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Typisch Irisch?

Als ich in den letzten Tagen über meine erste Zeit hier auf der Insel nachgedacht hatte fiel mir eine Begebenheit ein, die ich trotz vieler neuer Eindrücke und Erfahrungen damals, doch nie vergesse hatte.

Es muss so Mitte Oktober 2011 gewesen sein, also 2–3 Wochen nach dem vorerst letzten Flug in meine neue Wunschheimat. Natürlich war auch das ein besonderer Moment, ins Flugzeug zu steigen mit dem Wissen, dass ich diesmal keinen Rückflug gebucht hatte. Vor allem ohne wieder Abschied nehmen zu müssen von Irland und einem geliebten Menschen den man nun wieder wochenlang vermissen würde und dem man nur per Skype „Gute Nacht“ sagen konnte. Zum Glück hatte ich während dieser Zeit einen guten Arbeitgeber, der es mir ermöglichte, öfter mal nur ein oder zwei Tage ans Wochenende dranzuhängen um auf die Insel zu fliegen.

Aber zurück zur eigentlichen Geschichte. Da ich nun in Irland nach einer Arbeit suchte, bat mir ein Bekannter meiner (damals noch) Verlobten an, ihm beim Streichen eines Hauses in einer nahe gelegenen Kleinstadt zu helfen. Quasi als Probetag, denn ich hatte ihn gefragt, ob er nicht noch Arbeiter auf seiner Farm suchte. Es sollte also nun die Außenmauer des schmalen, einstöckigen Reihenhauses in der Stadtmitte gestrichen werden. Das Haus gehörte ihm und es sollte in Kürze wieder vermietet werden. So fuhr ich mit ihm die 20 Minuten in die Stadt, wo ich mit den Malerarbeiten begann, während er kleine Ausbesserungsarbeiten in den einzelnen Zimmern vornahm.

Nach einiger Zeit öffnete sich die Türe des Nachbarhauses und ein alter Mann trat auf den Gehweg. Sein weißer Bart war lang genug, um den obersten Kragen seines offensichtlich oft getragenen Hemdes zu verdecken. Ich begrüßte ihn freundlich. Nachdem er mich einige Minuten durch seine von Tränensäcken und tiefen Falten umrandeten Augen beobachtet hatte fragte er mich lächelnd, ob ich eine Tasse Tee möchte. Der Blick in sein Gesicht verriet mir, dass dieser Mann schon einiges erlebt hatte. Da ich nicht unhöflich sein wollte und mein „Arbeitgeber“ ohnehin gerade unterwegs war um Besorgungen zu machen, nahm ich sein Angebot an. Eine kleine Pause tat mir zu diesem Zeitpunkt ohnehin ganz gut.

Ich folge ihm in sein spärlich eingerichtetes Haus wo er mir den bereits frisch gebrühten Tee in eine Tasse goss. Da er die einzige Person in dem Haus mit geschätzten 3–4 Zimmern war, denke ich, dass er froh war, ein wenig Gesellschaft und Ablenkung zu haben. Wir hatten uns unterhalten so gut es damals ging. Sein Englisch war überraschend deutlich und so erzählte er mir, dass seine Frau bereits vor Jahren gestorben war. Als ich ihm erzählte, warum und seit wann ich auf der Insel war, berichtete er mir stolz von seinem Sohn. Dieser war auch ausgewandert. Er lebte mittlerweile in England und hatte dort auch studiert.

Nach zwei Tassen Tee bedankte ich mich für die Einladung und verabschiedete ich mich wieder, aber dieses Erlebnis blieb mir doch in Erinnerung. Ich fragte mich, ob mir das als Fremder in Deutschland auch so passiert wäre…

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