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Good bye, Instagram

Gestern Morgen habe ich mich dazu entschlossen, meine Instagram-Accounts zu schließen.

Die Entscheidung kam urplötzlich beim Durchscrollen der aktuellen Bilder von Konten denen ich folge oder zu bestimmten Themen wie z. B. „Fotografie“ oder „Irland“ und ich habe mich gefragt, was ich hier eigentlich mache.

Photo by energepic.com on Pexels.com

Zum 5. Mal in ein paar Wochen sehe ich dasselbe Bild von einer Landschaft irgendwo auf der Welt auf demselben Account, ich scrolle gelangweilt weiter. Zwischendurch erscheinen Accounts mit hunderten von Followern, aber kein, oder nur ein Bild drin… was soll das??? Und wer folgt solch einem Konto?

Ich finde einen Account mit duzenden Bildern von einem „möchtegern-coolen“ Typen, der sich unwiderstehlich vorkommt. Mal mit Sonnenbrille, mal ohne, mal am Strand, mal im Auto – aber immer dieselbe Hackfresse, die doof in die Kamera grinst. Keine nette Umgebung oder interessante Landschaften, nur seine bildfüllende Visage in allen möglichen Posen. Sowas hat über 1000 Follower… Wenn ich mir diese so ansehe, finde ich dasselbe in weiblicher Form.

Mädchen mit Handys in der Hand vor dem Spiegel, die sich x mal am Tag selber im Bad fotografieren und meinen, wie toll und sexy sie sind, weil sie Schnuten ziehen, dass selbst Duffy Duck neidisch wird und stolz auf ihre, zum Teil noch aufgespritzten, Lippen sind bei denen man sich fragt: Ist das ne Allergie oder gehört das so? Aber das ist eben Geschmacksache, mir jedenfalls, graust es bei sowas…

Da ich hier keine speziellen Bilder von Personen einstellen will, hier gibts genug Beispiele:

https://www.instagram.com/explore/tags/duckface/

Das Schlimmste ist, die Masse der oben genannten männlichen Spezies fährt voll darauf ab und liked was die Tastatur hergibt. Dazu kommen noch die – mehr oder weniger geistreichen – Kommentare der Follower. Dem einen oder anderen würde ein Duden anstelle eines Handys sehr gut tun. Mitleidig lächelnd scrolle ich weiter.

Das Selbstwertgefühl – definiert durch die Anzahl der Follower und Likes – nein, danke. Klar, wenn einem viele Leute folgen, hat man scheinbar etwas Interessantes zu bieten… aber mal ehrlich, was ändert sich dadurch? Und vor allem, wie vielen von Deinen Followern gefallen Deine Bilder wirklich und welche davon folgen Dir nur damit sie selber gesehen werden?

Wenn ich mir die Auswertung der Klicks auf meiner geschäftlichen Homepage inishots.com so ansehe, stelle ich fest, dass kaum einer von Instagram kommt. Heißt im Gegenzug: Den Leuten scheint ein Bild zu gefallen, aber keinen interessiert wirklich wer dahinter steckt, sonst würde man ja mal die entsprechende Homepage besuchen. Wenn ich z. B. bekannten Fotografen gefolgt bin, habe ich mir auch mal deren Webauftritt angesehen, die Galerien durchgestöbert und bin ihnen manchmal auch auf Facebook gefolgt, weil mich diese Leute bzw. deren Arbeiten interessiert haben.

Meine Kunden kommen von der Facebook-Seite oder meiner Homepage, in der ich auch einen Shop integriert habe und aufgrund von Werbung, die ich gelegentlich schalte. Ehrlich betrachtet ist Instagram, zumindest für mich, reine Zeitverschwendung geworden.

Die Jagd nach Followern nimmt auch schon seit Längerem sonderbare Formen an. Anders kann ich mir nicht erklären, dass es Leute gibt, die Geld dafür ausgeben, um die Zahl ihrer Fans künstlich nach oben zu schrauben. Sucht mal auf YouTube nach „mehr Instagram follower bekommen“ – es ist abartig, was da abgeht. Jeder dieser sogenannten „Influencer“ hat die beste Strategie oder einen besonders heißen Tipp.

Ich habe Instagram meist genutzt, um evtl. neue Bilder von interessanten Landschaften hier in Irland zu entdecken, die mich dazu inspirieren, dann selbst dorthin zu fahren um Bilder zu machen – oder mir die geplante Location mal aus anderen Blickwinkeln anzusehen. Aber diese Bilder finde ich auch auf anderen Social-Media-Seiten und dann in einem vernünftigen Format. Das ist auch eine Sache, die mich in den letzten Monaten immer mehr an Instagram genervt hat. Die Bilder im handytauglichen, quadratischen Format. Immer ist man auf der Suche nach dem geeigneten Bildausschnitt wenn man von einer Tour nach Hause kommt und die ersten Bilder davon veröffentlichen möchte.

Dass ich den PC mit einem richtigen Bildschirm dem Handy vorziehe, wo es nur geht, liegt zum Teil sicher auch am Alter, denn mit über 50 habe ich meine Jugend noch ohne Handy verbracht. Wir mussten noch zu Freunden laufen oder mit dem Fahrrad fahren um denen etwas Neues zu erzählen. Ich schau mir ein Landschaftsbild auch lieber im Format 4:3 auf meinem Monitor am PC an, als auf dem kleinen Handy oder Tablet.

Meine ersten Erfahrungen mit einem PC hatte ich mit ca. 18 Jahren gemacht, als ich mir, inspiriert von einem Kameraden bei der Bundeswehr, den ersten Computer mit DOS 6.0 und Windows. 3.1 gekauft hatte. In der Zeit wurde auch das „word wide web“ für die Öffentlichkeit zugänglich und wir wurden von CD’s mit der ersten AOL-Software überschüttet. Damals kostete das Surfen im Netz noch richtig Geld und man stand immer vor der Wahl, im Internet zu Surfen oder am Festnetz erreichbar zu sein.

Aber zurück zum eigentlichen Thema. Ich bin mit meiner Entscheidung meine Instagram-Accounts zu löschen zufrieden und fühle mich wohl. Nicht mehr alle paar Tage überlegen, welches Bild ich jetzt hochlade, welche Hashtags ich verwende, damit es möglichst oft gesehen wird, etc. Vor allem jetzt, in der Zeit von Lockdown und Co, in der es an neuen Bildern ohnehin mangelt.

Wer sich wirklich für mich oder meine Arbeiten interessiert, findet mich auf anderen Kanälen im Netz:


https://www.facebook.com/irlandfoto

http://www.inishots.com

Camerapixo Press

7 replies »

  1. Mann, Dein Text ging mir jetzt aber mal runter wie Öl! Noch gar nicht lange her, da habe ich es auch mal bei Insta versucht. Eine Woche. Ich bin so gut wie nie beachtet worden… 🙂 Was mir aber auch klar war – wenn du dich demonstrativ gegen den Algorithmus wendest… Allein das Wort erzeugt bei mir schon einen Brechreiz. Kein Mensch BRAUCHT diese Plattform… Niemand!

    Viele Grüße
    Reinhard

    Gefällt 1 Person

  2. Hallo Markus,

    der Beitrag könnte glatt von mir sein. Vielleicht liegt es auch an der Generation, bin selber ein 69er Ich kann Deine Gedankengänge sehr gut nachvollziehen.
    Allerdings würde ich das jetzt nicht nur an Instagram festmachen. Den von Dir betrieschenen Trend sehe ich auch auf anderen sozialen Plattformen. Leider ist da sehr viel Content ohne wirklichen Inhalt zu finden.

    VG
    Alexander

    Gefällt 1 Person

  3. Hallo Markus,

    ich kann Deine Entscheidung absolut nachvollziehen. Aus den von Dir genannten Gründen habe ich mich bereits vor 2 Jahren von Instagram verabschiedet – und bereue es bis heute keine Minute.

    Die gesparte Zeit, die mir Insta „geraubt hat“, nutze ich seitdem, um wieder mehr in Blogs zu stöbern, die über meine Interessensgebiete schreiben. Und ich freue mich jedesmal, wenn ich auf einen Kommentar eine Reaktion erhalte 🙂

    Herzliche Grüße und eine schöne Vorweihnachtszeit,
    Eddy

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  4. Gute Entscheidung, aus den richtigen Gründen! Genau deshalb habe auch ich mich Anfang des Monats von INSTAGRAM verabschiedet und (weil die Hoffnung zuletzt stirbt und im Feed viel Herzblut steckte) vorläufig auf unbegrenzte Zeit deaktiviert. Immer mehr unsinnige, aufblähende Funktionen, die irrwitzige Reaktionen zur Folge haben (Storys, die auf den gleichlautenden Post verweisen, idiotische selfmade Videos für die neue Reel-Funktion, Filter über Filter, Shop-Funktion …) und alles huldigt nur dem schnöden Mammon. Der Content ist irgendwo zwischen der Beliebigkeit verloren gegangen und der Algorithmus unterstützt nur noch die ohnehin Großen. Gesponserte Beiträge, soweit das Auge reicht! Ich möchte nicht analytisch Follower angeln. Ich suche Bereicherung und investierte Gedanken und Mühe für meine Posts. Social ist aber ein Deal auf Gegenseitigkeit und nicht nur für Selbstdarsteller! Auch ich habe durch den Cut eine Menge Freiheit zurückgewonnen! VG und alles Gute!

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