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Auf zu neuen Ufern

Ein Leser meines Blogs hatte mich vor ein paar Wochen gefragt, wie ich eigentlich nach Irland gekommen bin. Da ich heuer im Herbst „10 Jahre Irland“ feiern kann, habe ich nun die freien Tage genutzt, um die Geschichte hier niederzuschreiben.

Irland war schon als Kind in den 70er Jahren für mich faszinierend, nicht nur wegen der Musik. Mit meinem Kassettenrecorder nahm ich damals in meinem Zimmer neben Hardrock auch gerne Folksongs auf, die im Radio gespielt wurden. Dabei waren z. B. Stücke der Gruppe Steeleye Span, die einzige Band, an deren Namen und Lieder ich mich heute noch erinnere.

Auch die wenigen Bilder, die man damals von dieser Insel mit ihren grünen Hügeln und Wiesen sah, zogen mich bereits früh in ihren Bann. Besonders die Ruhe, die diese Bilder ausstrahlten, weckten immer eine eigenartige Sehnsucht in mir und ich träumte schon als kleiner Junge davon, in einer alten Hütte in Irland gemütlich vor einem Kamin zu sitzen. Dieses Bild sollte ca. 40 Jahre später tatsächlich Wirklichkeit werden.

In dieser Zeit wurde auch die Kelly Family in Deutschland allmählich bekannt. Ich erinnere mich noch, als meine Mutter einmal vom Einkaufen aus der Stadt zurückkam und mir begeistert erzählte, dass dort irische Straßenmusiker in traditionellen grünen Gewändern, zusammen mit ihren Kindern und so tollen Stimmen, in der Fußgängerzone auftraten und sich „Die Kelly Family“ nannten. Wenn mir damals einer erzählt hätte, ich würde einen von ihnen Jahrzehnte später zufällig in Irland beim Einkaufen treffen…

Ja, ich hatte vor 1 oder 2 Jahren Angelo mit zwei seiner Kinder beim Einkaufen in Ennis entdeckt, als er mit seinem Einkaufswagen vor mir herlief. Ich hatte ihn aber aus Respekt in Ruhe gelassen, obwohl ich mir schon überlegt hatte, kurz zu fragen, ob er für ein kurzes Foto mit mir zusammen Zeit hätte, habe es mir aber dann doch anders überlegt. Er sollte wenigstens hier seine Ruhe haben.

Jedenfalls war Irland schon immer ein besonderes Thema für mich, auch wenn ich es nie geschafft hatte, wenigstens mal Urlaub auf dieser Insel zu machen. Es ging eher in die Schweiz zum Skifahren oder nach Italien zu Bekannten, aber Irland schien in weiter Ferne.

Wir machen einen Zeitsprung in das Jahr 2010. Dort traf ich im Oktober auf Facebook meine Jugendschwärmerei Sabine durch Zufall nach vielen Jahren wieder. Wir kannten uns noch aus der Zeit um 1988, als ich im Osten Münchens wohnte. Dort besuchten wir dieselbe Diskothek und hatten viele gemeinsame Freunde. All die Jahre hatte ich sie nie vergessen, auch wenn wir damals nicht so viel Kontakt hatten, wie ich es mir gewünscht hätte. Für mich schien dieses Mädchen jedoch immer unerreichbar, so wurde nie mehr als ein netter Nachmittag daraus, den wir gemeinsam verbrachten. Irgendwann sind wir beide in andere Städte umgezogen und hatten daher keinen Kontakt mehr.

Bis zu jenem Tag als wir uns zufällig auf Facebook wiederfanden und zu schreiben begannen. In einer der ersten Mails schrieb sie am Ende des Textes „liebe Grüße aus Irland“ und ich fragte, ob sie gerade im Urlaub wäre. Ihre Antwort: „Nein, ich lebe hier“… Wow, dachte ich… Irland.

Im Laufe der Zeit wurden unsere Nachrichten persönlicher und spätere Telefonate und nächtelange Skype-Sessions intensiver. So entwickelten sich langsam Gefühle bei uns, die über eine normale Freundschaft hinausgingen. Im Dezember kam Sabine für ein paar Tage nach Deutschland und wir fielen uns endlich in die Arme.

Im Januar 2011 flog ich für eine Woche nach Irland und sah dieses Land zum ersten Mal live. Sabine wohnte damals im County Tipperary und unternahm mit mir kleine Tagestouren z. B. zum Lough Derg oder Clare Glens und ich war begeistert und verliebte mich durch und durch in dieses Land und seine Menschen, von denen ich einige in dieser Woche kennenlernen durfte.

Die ersten Fotos in Irland incl. erster Pub-Besuch:

Von nun an flog ich alle paar Wochen/Monate, je nach Urlaubsmöglichkeit und Geldbeutel, zu Sabine und in mein geliebtes Irland. Seit dem ersten Besuch auf der Insel war mir klar: Deutschland wird eines Tages nur noch Urlaubsziel sein.

So kam es, dass ich Sabine im Sommer 2011 fragte, ob sie meine Frau werden möchte und nachdem ohne Zögern ein glückliches „Ja“ als Antwort kam, stand meine Entscheidung fest. Irland wird meine neue Heimat.

Im September 2011 brach ich die Zelte in Deutschland ab, kündigte meinen Job und wanderte nach Irland aus. Meine Klamotten und kleine Dinge, die ich nicht täglich brauchte, schickte ich nach und nach per Postpaket, der Rest kam in zwei Reisekoffern beim letzten Flug mit. Meine Eigentumswohnung in Deutschland wurde erst vermietet und nach ein paar Jahren dann verkauft. Auch Motorrad und Pkw wechselten schon vorab den Besitzer. Die letzten Tage vor dem Flug fuhr ich noch mit einem 300 Euro teuren Wagen durch die Gegend, dessen TÜV gerade noch gültig war und der ohnehin fast auseinanderfiel. Diesen hatte ich dann bei einer Werkstatt zum Verkauf abgestellt.

Anfangs hatten wir in einem kleinen, netten Cottage im County Tipperary gelebt. Als ich eines Tages so vor unserem Kamin saß, erinnerte ich mich wieder an den Moment, als ich diese Szene so ähnlich als Kind vor mir sah und grübelte darüber nach, ob es sowas wie Vorsehung geben kann oder dies nur Zufall ist. Aber egal, ich war glücklich hier auf der Insel und habe es noch an keinem Tag bereut.

Zu Hause in Irland – Herbst 2011

Die Suche nach einem Job gestaltete sich dann doch mühsamer als wir gedacht hatten, denn gerade in der Gegend, in der wir lebten, gab es nicht viel außer Farmen oder Reiterhöfe. Unzählige Bewerbungen wurden verschickt, aber monatelang keine Antwort oder Absagen.

Bis ich durch Zufall in der Jobbörse im Internet auf eine Stellenausschreibung klickte, die interessant klang. Eine Firma in Shannon suchte deutschsprachige Mitarbeiter für den Kundendienst. Schnell hatte ich meine Bewerbung noch am Abend abgeschickt und schon am nächsten Tag kam der Anruf, in dem man mich zum Interview einlud. Dieses verlief auch sehr gut und ich trat ca. 2 Wochen später meinen ersten Job in Irland an.

Da ich nun jeden Tag ca. 100 Kilometer einfach in die Arbeit fahren musste, entschieden wir uns 2013 jedoch, nach Ennis im Co. Clare umzuziehen. Jetzt hatte ich nur noch 20 Minuten zur Arbeit und vor allem deutlich geringere Fahrtkosten.

2013 haben wir auch geheiratet und die Hochzeit war für die meisten der ca. 30 Gäste aus Deutschland ein besonderes Erlebnis, denn viele waren zum ersten Mal auf der Insel. Die Feiern im Restaurant und in den beiden Pubs, zu denen sich auch vielen irische Freunde und Bekannte gesellten, hatten es in sich, denn die Feierlichkeiten gingen von Freitag Vormittag bis Samstag Abend. Darüber könnte ich fast schon einen eigenen Beitrag schreiben.

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