Retro vs. Neuzeit

Eine neue Quartalsaufgabe mit dem Thema „Retro“ von Bernhard (DerAmateurPhotogaf.de)

Die alte Kodak 1 Junior hatte ich von ein paar Jahren von meiner Schwiegermutter bekommen. Meine Frau hat sogar mit dieser Kamera noch Bilder gemacht.

99 Jahre trennen diese beiden Kameras voneinander

Links: Nikon D610, erstmals veröffentlicht 2013
Rechts: Kodak 1 Junior, erstmals produziert 1914

Nikon D610 vs. Kodak 1 Junior
Retro vs. Neuzeit
Kodak 1 Junior

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Die Parade der Oldies

Beim Durchsuchen meiner älteren Fotos kam ich auch auf die Datei mit den Bildern vom Retro Cannonball Ireland 2019 und dachte, das wäre mal eine Abwechslung zu den üblichen Landschaftsbildern von der Insel.

Der Begriff der Cannonball-Rennen geht zurück auf die 70er Jahre. Dort wurden damals in Amerika illegale Autorennen von New York nach Los Angeles durchgeführt. Namensgeber dieser Rennen war der Motorradfahrer Erwin George Baker, der durch diverse Rekorde auch als Erwin „Cannonball“ Baker bekannt wurde. Baker war auch einer der Gründer der Tourenwagen-Rennserie NASCAR.

Cannonball Ireland ist Europas größter organisierter Supercar-Roadtrip. Dieser findet seit 2009 jährlich auf der Insel statt. 2019 gab es erstmals auch den Retro Cannonball Roadtrip. Bei diesem nehmen Fahrzeuge aus den 60er, 70er und 80er Jahren teil.

Als Zielort am Ende der 2tägigen Tour durch Irland wurde der Ort Bunratty im County Clare ausgewählt. Zu meinem Glück liegt dieser nur 25km von Ennis entfernt, daher war der Termin des 13. Juli bereits von mir fest eingeplant und ich hoffte, das Wetter würde mitspielen.

Glücklicherweise war es auch warm und sonnig an jenem Samstag und so fuhr ich bereits am frühen Nachmittag nach Bunratty. Die ersten Teilnehmer wurden zwar erst gegen 18 Uhr erwartet, aber ich wollte genügend Zeit haben, um einen guten Parkplatz zu finden und auch vorab schon zu erkunden, wo ich mich später platziere um die Fotos zu machen.

Mein Standort war so gewählt, dass sich möglichst wenige Zuschauer ins Bild quetschen können. Gleichzeitig wollte ich auch einen guten Winkel zu den einfahrenden Fahrzeugen haben, ohne zu viele Gebäude oder sonstige störende Objekte ins Bild zu bekommen. Daher platzierte ich mich zuerst im Inneren einer Kurve gegenüber des Bunratty Castles, in der die Autos von der Hauptstraße zum Zielgelände abbogen. Im Inneren der Kurve steht auch eine Skulptur auf einem Betonsockel. Dort kann man sich bei Bedarf kurz setzen, und ein weiterer Vorteil hier ist: Die Seitenstraße ist minimal abschüssig, so hatte ich in der Hocke einen genialen Blick auf die Fahrzeuge, die dort abbiegen und daher auch langsamer fahren mussten.

Dort machte ich die ersten Bilder und war begeistert über das, was da alles an mir vorbeifuhr. Neben Ferrari, Mercedes, Porsche und Co. nahmen auch echte Raritäten teil, die noch alte irische, schwarz/silberne Kennzeichen montiert hatten. Die teilnehmenden Fahrzeuge waren, neben den Startnummern und dem Retro Cannonball-Logo, auch mit diversen Aufklebern des Sponsors beklebt.

Darunter mischten sich auch Fahrzeuge, die nicht offiziell teilnahmen, aber definitiv in den Korso passten, wie diese beiden Exemplare hier:

Mittlerweile hatte sich auch ein Stau in Richtung „Ziel“ gebildet, so kam ich noch näher an die Fahrzeuge heran.

Mein persönliches Highlight war (neben dem Ferrari) ein weißer Excalibur Phaeton, der aussah, als wäre er gerade frisch aus der Fabrik gekommen. Ein traumhafter Wagen und live noch schöner, als man ihn aus dem Internet kannte. Als ich der Straße später in Richtung „Ziel“ folgte, hatte ich aufgrund des Staus die Gelegenheit, noch mehr Fotos von diesem Schmuckstück zu machen.

Am Ziel hatte ich noch ein paar Fotos gemacht, was aber zunehmend schwieriger wurde, da nun immer mehr Besucher zum Ziel strömten und sich vor allem um den Ferrari und den Excalibur drängten. Ein vernünftiges Foto wäre hier definitiv nicht mehr möglich gewesen.

2020 wurde die Veranstaltung wegen Corona abgesagt. Für 2021 ist aktuell der August geplant, mal sehen wie es bis dahin in Sachen Lockdown aussieht. Mit etwas Glück gibts dann neue Bilder von den Oldies…

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Das Baby ist da

Letzte Woche kam es nach ca. 1 Woche Lieferzeit mit der Post an. Schon seit Wochen hatte ich es mir immer wieder angesehen, überlegt ob ich es kaufe oder nicht und nachdem ich von meinem Arbeitgeber einen Einkaufsgutschein zu Weihnachten bekommen hatte, wurde es nun doch bestellt.

Die Wahl fiel auf das „Lensbaby Composer Pro II mit Sweet 50 Optik“. Ein-Tilt-Objektiv mit einer Lichtstärke von f/2,5 und einer Brennweite von 50 mm (Vollformatsensor).

Die ersten Erfahrungen mit Lensbaby hatte ich bereits vor 2 Jahren gemacht, als ich mir das „Lensbaby Spark“ zugelegt hatte. Allerdings war ich nach einiger Zeit unzufrieden und eher genervt vom Handling des ca. 100 Euro teuren Spielzeuges. Beim Spark lässt sich der Fokuspunkt zwar auch verschieben, allerdings geht das mittels einer gummigelagerten Linse, die mit den Fingern in die entsprechende Position gebracht und dort während der Aufnahme auch gehalten werden muss, da sie sonst wieder in die Ausgangslage zurück schwenkt. Gleichzeitig muss auch der Abstand zum Objekt mit den Fingern so gehalten werden, dass der gewünschte Bereich scharf wird… Kurz gesagt: Es gilt, mit seinen Händen die Kamera zu halten, das Objektiv korrekt zu schwenken und zu quetschen und dann auch noch den Auslöser zu drücken. Wenn sich dann auch noch das Objekt selbst bewegt, wird das eine nervenaufreibende Sache. Das Teil habe mittlerweile wieder verkauft.

Anders verhält sich das beim Composer Pro II. Das Composer Pro II selbst ist das entsprechende Gehäuse in das dann diverse Optiken (wie z. B. die Sweet 50) eingesetzt werden können und das sich mittels eines Kugelkopfes schwenken lässt. Dieser bleibt dann auch in dieser Stellung. So kann man den Fokuspunkt da setzen wo man ihn haben möchte. Die Schärfe stellt man, wie auch bei anderen Objektiven, über einen Drehring ein.

Der Vorteil davon ist: Wechselt man z. B. das Fabrikat seiner Kamera, muss nur das neue Gehäuse mit dem entsprechenden Anschluss gekauft werden. Die Optikeinsätze können dann in dem neuen Gehäuse weiterhin verwendet werden. Es gibt neben der Sweet 50 auch noch die entsprechende Sweet 35 (mit 35 mm Brennweite) oder diverse andere Einsätze mit interessanten Möglichkeiten. Das Composer Pro II habe ich incl. der Sweet 50 Optik bei dem bekannten Onlineversandhändler mit dem Großen „A“ für einen Nettopreis von unter 300 Euro incl. Versandkosten aus Deutschland bekommen. Preis aktuell auf der Webseite des Herstellers: 479,90 € + Versandkosten.

Die Sweet 50 Optik hat (wie auch die Sweet 35) einen radialen, selektiven Schärfebereich. Die Schärfentiefe lässt sich durch die verstellbare Blende von f/22 bis f/2,5 verstellen und bietet so diverse Möglichkeiten der Bildgestaltung. Der minimale Fokusbereich liegt bei 38 cm.

Die beiden Bilder hier wurden mit geschlossener Blende (links) und der max. geöffneten Blende (rechts) aufgenommen.

Wie bei allen Lensbaby-Objektiven handelt es sich auch hier um ein manuelles Objektiv ohne Bildstabilisator oder sonstigen elektronischen Hilfen. Das heißt: Das Scharfstellen muss man selbst übernehmen. Hier sind natürlich Kameras mit Focus Peaking von Vorteil.

Leider hatte ich aufgrund von Lockdown und Regenwetter noch nicht viel Gelegenheit, das Objektiv zu testen aber die ersten Bilder machen mich zuversichtlich und ich freue mich schon auf den Sommer – hoffentlich ohne Lockdown.

Hier nochmal zwei Vergleiche mit unterschiedlichen Blendenstufen (aus der Hand fotografiert):

Die ersten Versuche unterwegs bei der Gassirunde:

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Verlassene Mauern (Teil 2)

Im heutigen Teil zeige ich Euch zwar kein verlassenes Haus, aber ich denke, auch diese Ruine darf bei diesem Projekt nicht fehlen. Immerhin nennt man Kirchen ja auch Gotteshäuser.

Es handelt sich hier um die 1825 erbaute „Rathronan Church“ in der Nähe von Clonmel im County Tipperary. Nachdem ich das erste Bild dieser Kirche vor ein paar Jahren auf Facebook entdeckt hatte, musste ich sie einfach live sehen. Sie schien noch relativ gut erhalten und der Efeu, der inzwischen einen Großteil der Mauern bedeckt, gibt ihr ein etwas mystisches Aussehen.

So machte ich mich im September 2017 auf die Suche und wurde bald fündig. Die Kirche ist von der Hauptstraße aus nicht zu sehen. Hohe Bäume und Büsche auf beiden Seiten des ca. 300m langen Zufahrtsweges lassen diesen aussehen wie eine gewöhnliche, längere Hofeinfahrt, wie man sie oft in Irland findet. Es gibt auch kein Schild, welches den Weg zur Kirche anzeigt.

Fährt man den Seitenweg entlang, kommt man an ein verschlossenes Eisentor neben einer kleinen Lücke in einer der seitlichen Mauern, die wie eine kleine Treppe gestaltet ist. So kommt man zumindest zu Fuß zur Kirche.

Der Boden um die Kirche besteht zum Großteil aus steinigem, unebenem Erdreich, aus dem alte Grabsteine ragen, mit Bäumen dazwischen, die dem gesamten Grundstück ein Aussehen verleihen wie eine Filmkulisse aus einem Horrorfilm. Etwas unterhalb der Kirche stehen die Grabsteine deutlich dichter und die Lücken dazwischen sind durchzogen von wildwucherndem, hohem Gras. Dies ist ein genialer und seltener Anblick.

Die Kirche selbst hat keine Türen und auch kein Dach mehr und den Efeu, der sich über die Fassade erstreckt, findet man auch im Innenraum der Kirche. Dazwischen wachsen kleine Bäume, die sich mittlerweile auch dort ausgebreitet haben. Das hohe Fenster am hinteren Ende des Kirchenschiffes ist zwischen Ästen und Blättern kaum noch zu erkennen.

Die nachfolgenden Bilder zeigen den Eingang zum Kirchenschiff, das Kirchenschiff selbst und eines der Seitenfenster.

Hätte ich damals gewusst, dass ich Jahre später einen Blog starte, hätte ich wohl mehr und bessere Bilder gemacht. Ich denke aber, man kann sich hier ganz gut ein Bild von der Ruine und dem Grundstück machen. Bisher eine meiner schönsten Kirchenruinen, die ich in Irland besucht habe.

Zum ersten Teil von „Verlassene Mauern“ gehts hier .

Zu den ersten beiden Teilen gibt es auch ein Video:

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Verlassene Mauern (Teil 1)

Irland ist nicht nur das Land der Schafe, Kobolde und grünen Wiesen. Neben den über 30.000 Burgen, Ruinen und Schlössern gibt es auch zahlreiche verlassene Häuser auf der Insel.

Als ich mir in den letzten Tagen Gedanken darüber gemacht hatte, wie es wohl im neuen Jahr in Sachen Landschaftsfotos aussehen wird, kam mir die Idee, ein neues Projekt zu starten und den Charme des Verfalls in Bildern festzuhalten.

Noch weiß niemand, wie lange uns Corona noch einschränkt. Da bietet sich eine Fotoreihe mit eben diesen verlassenen Häusern an. Zur Abwechslung mal keine schönen Landschaften oder Sonnenuntergänge, sondern Häuser und Ruinen. Mal sehen, was das wird…

Heute war es den ganzen Tag nebelig und kalt. Morgens minus 4 Grad, aber trocken, daher hatte ich mir nach dem Mittagessen meine Kamera geschnappt und die ersten Bilder für mein neues Projekt geschossen. Dieses Haus hatte ich vor ein paar Jahren entdeckt, als ich noch mit der Bridgekamera unterwegs war. Da es auch innerhalb des aktuell gültigen 5km-Radius liegt, war dies ideal für den Start des Projektes „Verlassene Mauern“. Aufgrund der Jahreszeit ist der Blick auf das Haus auch nicht durch wild wuchernde Blätter bedeckt.

Zum zweiten Teil von „Verlassene Mauern“ gehts hier .

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Zu den ersten beiden Teilen gibt es auch ein Video:

Auf zu neuen Ufern

Ein Leser meines Blogs hatte mich vor ein paar Wochen gefragt, wie ich eigentlich nach Irland gekommen bin. Da ich in diesem Jahr (2021) im Herbst „10 Jahre Irland“ feiern kann, habe ich nun die freien Tage genutzt, um die Geschichte hier niederzuschreiben.

Irland war schon als Kind in den 70er Jahren für mich faszinierend, nicht nur wegen der Musik. Mit meinem Kassettenrecorder nahm ich damals in meinem Zimmer neben Hardrock auch gerne Folksongs auf, die im Radio gespielt wurden. Dabei waren z. B. Songs der Gruppe Steeleye Span, die einzige Band, an deren Namen und Lieder ich mich heute noch erinnere.

Auch die wenigen Bilder, die man damals von dieser Insel mit ihren grünen Hügeln und Wiesen sah, zogen mich bereits früh in ihren Bann. Besonders die Ruhe, die diese Bilder ausstrahlten, weckten immer eine eigenartige Sehnsucht in mir und ich träumte schon als kleiner Junge davon, in einer alten Hütte in Irland gemütlich vor einem Kamin zu sitzen. Dieses Bild sollte ca. 40 Jahre später tatsächlich Wirklichkeit werden.

In dieser Zeit wurde auch die Kelly Family in Deutschland allmählich bekannt. Ich erinnere mich noch, als meine Mutter einmal vom Einkaufen aus der Stadt zurückkam und mir begeistert erzählte, dass dort irische Straßenmusiker in traditionellen grünen Gewändern, zusammen mit ihren Kindern und so tollen Stimmen, in der Fußgängerzone auftraten und sich „Die Kelly Family“ nannten. Wenn mir damals einer erzählt hätte, ich würde einen von ihnen Jahrzehnte später zufällig in Irland beim Einkaufen treffen…

Ja, ich hatte vor 1 oder 2 Jahren Angelo mit zwei seiner Kinder beim Einkaufen in Ennis entdeckt, als er mit seinem Einkaufswagen vor mir herlief. Ich hatte ihn aber aus Respekt in Ruhe gelassen, obwohl ich mir schon überlegt hatte, kurz zu fragen, ob er für ein kurzes Foto mit mir zusammen Zeit hätte, habe es mir aber dann doch anders überlegt. Er sollte wenigstens hier seine Ruhe haben.

Jedenfalls war Irland schon immer ein besonderes Thema für mich, auch wenn ich es nie geschafft hatte, wenigstens mal Urlaub auf dieser Insel zu machen. Es ging eher in die Schweiz zum Skifahren oder nach Italien zu Bekannten, aber Irland schien in weiter Ferne.

Wir machen einen Zeitsprung in das Jahr 2010. Dort traf ich im Oktober auf Facebook meine Jugendschwärmerei Sabine durch Zufall nach vielen Jahren wieder. Wir kannten uns noch aus der Zeit um 1988, als ich im Osten Münchens wohnte. Dort besuchten wir dieselbe Diskothek und hatten viele gemeinsame Freunde. All die Jahre hatte ich sie nie vergessen, auch wenn wir damals nicht so viel Kontakt hatten, wie ich es mir gewünscht hätte. Für mich schien dieses Mädchen jedoch immer unerreichbar, so wurde nie mehr als ein netter Nachmittag daraus, den wir gemeinsam verbrachten. Irgendwann sind wir beide in andere Städte umgezogen und hatten daher keinen Kontakt mehr.

Bis zu jenem Tag als wir uns zufällig auf Facebook wiederfanden und zu schreiben begannen. In einer der ersten Mails schrieb sie am Ende des Textes „liebe Grüße aus Irland“ und ich fragte, ob sie gerade im Urlaub wäre. Ihre Antwort: „Nein, ich lebe hier“… Wow, dachte ich… Irland.

Im Laufe der Zeit wurden unsere Nachrichten persönlicher und spätere Telefonate und nächtelange Skype-Sessions intensiver. So entwickelten sich langsam Gefühle bei uns, die über eine normale Freundschaft hinausgingen. Im Dezember kam Sabine für ein paar Tage nach Deutschland und wir fielen uns endlich in die Arme.

Im Januar 2011 flog ich für eine Woche nach Irland und sah dieses Land zum ersten Mal live. Sabine wohnte damals im County Tipperary und unternahm mit mir kleine Tagestouren z. B. zum Lough Derg oder Clare Glens und ich war begeistert und verliebte mich durch und durch in dieses Land und seine Menschen, von denen ich einige in dieser Woche kennenlernen durfte.

Die ersten Fotos in Irland incl. erster Pub-Besuch:

Von nun an flog ich alle paar Wochen/Monate, je nach Urlaubsmöglichkeit und Geldbeutel, zu Sabine und in mein geliebtes Irland. Seit dem ersten Besuch auf der Insel war mir klar: Deutschland wird eines Tages nur noch Urlaubsziel sein.

So kam es, dass ich Sabine im Sommer 2011 fragte, ob sie meine Frau werden möchte und nachdem ohne Zögern ein glückliches „Ja“ als Antwort kam, stand meine Entscheidung fest. Irland wird meine neue Heimat.

Im September 2011 brach ich die Zelte in Deutschland ab, kündigte meinen Job und wanderte nach Irland aus. Meine Klamotten und kleine Dinge, die ich nicht täglich brauchte, schickte ich nach und nach per Postpaket, der Rest kam in zwei Reisekoffern beim letzten Flug mit. Meine Eigentumswohnung in Deutschland wurde erst vermietet und nach ein paar Jahren dann verkauft. Auch Motorrad und Pkw wechselten schon vorab den Besitzer. Die letzten Tage vor dem Flug fuhr ich noch mit einem 300 Euro teuren Wagen durch die Gegend, dessen TÜV gerade noch gültig war und der ohnehin fast auseinanderfiel. Diesen hatte ich dann bei einer Werkstatt zum Verkauf abgestellt.

Anfangs hatten wir in einem kleinen, netten Cottage im County Tipperary gelebt. Als ich eines Tages so vor unserem Kamin saß, erinnerte ich mich wieder an den Moment, als ich diese Szene so ähnlich als Kind vor mir sah und grübelte darüber nach, ob es sowas wie Vorsehung geben kann oder dies nur Zufall ist. Aber egal, ich war glücklich hier auf der Insel und habe es noch an keinem Tag bereut.

Zu Hause in Irland – Herbst 2011

Die Suche nach einem Job gestaltete sich dann doch mühsamer als wir gedacht hatten, denn gerade in der Gegend, in der wir lebten, gab es nicht viel außer Farmen oder Reiterhöfe. Unzählige Bewerbungen wurden verschickt, aber monatelang keine Antwort oder Absagen.

Bis ich durch Zufall in der Jobbörse im Internet auf eine Stellenausschreibung klickte, die interessant klang. Eine Firma in Shannon suchte deutschsprachige Mitarbeiter für den Kundendienst. Schnell hatte ich meine Bewerbung noch am Abend abgeschickt und schon am nächsten Tag kam der Anruf, in dem man mich zum Interview einlud. Dieses verlief auch sehr gut und ich trat ca. 2 Wochen später meinen ersten Job in Irland an.

Da ich nun jeden Tag ca. 100 Kilometer einfach in die Arbeit fahren musste, entschieden wir uns 2013 jedoch, nach Ennis im Co. Clare umzuziehen. Jetzt hatte ich nur noch 20 Minuten zur Arbeit und vor allem deutlich geringere Fahrtkosten.

2013 haben wir auch geheiratet und die Hochzeit war für die meisten der ca. 30 Gäste aus Deutschland ein besonderes Erlebnis, denn viele waren zum ersten Mal auf der Insel. Die Feiern im Restaurant und in den beiden Pubs, zu denen sich auch vielen irische Freunde und Bekannte gesellten, hatten es in sich, denn die Feierlichkeiten gingen von Freitag Vormittag bis Samstag Abend. Darüber könnte ich fast schon einen eigenen Beitrag schreiben.

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