Das Baby ist da

Letzte Woche kam es nach ca. 1 Woche Lieferzeit mit der Post an. Schon seit Wochen hatte ich es mir immer wieder angesehen, überlegt ob ich es kaufe oder nicht und nachdem ich von meinem Arbeitgeber einen Einkaufsgutschein zu Weihnachten bekommen hatte, wurde es nun doch bestellt.

Die Wahl fiel auf das „Lensbaby Composer Pro II mit Sweet 50 Optik“. Ein-Tilt-Objektiv mit einer Lichtstärke von f/2,5 und einer Brennweite von 50 mm (Vollformatsensor).

Die ersten Erfahrungen mit Lensbaby hatte ich bereits vor 2 Jahren gemacht, als ich mir das „Lensbaby Spark“ zugelegt hatte. Allerdings war ich nach einiger Zeit unzufrieden und eher genervt vom Handling des ca. 100 Euro teuren Spielzeuges. Beim Spark lässt sich der Fokuspunkt zwar auch verschieben, allerdings geht das mittels einer gummigelagerten Linse, die mit den Fingern in die entsprechende Position gebracht und dort während der Aufnahme auch gehalten werden muss, da sie sonst wieder in die Ausgangslage zurück schwenkt. Gleichzeitig muss auch der Abstand zum Objekt mit den Fingern so gehalten werden, dass der gewünschte Bereich scharf wird… Kurz gesagt: Es gilt, mit seinen Händen die Kamera zu halten, das Objektiv korrekt zu schwenken und zu quetschen und dann auch noch den Auslöser zu drücken. Wenn sich dann auch noch das Objekt selbst bewegt, wird das eine nervenaufreibende Sache. Das Teil habe mittlerweile wieder verkauft.

Anders verhält sich das beim Composer Pro II. Das Composer Pro II selbst ist das entsprechende Gehäuse in das dann diverse Optiken (wie z. B. die Sweet 50) eingesetzt werden können und das sich mittels eines Kugelkopfes schwenken lässt. Dieser bleibt dann auch in dieser Stellung. So kann man den Fokuspunkt da setzen wo man ihn haben möchte. Die Schärfe stellt man, wie auch bei anderen Objektiven, über einen Drehring ein.

Der Vorteil davon ist: Wechselt man z. B. das Fabrikat seiner Kamera, muss nur das neue Gehäuse mit dem entsprechenden Anschluss gekauft werden. Die Optikeinsätze können dann in dem neuen Gehäuse weiterhin verwendet werden. Es gibt neben der Sweet 50 auch noch die entsprechende Sweet 35 (mit 35 mm Brennweite) oder diverse andere Einsätze mit interessanten Möglichkeiten. Das Composer Pro II habe ich incl. der Sweet 50 Optik bei dem bekannten Onlineversandhändler mit dem Großen „A“ für einen Nettopreis von unter 300 Euro incl. Versandkosten aus Deutschland bekommen. Preis aktuell auf der Webseite des Herstellers: 479,90 € + Versandkosten.

Die Sweet 50 Optik hat (wie auch die Sweet 35) einen radialen, selektiven Schärfebereich. Die Schärfentiefe lässt sich durch die verstellbare Blende von f/22 bis f/2,5 verstellen und bietet so diverse Möglichkeiten der Bildgestaltung. Der minimale Fokusbereich liegt bei 38 cm.

Die beiden Bilder hier wurden mit geschlossener Blende (links) und der max. geöffneten Blende (rechts) aufgenommen.

Wie bei allen Lensbaby-Objektiven handelt es sich auch hier um ein manuelles Objektiv ohne Bildstabilisator oder sonstigen elektronischen Hilfen. Das heißt: Das Scharfstellen muss man selbst übernehmen. Hier sind natürlich Kameras mit Focus Peaking von Vorteil.

Leider hatte ich aufgrund von Lockdown und Regenwetter noch nicht viel Gelegenheit, das Objektiv zu testen aber die ersten Bilder machen mich zuversichtlich und ich freue mich schon auf den Sommer – hoffentlich ohne Lockdown.

Hier nochmal zwei Vergleiche mit unterschiedlichen Blendenstufen (aus der Hand fotografiert):

Die ersten Versuche unterwegs bei der Gassirunde:

Werbung

Lili Marleen in Ennis

Ein üppiges Mittagessen letzten Sonntag und das sonnige Wetter brachten mich auf die Idee, mich ein wenig an der frischen Luft zu bewegen. Da ich aber keine große Lust hatte, weit zu fahren, entschied ich mich dazu, mal wieder einen Spaziergang durch Ennis zu machen und zu sehen, was es an interessannten Foto-Objekten gibt.


Ich schnappte mir also eine Kamera und montierte das Nikkor 50mm Objektiv darauf. Auf einem Schrank fand ich noch eine alte Fototasche, die gerade mal Platz für die Kamera mit dem kleinen Objektiv darauf bot und fuhr so ausgerüstet, die 5 Minuten in die Stadtmitte.


Ich hatte absichtlich nicht mehr an Ausrüstung mitgenommen, denn gerade die Objektive mit Festbrennweite zwingen einen dazu, sich mehr Gedanken über die Bildkomposition zu machen. Anstatt am Zoomring zu drehen um den geeigneten Bildausschnitt zu bekommen, muß man sich bewegen. Das ist nicht nur gesund, sondern schult auch das Auge.


Dazu gibt es ein passendes Zitat des 1921 in Wien geborenen, österreichischen Fotografen Ernst Haas:

„Das beste Weitwinkelobjektiv? Zwei Schritte zurück“

Daher ein Tipp an alle Fotografie-Einsteiger:

Kauft euch eine Festbrennweite, es lohnt sich!

Das Nikkor AF 50mm f/1.8D zum Beispiel, gibt es schon für ca. 100 € in Internet. Auch von Canon oder anderen Herstellern gibt es entsprechende Angebote in dieser Preisklasse.


Mit meiner Tasche und einer leichten Jacke bepackt, machte ich mich am frühen Nachmittag auf den Weg durch Ennis und entdeckte auf meinem Spaziergang nette Objekte, die ich sonst nie so wahrgenommen, oder überhaupt gesehen hätte. Wie z. B. im nachfolgenden Bild – Die Ketten an der Grundstücksgrenze unserer örtlichen Bibliothek.

Es sieht aus, als wenn diese durch den Baum hindurchgehen würden. In der Hektik beim Einkaufen oder vom Auto aus, fallen einem solche Dinge gar nicht erst auf. Macht Euch in eurem Heimatort mal zu Fuß auf den Weg, Ihr werdet staunen…

Ich schlenderte ca. 1-2 Stunden durch den Ort und kam an Plätze, die ich bisher noch nie besucht hatte, seit ich 2013 hergezogen bin.

(Das gesamte Album findet Ihr auf der Facebook-Seite)

So kam ich am Ende meiner Tour an eine Brücke, die ich unbedingt fotografieren wollte und hörte schon von weitem, wie jemand Gitarre spielte. Als ich näher kam, saß dort ein älterer Mann auf der Mauer am Fluß und zupfte an den Saiten seiner Holzgitarre. Mit dem Fluß davor war dies eine interessante Komposition und ein weiteres Motiv für meine Bilderreihe, die ich komplett in schwarz/weiß geplant hatte. Da er mit dem Gesicht zum Fluß saß, bemerkte er mich erst gar nicht. Erst als er mein etwas lauteres „How are you“ vernahm, drehte er sich zu mir herüber.

Wir unterhielten uns natürlich erstmal kurz über das Lieblingsthema der Iren – das Wetter. Ich fragte ihn, ob ich ein paar Bilder von ihm machen dürfte, da ich dieses Bild von ihm vor dem Fluss so interessant fand. Er hatte nichts dagegen und lächelte mit einem freundlichen „If you like“ zu mir herüber.


Im Verlauf unserer netten Unterhaltung erzählte mir Peter, wie er sich mir vorstellte, über seine Zeit in München, wo er vor vielen Jahren als Maler gearbeitet hatte und sang mir stolz eine Zeile des Liedes „Lili Marleen“ von Marlene Dietrich vor, das er noch aus dieser Zeit kannte.


Nach ca. 15 Minuten verabschiedeten wir uns und ich spazierte zurück zum Parkplatz. Die Bilder von Peter waren das Highlight des Tages und wieder einmal ein Fall von „perfect timing“.


Wäre ich eine halbe Stunde später dort gewesen, wäre Peter wahrscheinlich bereits weitergezogen, denn die Wolken wurden allmählich dichter und dunkler.

Ich hatte die richtige Zeit für meinen Spaziergang durch Ennis gewählt.

Werbung