Auf Delfin-Safari

Im Juli 2018 hatte ich erneut die Gelegenheit, Delfine aus der Nähe zu betrachten. Da ich eine Woche Urlaub hatte und wir mit unserem Besuch aus Deutschland etwas Besonderes unternehmen wollten, entschieden wir uns für eine Delfin-Tour. Wir hatten vor einigen Jahren bereits eine Delfin-Tour in Kilrush, Co. Clare, unternommen, aber leider kaum Delfine gesehen. Wenn sie sich gezeigt hatten, dann sehr weit weg.

Wenn man im Internet unter „Whale watching“ sucht, findet man diverse Unternehmen, die entsprechende Touren anbieten. Unsere Wahl fiel auf „Whale Watch West Cork“ in Baltimore im County Cork. Baltimore liegt südwestlich von Skibbereen und ist einer der südlichsten Orte Irlands. Aufgrund der Lage hoffte ich, diesmal mehr Glück zu haben.

Die Tour startete gegen 14 Uhr, daher machten wir uns nach einem ordentlichen Frühstück am frühen Vormittag rechtzeitig auf den Weg. Immerhin sind es von Ennis nach Baltimore etwas mehr als 200 km oder ca. 3,5 Stunden reine Fahrtzeit ohne Zigarettenpausen unseres Besuches, denn im Auto wurde nicht geraucht. Zum Glück hatten meine Frau und ich dieses Problem nicht mehr, denn im Dezember 2014 hatte ich den Glimmstängeln endgültig abgeschworen und mir fehlen sie bis heute nicht. Meine bessere Hälfte raucht seitdem „elektrisch“. Das Rauchen aufzuhören war nicht nur aus gesundheitlichen Gründen von Vorteil. Bei einem Zigarettenpreis von ca. 14 € pro Packung (Stand 2021) kann man sich ausrechnen wie viel Geld wir mittlerweile eingespart haben…

Als wir also gegen 13 Uhr in Baltimore am Hafen ankamen, bestand die Herausforderung nun darin, einen Parkplatz zu finden. Aufgrund des sommerlichen Traumwetters war das Gebiet rund um das Hafengelände voll mit Autos, die an jeder nur möglichen Ecke der ohnehin schmalen Straßen parkten. Der öffentliche Parkplatz am Hafen war auch bis auf den letzten Zentimeter ausgefüllt. Dazu kamen noch unzählige Fußgänger, die sich in den Straßen tummelten, denn die Cafés und Bars, die an der Straße etwas oberhalb des Hafens lagen, hatten aufgrund ihrer genialen Lage alle Außenbereiche mit Meerblick.

Während sich meine Frau mit unserem Besuch schon zu Fuß in Richtung Kai begab, wo bereits das Boot wartete, fuhr ich immer noch mit unserem Auto um das Gelände herum und hoffte, irgendwo eine Parkmöglichkeit zu finden. Langsam wurde die Zeit knapp. Schließlich entschied ich mich dazu, mich vor dem überfüllten Parkplatz zu postieren und abzuwarten bis der erste Wagen wegfährt. Eine gute Entscheidung. 10 Minuten später wurde endlich ein Platz frei und ich machte mich schnell auf den Weg zum Boot. 15 Minuten später war Abfahrt. Hier hatte ich auch noch die tolle Gelegenheit, den „Baltimore Beacon“ diesmal von der Seeseite aus zu fotografieren, nachdem ich ein paar Monate zuvor Bilder von dort oben gemacht hatte.

Delfin-Safari in Baltimore
Abfahrt in Baltimore

Als wir nach ca 1,5 Stunden unser Zielgebiet vor der Küste Irlands erreicht hatten, stoppte unser Kapitän den Motor des Bootes um Ausschau nach Delfinen oder Walen zu halten, die sich üblicherweise hier aufhielten. Leider war nichts zu sehen. So fuhr er langsam weiter in Richtung Meer hinaus. Er erklärte uns, dass es nicht immer mit dem Beobachten der Delfine klappt, denn diese zeigen sich nur, wenn sie auch Lust dazu haben und in Spiellaune sind. Er sprach sich immer wieder über Funk mit dem Kapitän des zweiten Bootes ab, das in derselben Gegend unterwegs war, um zu hören, ob die andere Gruppe schon was gesichtet hatte.

Nach einiger Zeit wurde es unruhig auf dem Boot, denn die ersten Delfine zeigten sich und begannen allmählich, in der Nähe der Boote herumzuschwimmen und kurz aus dem Wasser zu springen, um dann wieder abzutauchen. Auch wenn man diese wunderbaren Tiere nur immer für einige Sekunden zu Gesicht bekam, war es doch ein ergreifender und fast magischer Moment, ihnen so nahe sein.

Delfine in Irland
Delfine im Atlantik

So verbrachten wir eine gute Stunde auf dem Atlantik. Das Spiel der Delfine ging auch weiter, als sich unser Boot wieder langsam in Richtung Festland in Bewegung setzte. Sie hatten Spaß daran, immer kurz neben oder vor dem Boot aufzutauchen und gleich wieder zu verschwinden. Dieses Spiel hielt mich jedoch ziemlich in Bewegung. Immer wenn ich mich auf einer Seite des Bootes aufhielt und die Kamera im Anschlag hatte, meldete einer der Touristen die Tiere auf der anderen Seite. Also hieß es, schnell die Seite zu wechseln, die Kamera vors Auge zu halten und auf die vermeintliche Stelle zu fokussieren, wo sie hoffentlich nochmal auftauchen würden.

Obwohl wir keine Wale zu sehen bekamen, war dieser Tag doch unvergesslich und bescherte mir ein paar besondere Fotos in meiner Sammlung.

Hier laut Whale Watch West Cork die besten Jahreszeiten für Beobachtungen je nach Gattung:

März bis Mai – Rundkopfdelfine
März bis November – Zwergwale
April bis Juli – Riesenhaie
Juli bis August – Atlantischer Sonnenbarsch
August bis Dezember – Gewöhnliche Delfine
September bis Dezember – Finnwale
November bis Januar – Buckelwale

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Fionn im Schnee

Neues vom Landschaftsfotoschaf


Heute Vormittag hatte es angefangen zu schneien. Das war natürlich eine willkommene Abwechslung für Fionn. Danach ging es aber rasch vor den gemütlichen Kamin, um sich wieder aufzuwärmen. 

Fionn, das Landschaftsfotoschaf im Schnee
Fionn, das Landschaftsfotoschaf

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Typisch Irisch?

Als ich in den letzten Tagen über meine erste Zeit hier auf der Insel nachgedacht hatte fiel mir eine Begebenheit ein, die ich trotz vieler neuer Eindrücke und Erfahrungen damals, doch nie vergessen hatte.

Es muss so Mitte Oktober 2011 gewesen sein, also 2–3 Wochen nach dem vorerst letzten Flug in meine neue Wunschheimat. Natürlich war auch das ein besonderer Moment, ins Flugzeug zu steigen mit dem Wissen, dass ich diesmal keinen Rückflug gebucht hatte. Vor allem ohne wieder Abschied nehmen zu müssen von Irland und einem geliebten Menschen den man nun wieder wochenlang vermissen würde und dem man nur per Skype „Gute Nacht“ sagen konnte. Zum Glück hatte ich während dieser Zeit einen guten Arbeitgeber, der es mir ermöglichte, öfter mal nur ein oder zwei Tage ans Wochenende dranzuhängen um auf die Insel zu fliegen.

Aber zurück zur eigentlichen Geschichte. Da ich nun in Irland nach einer Arbeit suchte, bat mir ein Bekannter meiner (damals noch) Verlobten an, ihm beim Streichen eines Hauses in einer nahe gelegenen Kleinstadt zu helfen. Quasi als Probetag, denn ich hatte ihn gefragt, ob er nicht noch Arbeiter auf seiner Farm suchte. Es sollte also nun die Außenmauer des schmalen, einstöckigen Reihenhauses in der Stadtmitte gestrichen werden. Das Haus gehörte ihm und es sollte in Kürze wieder vermietet werden. So fuhr ich mit ihm die 20 Minuten in die Stadt, wo ich mit den Malerarbeiten begann, während er kleine Ausbesserungsarbeiten in den einzelnen Zimmern vornahm.

Nach einiger Zeit öffnete sich die Türe des Nachbarhauses und ein alter Mann trat auf den Gehweg. Sein weißer Bart war lang genug, um den obersten Kragen seines offensichtlich oft getragenen Hemdes zu verdecken. Ich begrüßte ihn freundlich. Nachdem er mich einige Minuten durch seine von Tränensäcken und tiefen Falten umrandeten Augen beobachtet hatte fragte er mich lächelnd, ob ich eine Tasse Tee möchte. Der Blick in sein Gesicht verriet mir, dass dieser Mann schon einiges erlebt hatte. Da ich nicht unhöflich sein wollte und mein „Arbeitgeber“ ohnehin gerade unterwegs war um Besorgungen zu machen, nahm ich sein Angebot an. Eine kleine Pause tat mir zu diesem Zeitpunkt ohnehin ganz gut.

Ich folge ihm in sein spärlich eingerichtetes Haus wo er mir den bereits frisch gebrühten Tee in eine Tasse goss. Da er die einzige Person in dem Haus mit geschätzten 3–4 Zimmern war, denke ich, dass er froh war, ein wenig Gesellschaft und Ablenkung zu haben. Wir hatten uns unterhalten so gut es damals ging. Sein Englisch war überraschend deutlich und so erzählte er mir, dass seine Frau bereits vor Jahren gestorben war. Als ich ihm erzählte, warum und seit wann ich auf der Insel war, berichtete er mir stolz von seinem Sohn. Dieser war auch ausgewandert. Er lebte mittlerweile in England und hatte dort auch studiert.

Nach zwei Tassen Tee bedankte ich mich für die Einladung und verabschiedete ich mich wieder, aber dieses Erlebnis blieb mir doch in Erinnerung. Ich fragte mich, ob mir das als Fremder in Deutschland auch so passiert wäre…

Mieten auf Irisch

Inspiriert durch einen Artikel in einem anderen Blog, kam mir die Idee zu der heutigen netten Geschichte, die ich Euch nun hier erzählen möchte.

Nachdem ich nach Irland ausgewandert war, wohnten wir im County Tipperary, wo ich auch fast ein Jahr nach einem Job gesucht hatte. Ja, Ihr habt richtig gelesen, „ich“ bin nach Irland ausgewandert. Meine Frau lebte schon länger auf der Insel (siehe den Artikel: Auf zu neuen Ufern). Als ich auf meine Bewerbung einer IT-Firma in Shannon innerhalb 24 Stunden eine Antwort bekam und ca. 2 Wochen später meinen neuen und ersten Job in Irland antrat, musste ich von nun an täglich die ca. 100 km in die Arbeit fahren und natürlich auch wieder zurück.

Nachdem wir dann im Mai 2013 geheiratet hatten und meine Frau im Herbst auch noch bei derselben Firma einen Job bekam, entschieden wir uns, in den County Clare und somit näher zur Arbeit umzuziehen. Im November 2013 fand meine Frau im Internet ein Haus in Ennis, für welches ein neuer Mieter gesucht wurde. Kurzerhand hatte sie den Vermieter kontaktiert und machte einen Termin zur Besichtigung.

Wir trafen Paul, den Vermieter, an einem Samstag am Rande des entsprechenden Estates und fuhren ihm zu der exakten Adresse hinterher. Dort öffnete er uns die Tür des Hauses und zeigte uns kurz die Zimmer im Erdgeschoss. Nachdem wir sichtlich angetan von den ersten Eindrücken waren, sagte er, er wäre kurz mal im Pub in der Nähe, um eine Tasse Kaffee zu trinken. Wir sollen uns in Ruhe das Haus ansehen, er käme in ca. 20 Minuten zurück um dann alles Weitere zu besprechen. Dann fuhr er weg…

Meine Frau und ich sahen uns mit großen Augen an. Jetzt standen wir 100 km von unserem Wohnort entfernt in einem fremden Haus. Der Eigentümer wusste absolut nichts von uns, außer dass wir beide in Shannon in derselben Firma arbeiten. Meine Frau kannte er zumindest von dem kurzen Telefonat ein paar Tage zuvor als wir den Termin vereinbarten, mich hat er an diesem Tag zum ersten Mal gesehen. Ich war gespannt, wie das weitergeht. Wir sahen uns erstmal den Rest des Hauses an und waren beide begeistert.

Wie besprochen kam Paul auch nach einer guten halben Stunde zurück und fragte, ob uns das Haus gefällt. Unsere strahlenden Gesichter waren Antwort genug, daher wurden wir uns schnell einig. Auch unsere Hunde waren glücklicherweise kein Problem.

Paul nannte uns nochmal die Höhe der Mietkaution sowie der monatlichen Miete und übergab mir die Hausschlüssel. Den Mietvertrag und die Bankverbindung würde er uns per Mail zuschicken. Dann verabschiedete er sich. Ich musste das erstmal im Kopf ordnen. Dass in Irland diverse Dinge einfacher sind, hatte ich ja gewusst, aber sowas hätte ich nicht erwartet.

Geistesgegenwärtig bemerkte meine Frau noch, dass er sich doch wenigstens unsere Mailadresse notieren sollte, denn er hatte ja bis dahin nur unsere Vornamen und die Handnummer meiner Frau. Er notierte sich noch schnell die Mailadresse und machte sich auf den Heimweg ins ca. 2 Autostunden entfernte Cork. Ich konnte immer noch nicht fassen, was da passiert war. Dieser Tag war noch lange Gesprächsstoff, vor allem wenn wir unserer Familie und Freunden in Deutschland davon erzählten.

Einige Tage später begannen wir allmählich mit dem Umzug und auch die Hunde fühlten sich wohl im neuen Heim.

In einem späteren Gespräch stellte sich heraus, dass unsere Vermieter nur Gutes von den Deutschen und ihrer Korrektheit sowie ihrer Pünktlichkeit gehört hatten. Daher waren sie froh, uns als Mieter zu bekommen.