besucher zum Ziel strömten und sich vor allem um den Ferrari und den Excalibur drängten. Ein vernünftiges Foto wäre hier definitiv nicht mehr möglich gewesen.

2020 wurde die Veranstaltung wegen Corona abgesagt. Für 2021 ist aktuell der August geplant, mal sehen wie es bis dahin in Sachen Lockdown aussieht. Mit etwas Glück gibts dann neue Bilder von den Oldies…

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